8 Monate Paris … und ein bisschen zu Hause.

Im August ist Paris eine Touristenstadt. Die Einheimischen sind ausgeflogen, viele kleine Läden machen dicht, die Concierge ist im Urlaub … naja, und auch man selbst hat plötzlich quasi frei. Jedenfalls ist unser kleiner Tante Emma Laden geschlossen und ich bin einmal raus aus dem inzwischen zur Routine gewordenen 5-Tage-Rhythmus. In der Zwischenzeit war ich in Hamburg und habe nicht nur durch die Auftritte mit dem Schauspielkollektiv, sondern durch Stadt, die Freunde und Kollegen dieses Leben wieder gespürt, das ich zurück gelassen habe. Zwei Seelen, ach, in meiner Brust. Ja, ich vermisse Hamburg. Ich vermisse den norddeutschen Spirit, die Elbe, die Alster, die Kollegen, das Spielen, das kreative Element in meiner Arbeit und den Austausch oder vielleicht auch den speziellen Lebenswandel, den ich zu Hause mit vielen meiner Freunde teile, während ich hier nur wenige professionelle Künstler und Theaterschaffende kenne.

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Wasserspiele bei Planten un Blomen. Ferien zu Hause!

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Gastspiel in Cloppenburg – Soundcheck.

Zurück in Paris geht es mir aber auch großartig – jedenfalls, solange ich nur Gästeführungen mache und ansonsten dem Dasein fröne und in den Tag hinein lebe. Allein das Wetter erwies sich als guter Grund für eine Rückkehr. Man kann immernoch in den Abendstunden im Hemdchen auf der Terrasse sitzen, ohne zu erfrieren. Am Seineufer und am Canal de l’Ourq liefert „Paris plages“ die Möglichkeit, kostenlos schwimmen zu gehen, sich auf bereit gestellten Liegestühlen niederzulassen, Boule oder „Babyfoot“ (also Kicker) zu spielen und ein gepflegtes Bierchen am Wasser zu trinken. Ich habe an einigen Stadtführungen von französischen Kollegen teilgenommen und auf diese Weise das ein oder andere Pariser Quartier nochmal neu entdecken können, kurz, Ferien in Paris sind schon ziemlich prima! Ausserdem bin ich an guten Tagen mittlerweile in der Lage, einigermaßen entspannt mit Franzosen zu kommunizieren und zu scherzen. Es gibt vieles, was noch zu entdecken bleibt. Gleichzeitig ist die Stadt inzwischen in gewisser Weise vertraut und sowas ähnliches wie eine zweite Heimat geworden. Und ich habe die Menschen, mit denen ich hier meine Tage und Abende verbringe, lieb gewonnen.

Parisplages

ALORS, ON DANSE … Swingen an der Seine. C’est Paris au mois d’août

Einzig das berufliche Selbstverständnis bringt mein Wohlbefinden manchmal ins Wanken. Ich merke zunehmend, dass ich nicht die Kraft habe, noch einmal bei Null anfangend ein funktionierendes Netzwerk aufzubauen, welches mir Zugang zu künstlerischen Projekten verschafft. Noch dazu in einem Land, dessen Sprache ich nur bedingt beherrsche und mit dessen Gepflogenheiten ich auf diesem Gebiet nur bedingt vertraut bin. Da ich aber mit diesem Dasein als freie Künstlerin so verwoben bin und seine Abwesenheit einen Teil von mir lahmlegt, der mich ganz existentiell treibt, kristallisiert sich immer stärker heraus, dass der Aufenthalt hier – wie ursprünglich auch geplant – eine zeitlich begrenzte Auslandserfahrung bleiben wird. Für die verbleibenden 7 Monate stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, auf eine berufliche Veränderung hinzuwirken, die mir erlaubt, meine 35-Stunden-Woche im Laden zumindest auf einen Teilzeitjob zu reduzieren. Vermutlich wird das am Ende der Zufall entscheiden.

Wer weiß, vielleicht bleibe ich sogar eine Art Grenzgänger. Vielleicht wird etwas bleiben von dieser energetischen Stadt. Ernest Hemingway verwendete dafür einmal die Worte “If you are lucky enough to have lived in Paris as a young man, then wherever you go for the rest of your life, it stays with you, for Paris is a moveable feast.” Vielleicht kann man diesen Zustand auch als woman, advanced in age noch erreichen.

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PARIS, A MOUVABLE FEAST … feu d’artifice du 14 juillet, vue de ma terrasse.

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Hamburg, meine Perle

Meine Stadt ist im Ausnahmezustand.
Ich bin nicht vor Ort und empfinde die Kombination aus Berichterstattung und Eindrücken von Freunden als sehr surreal. Selbst hier in Paris sind die Ausschreitungen Thema, auf allen sozialen Netzwerken strömt eine wilde Flut an Eindrücken und Stellungnahmen auf mich ein, zum Teil eher aus der Perspektive der eigenen kleinen Erlebniswelt, zum Teil vor dem Hintergrund globalpolitischer Ansichten und Schlussfolgerungen.
Mich macht in der Ferne vieles davon wütend. Sowohl die Position derer, die einen monokausalen Zusammenhang herstellen zwischen polizeilichem Fehlverhalten und der dann folgenden Eskalation als auch die Stimmen aus den Reihen der Rechtskonservativen, die die Ereignisse für einen generellen Feldzug gegen die „Linke“ instrumentalisieren. Fragt sich nur, was „links“ daran sein soll, die Schaufensterscheibe eines Spielwarengeschäfts einzuschlagen, Kleinwagen in Brand zu stecken und Verkehrsschilder zu demolieren. Mich nervt die überzogene, pauschale Behauptung, wir lebten in einem Polizeistaat, welcher das Recht auf friedliche Demonstrationen immer und grundsätzlich verwehrt und sich überall und bei jeder Gelegenheit eskalationsfördernd verhält. Ich bezweifle, dass die selbsternannten Verteidiger einer gerechten Weltordnung von Unruhen abgesehen hätten, wenn sich die Polizei nur korrekt verhalten hätte. Und ich bin recht froh, nicht in Saudi Arabien zu leben, wo eine so weitgehende Kritik am Staat in der Tat ihre Berechtigung hat. Gleichzeitig nerven mich aber auch die gefolgstreuen Gartenzwergbesitzer, die an anderer Stelle Hartz-4-Empfänger und Flüchtlinge für ihre steuerliche Überbelastung verantwortlich machen und hier jetzt jeden, der das polizeiliche Vorgehen in Hamburg als suboptimal bewertet, der linksradikalen Szene zuordnen, zumal ja auch aus den eigenen Reihen Kritik laut wird. Mich nerven auch diejenigen, denen es egal ist. Oder die, die in Winterhude Süd wohnen und sagen, regt Euch nicht auf, auf dem Mühlenkamp ist alles friedlich und die Berichterstattung über bürgerkriegsähnliche Zustände ist sensationsheischende Panikmache.

Die Zerstörungswut unter dem Deckmantel der Menschenrechte nervt mich sowieso. Mehr als das. Abgesehen davon, dass es ziemlich absurd anmutet, sich für die Rechte von Menschen einzusetzen, deren Kiosk man gerade verwüstet hat, macht es traurig, dass Menschen quasi um ihre Existenz gebracht worden sind, die an sozialer Ungerechtigkeit mit Sicherheit keinen Anteil haben. Das Ergebnis von alledem hat die soziale Ungerechtigkeit auf der Welt jedenfalls – wenn überhaupt – lediglich einer Verschlechterung zugeführt.

Couragierter und zielführender sind die zehntausend Hamburger, die sich heute freiwillig und, wie berichtet wird, gut gelaunt, zum Aufräumen getroffen und dem Desaster eine konstruktive Maßnahme entgegen gesetzt haben. Auch das löst die zurecht kritisierte soziale Schieflage der Weltpolitik nicht in Luft auf, aber die dahinterstehende Haltung ist mit Sicherheit solidarischer als sinnloser Vandalismus.

Angekommen

Während die Hamburger auf Facebook zur Stund einen schwarzen Himmel beklagen oder zumindest vermelden, hier nach wie vor Sommer hart. Ich bin bekanntlich die letzte, der Hitze etwas anhaben kann, aber da es auch nachts nicht abkühlt, gerate selbst ich an meine Grenzen und fiebere ganz besonders auf die im August übliche Urlaubszeit hin, wo ganz Paris brach liegt und man jeden Tag ans Wasser fahren kann.

Bis dahin ist noch der Umzug zu bewältigen, in der Hoffnung, dass der Fahrstuhl in meinem neuen Heim zeitnah repariert wird. Das Teil ist nämlich, wie mir mitgeteilt wurde, seit Wochen ausser Betrieb, und ich ziehe in den siebten Stock. Zudem mache ich mir ein bißchen Sorgen um die rechtzeitige Installation meines Internetanschlusses, weil die angeblich unschlagbar günstige Firma Bouygues ein recht eigenwilliges System der Kundenbetreuung ihr eigen nennt. Sie verfahren nach dem Motto „don’t call us, we call you“. Das Problem dabei ist, dass die mich immer dann zu erreichen versuchen, wenn ich nicht abnehmen kann, weil ich gerade vor einer Gruppe deutscher Touristen stehe und den Montmartre präsentiere … Ruft man die Nummer zurück, erfolgt eine automatische Ansage des Inhalts, dass man mich wegen einer wichtigen Nachricht bezüglich meiner Bestellung zu erreichen versucht habe und bald wieder anrufen würde. Tolle Wurst.

Zu vermelden gibt es, dass ich mich angekommen fühle in der capitale der französischen Chaoten. Ich habe Freunde, Franzosen und Deutsche, die sich um mich sorgen, mir beim Umzug helfen, Kurzreisen, Ausflüge und soirées organisieren und mich darin trainieren, in größerer Gruppe Gesprächsinhalte mitzuschneiden, in denen Abkürzungen wie „p’tit dej“ oder „cinq heure du mat“ vorkommen. Je nach Tagesform gelingen mir auch mal zusammenhängende Wortbeiträge und/oder ein halbwegs gut verpackter Witz, und ich fahre inzwischen weitgehend navigationsfrei mit dem Fahrrad durch die ganze Stadt.

Was das Schinkenschneiden betrifft, schwanke ich täglich zwischen einer gewissen Gewöhnung an ein bürgerliches Berufsleben in einem intellektuell nicht allzu fordernden Metier – zumal ich die kleine Tante-Emma-Familie rund um unseren sympathischen Arbeitgeber lieb gewonnen habe und ich auf diesem Wege immer wieder exotische oder praktische französische Worte lerne, wie zum Beispiel tiret du 6, was man braucht, um den Kunden die Email-Adresse zu nennen – und einem Gefühl von Überdruss und Sehnsucht nach meinem Beruf. Zum Glück bieten mir die Touristenführungen und die Stippvisiten an deutschen Theatern Gelegenheit, meine Kernkompetenzen doch noch irgendwo zum Einsatz zu bringen.

Alles in allem ist die Stimmung gut. Vive la France 🙂

 

Une vie ailleurs

Frei nach dem gleichnamigen Kinofilm hier der Zwischenstand nach knapp fünf Monaten im Ausland:

Es ruckelt sich zurecht. Zunehmend. Heute habe ich meinen ersten ausländischen Mietvertrag unterzeichnet und bin nun ab Juli Mieterin einer 43qm-Wohnung in Aubervilliers, was für Pariser Verhältnisse enorm ist (genauso wie die Höhe der Kaution, die ich gerade überwiesen habe). Noch schwanke ich zwischen Euphorie und Panik; letzteres ob der Wirren des nun zu erledigenden Formalkrams à la française, vor allem aber aufgrund der doch zunehmenden Kosten, die dann auf mich zukommen, und ersteres, weil meine bisherige Wohnsituation auf Dauer suboptimal ist. Nach 20 Jahren wieder in einer WG zu residieren, ist fordernd. Zumal die hiesige Zweckgemeinschaft mit meinen Studenten-WGs von einst nur partiell vergleichbar ist. Fakt ist, dass ich in den letzten Wochen (noch über die Frage grübelnd, ob ich den Mietvertrag wirklich machen soll oder nicht) oft dachte, um einfach durchzuhalten, bis ich wieder in mein Hamburger Paradies zurück kehre, ist die geplante Dauer des Aufenthalts zu lang, um eine ganze Wohnung anzumieten erscheint sie irgendwie zu kurz. Am Ende siegte die Überzeugung, dass ich so eine Gelegenheit im Pariser Raum nie wieder bekommen werde und die Wohnung zur Not immernoch untervermietet werden kann, falls ich den Vertrag nicht zu früh auflösen möchte.

Ähnliche Gedankenschläge wie die Wohnungsfrage bereitet mir indes meine berufliche Situation. Ich habe die Kollateralschaden eines 35-Stunden-Jobs, der weder künstlerisch noch intellektuell besonders inspirierend ist, unterschätzt. Unter anderem läuft das Hamsterrad der komplett unflexiblen Arbeitszeiten, die immer im gleichen Rhythmus absolviert werden, meinem Wesen, welches nach Abwechslung auf allen Ebenen strebt, grundsätzlich entgegen. Und so balanciere ich mit Möglichkeiten, diesen Vollzeitjob wenigstens zu reduzieren. Die Touristenführungen hingegen machen großen Spaß und sorgen dafür, dass ich auch hier in Paris wenigstens teilweise meine Kernkompetenzen zum Einsatz bringen und gestalten kann statt nur Befehlsempfängerin zu sein.

Grundsätzlich muss ich mir hier vieles wie ein Jungerwachsener neu erschliessen. Das ist interessant, denn es führt mir vor Augen, wie selbstverständlich mir deutsche Vorgehensweisen bisher erschienen. Arztbesuche, Versicherungsangelegenheiten, Bankgeschäfte, Mietverträge und und und, vieles funktioniert hier ein kleines bißchen anders und konfrontiert einen mit kleinen Stolpersteinen, mit denen man nicht gerechnet hat. Gleichzeitig steigert all das das Verhandlungsgeschick in französischer Sprache, und mit jedem gelösten Problemchen der vorgestellten Art gewinne ich ein bißchen mehr das Gefühl, Teil dieses Landes zu sein. Auch schön.

Ein großer Gewinn sind für mich die Menschen, mit denen ich hier meine Freizeit verbringe. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich einige von ihnen als Freunde bezeichne und es total super finde, dass ich in Paris Leute kenne, die ohne mit der Wimper zu zucken, ihre Hilfe beim Umzug anbieten. Juhu! Nach wie vor ist es so, dass lange Telefongespräche deutschen Freunden vorbehalten sind, weil ich telefonieren auf französisch so anstrengend finde, dass ich nach spätestens 20 Minuten ermüde. Chatten hingegen geht.

Die Fülle von Eindrücken, die dieses Paname liefert, ist enorm. Ich bin meistens gerne hier und habe nur noch gelegentlich Heimweh. Aber wannimmer ich gelegentlich nach Deutschland zurück kehren kann, um zu spielen, tanzt mein Herz. Mehr und mehr erkeimt eine innere Hoffnung auf Spielmöglichkeiten im Pariser Raum. Ich glaube, das würde sich wie ein Durchbruch anfühlen.

Fête des couleurs, cité universitaire Paris 2017

Kino Pop und Drehtag mit Eichhörnchen – tournage avec un écureuil

„Le Kino“, wie die Franzosen es nennen, ist entstanden in Quebec. Da wurde in den 90er Jahren erstmals eine Veranstaltung organisiert mit der Idee, mit geringen Mitteln und in einer vorgegebenen, kurzen Zeitspanne, Kurzfilme zu produzieren. Inzwischen ist daraus so eine Art internationale Bewegung geworden. Weltweit finden in regelmäßigen Abständen Kino Kabarets statt. Der ganz harte Kern der Community reist im Grunde ständig von Land zu Land, um an diesen Events teilzuhaben … als Filmemacher, Schauspieler, Techniker oder oder oder. Jeder kann sich für alles anbieten, so dass der Rahmen nicht wirklich professionell zu nennen ist. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, wie viele der so produzierten Filmchen trotzdem eine gewisse Professionalität aufweisen.

Ich selbst kam mit dem Konzept erstmals letztes Jahr in Berührung, als ich in Paris an „Kino Belleville“ teilnahm. Zunächst fühlte ich mich da allerdings eher wie ein Fremdkörper in einer spürbar eingeschworenen Gemeinschaft und war mir auch gar nicht so sicher, ob Spontaneität auf Zuruf überhaupt mein Ding ist. Dennoch hat mich der Spirit und vor allem einzelne Teilnehmer und deren Herangehensweise respektive der filmischen Ergebnisse irgendwie fasziniert. (Leider ist mein Lieblingsfilm aus dieser Session nicht öffentlich verfügbar und kann daher hier nicht verlinkt werden). Und so verfolge ich seit meinem Umzug die Aktivitäten der Pariser Kinoiten, die sich jeden Monat unter der Headline „Kino Pop“ treffen. Bei diesen Veranstaltungen wird eine Auswahl von Filmen gezeigt und am Ende werden per Losverfahren Teams zusammengewürfelt, die für die nächste Veranstaltung eine filmische Aufgabe zugespielt bekommen. Man könnte sagen Improtheater in Filmform. Diesmal in meinem Fall: Thema „animaux“ (Tiere), Satz „J’ai envie de noisettes“ (Ich habe Lust auf Nüsse). Mit dieser Arbeitsanweisung hatte die ausgeloste Regisseurin ein Drehbuch zu schreiben und zu realisieren. Letzte Woche wurde gedreht, und ich habe ein neues französisches Wort gelernt: écureuil – Eichhörnchen. Gedreht wurde draussen, und die minderjährigen Passanten quietschten oft begeistert auf, wenn sie den Kollegen im Eichhörnchenkostüm entdeckten. Ich selbst durfte so eine Art Eichhörnchenfetischistin verkörpern. Die per Losverfahren gezogenen Mitstreiter und -streiterinnen waren zu 90 Prozent total durchgeknallt, aber je länger ich Teil dieser Kino-Bewegung bin, desto mehr gewinne ich diese Leute lieb und fühle mich umgekehrt mehr und mehr aufgenommen ins Geschehen. Ob das Filmergebnis mir gefällt, wird sich zeigen. Irgendwie fand ich meinen französischen Sprachfluss an dem Tag nicht optimal, was schade ist, weil ich im Allgemeinen zunehmend offener und fliessender zu sprechen vermag. Aber hey, es handelt sich ja nicht um karriereentscheidendes Material, und so oder so tat es mir gut, die Frage nach der richtigen Schinkenschneidetechnik mal wieder durch kreativere Aufgabenstellungen zu ersetzen, ohne dafür gleich nach Deutschland heizen zu müssen. Alles in allem ganz großes Kino!

Während der Landung und Rückkehr

Bien atterri et de retour. Un peu malade, heureuse et mélancolique en même temps. Hambourg me manque déjà, mais il y fait un temps de merde. Paris me charme avec son air toujours doux (même à minuit), deux semaines des projets sympas m’attendent. J’ai hâte d’emménager dans mon nouvel appart … La vie parisienne continue.

Wenn man das in den Google-Übersetzer eingibt, steht da:
Während der Landung und Rückkehr. Ein wenig krank, glücklich und traurig zugleich. Hamburg vermisst es schon, aber es ist eine beschissene Zeit. Paris Charme mich mit seinem immer sanft (sogar um Mitternacht), zwei Wochen nach den kühlen Projekten erwarten mich. Ich freue mich auf Umzug in meine neue Wohnung … Pariseres Leben geht weiter.“

Gemeint ist, dass ich meine erste Rückkehr nach Hamburg hinter mich gebracht habe, gut gelandet und zurück in Paris bin. Glücklich und melancholisch zugleich, denn auch wenn mir Hamburg jetzt schon fehlt, empängt mich Paris mit herzlichem Charme. Es war übrigens keine beschissene Zeit, sondern nur Scheißwetter. Und nach Hamburg zu kommen, ohne meine Wohnung betreten zu können, war schon auch ein merkwürdiges Gefühl. Insgesamt aber dennoch ein gelungenes Wiedersehen.

Der letzte potentielle Blogeintrag blieb unveröffentlicht, weil zu frustriert und persönlich. So kommt es, dass in der Zwischenzeit so viel passiert ist, dass eine vollumfängliche Zusammenfassung den Rahmen sprengen würde und hier nur Bruchstücke der Ereignisse auftauchen.

Eine Schwierigkeit, die mir auch in Deutschland zu schaffen macht, setzt sich hier in verschärfter Weise fort: Das Hamsterrad des Geldranschaffens. Das hat mich in den letzten Wochen sehr beschäftigt, denn ich hatte noch nie einen Vollzeitjob, der nicht nur Berufsfremdheit und Angestelltenverhältnis, sondern  auch stetig gleiche Arbeitstage und -zeiten beinhaltete. Das alles verschärft das Gefühl des Hamsterrädchens und erschöpft mich manchmal ziemlich. Zudem arbeite ich ja on top als Gästeführerin und Schauspielerin und dadurch für meinen Geschmack insgesamt eigentlich zu viel. Gleichzeitig ist mein Arbeitgeber ein super Typ und mittlerweile sowas wie ein Freund geworden, der mir unter anderem eine Hammerwohnung mit zwei extraterrasitischen Terrassen zur Nachmiete vermittelt hat. Man sieht von der Terrasse aus Sacré Coeur und erahnt den Eifelturm!!!

Anlässlich einer kleinen Theatertournee hat Hamburg mich zumindest für anderthalb Tage wieder gehabt, bevor und nachdem mir die Gastspielreise mit „Der Kick“ in Meckelfeld, Lüneburg, Delmenhorst und Quakenbrück Gelegenheit gab, meiner Sehnsucht nach der Bühne nachzugeben und zu spielen …

Es waren großartige Tage, ich brauchte diesen künstlerischen Input sehr nach gefühlt langem Verbleib zwischen Schwarzwälder Schinken und Pfanni-Knödeln. Und so kehre ich gestärkt und motiviert ins Pariser Leben zurück und freue mich auf meinen ersten Drehtag als angelernte Französin … nächste Woche, hier in diesem Paname, wie der Franzose seine Hauptstadt nennt.

Paris rockt … und stresst.

Gestern habe ich die erste Shisha meines Lebens geraucht. Ich bin Fan! Es war ein eher guter Tag in Sachen Kommunikation, auch wenn es mir  immernoch Mühe bereitet, einer Kommunikation unter Franzosen zu folgen und beizuwohnen.

Shisha rockt

Ich hatte mir vorgestellt, in wenigen Wochen zumindest als angelernte Französin durchzugehen und mit entwaffnender Leichtigkeit durch die Wirren der hiesigen Redekultur zu flirren. Tatsächlich fühle ich mich noch immer als uneleganter Fremdkörper jeder Unterhaltung und schneide nur zwischen 60 und 90 Prozent des Gesagten mit, je nach Gesamtumständen und Gesprächsthema. Eher niedrigschwellig sind Kleingruppengespräche über die Themen Kultur und Theater oder Liebe, Sex und Beziehung. Hardcore: eine große Gruppe französischer Muttersprachler in einer laut beschallten und überfüllten Bar an einer dicht befahrenen Strasse spricht entweder über ungarische Aussenpolitik oder aber über Medienkram und Persönlichkeiten, die in Deutschland keine Sau kennt – beziehungsweise über international bekannten Medienkram und Persönlichkeiten, deren Namen, von Franzosen ausgesprochen, unverstehbar sind (wie etwa die Bee Gees, Hollywood oder Andy Warhol).
Das Gefühl, kommunikativ unterlegen zu sein, ist mir ausgesprochen fremd und irritiert mich, um nicht zu sagen läßt sich kaum aushalten. Gleichzeitig käme eine Rückkehr zu den eigenen Leisten, wo es sich unbeschwert plaudern und streiten läßt und Schlagabtäusche leichtfüßig über die Lippen flutschen, einer Niederlage gleich, und so überwiegt der Ehrgeiz das Heimweh.

Paris ist zweifellos genial. Die literarsichen Liebeserklärungen aus aller Welt laufen gewiss nicht fehl. Diese monumentalen Plätze und Flaniermeilen, die winzigen ruelles, in denen alte Häuser mit hübschen Fassaden und Retrolaternen stehen und wo das Kopfsteinpflaster für Komfortverlust und romantische Wallungen zugleich verantwortlich ist, die unendlich vielen Bars und Theater und Crêperien und kleinen Läden, die durch die allgemeine Enge und die höhere Intensität an Chaos eine besondere Art der Lebhaftigkeit vermitteln, anders als das bunte Treiben auf den weitaus breiteren und in gewisser Weise sogar aufgeräumteren Strassen Berlins. All das ist großartig und faszinierend. Und gleichzeitig macht es mich fertig, dass einen in Paris das ständige Gefühl von eingeklemmt, umgerannt und blockiert werden begleitet. Völlig egal, ob man auf dem Fahrrad, im Auto, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß unterwegs ist, überall versperren andere Menschen, andere Fahrzeuge und sonstige Hindernisse den Weg. Man kommt nicht voran, und es fehlt einfach überall „space“ – inklusive der Wohnsituation, die hier im Allgemeinen beengter ist, als wir Deutschen das gewohnt sind.

Gleichwohl liefert Paris einen bemerkenswerten kulturellen Overkill. Ich habe noch nie so viele, charmante kleine und große Theater auf so kleiner Fläche gesehen. Diese Orte reihen sich in vielen Strassen wie an einer Perlenkette auf; der Spaziergang von Notre Dame über den Louvre bis hin zum Arc de Triomph ist einfach gigantisch und bei einem Rundgang durch das edle SaintGermain-des-Prés erwähnte unsere Gästeführerin, es gäbe zu jedem einzelnen Gebäude eine historiengeschwängerte Story. Man kann sich nicht satt sehen an der beleuchteten, nächtlichen Seine-Promenade und begegnet überall Menschen, die plaudern wollen und gelegentlich sogar etwas hörenswertes zu erzählen haben.
Natürlich ist es auch sehr international hier, so dass man im Grunde sein Dasein ausschliesslich mit ebenfalls Zugewandereten aus aller Herren Länder verbringen könnte. Das würde das Gefühl des Fremdseins eventuell minimieren.

Ich hingegen bin geneigt, mich mit Franzosen zu umgeben – oder zumindest solchen, die in Paris nicht nur auf der Durchreise sind. Und da wird es dann schon schwieriger, Aufnahme zu finden in schon bestehende Kreise. Gar nicht einmal, weil die Leute unwillig oder arrogant sind, wie manch einer den Parisern nachsagt. Vielmehr erschöpft mich das Aushalten der Tatsache, dass Vertrautheit und Verbindung sich entwickeln müssen und man bis dahin zwangsläufig ein Gefühl von Anstrengung verspürt, erst recht, wenn man in der Sprache limitiert ist und schnell als Ausländer auffällt, während die anderen meist schon zumindest zum Teil vertraut und nahe und verbunden miteinander sind. Auf diese Weise wird wohl besonders intensiv die Einsamkeit spürbar und das Fremdkörpergefühl, welches neue Ufer quasi von Natur aus mit sich bringen.

Im Gegensatz dazu stellt sich bereits jetzt ein Métro-boulot-dodo-Gefühl ein, was die Routine des Arbeitsalltags betrifft. So ein eher einsilbiger und unflexibler Vollzeitjob ist, wie mir gewahr wird, einigermaßen erschöpfend, und da man viel Lebenszeit damit verbringt, verkleinert er die Zeitfenster für andere Entdeckungen. Inzwischen kann ich keine Würste und Brezeln mehr sehen. Gelegentlich habe ich den Eindruck, dass mir einfach die Energie für andere Aktivitäten fehlt, so erschöpft bin ich nach nur 6 Wochen Otto-Normalverbraucher-Job.

Um mich vom Pariser Overkill zu erholen, habe ich meinen heutigen freien Tag in der campagne verbracht und mich statt mit umherflirrenden Parisern mit Enten und alten nordfranzösischen Bauwerken umgeben – darunter auch ein Theater, das théâtre municipale. Schnuckelig, wenn auch für meine Begriffe zu kalt. In Paris war heute T-Shirt-Wetter und ich war zu dünn angezogen für die nordische Frischluft.

Festzuhalten bleibt, dass diese Herausforderung auch rockt. Es geht noch wohin auf diesem Weg. Und solange bleibe ich hier!

Tout va mieux

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Sechs Wochen nach dem Umzug. Nach anfänglich gutem Lauf stellen sich vereinzelt Frustrationen ein. Alles begann mit dem Vorhaben, ein funktionierendes Bankkonto zu eröffnen. Dieses Unterfangen ist bei der französischen Postbank ein Loriot’sches Szenario, wäre ich Schriftstellerin, würde ich eine Satire daraus machen. Bis heute sind nicht alle Funktionen meines Online-Bankings problemlos nutzbar. Ich erspare meinen Leser/innen die Details, muss aber sagen, dass meine Frustrationstoleranz ihr Limit erreicht hat, nachdem ich in den letzten beiden Wochen vermutlich ein gutes Viertel meiner Lebenszeit dem Schlangestehen bei oder telefonieren mit der Banque Postale geopfert habe.

Mit dieser zunehmenden Verärgerung einhergehend, wurde ich wohl auch in anderen Lebensbereichen ungeduldig und innerlich quengelig. In den letzten Tagen fehlten mir meine Freunde. Keine Frage, dass es nicht weiter erstaunt, wenn man sechs Wochen nach einem Umzug ins Ausland noch keinen Freundeskreis fürs Herz hat; und ja, ich finde es prima, in dieser kurzen Zeit so vielen zum Teil bereichernden, zum Teil unterhaltsamen und zum Teil einfach nur drolligen Menschen begegnet zu sein, berufliche Kontakte geknüpft und amüsante Abende verbracht zu haben. Gleichwohl ereilte mich vor einigen Tagen das erste Mal so eine Sehnsucht nach der persönlichen Gegenwart meiner Freundinnen und Freunde von zu Hause, mes amis proches (wofür mir gerade kein schönes deutsches Pendant einfällt, weil ich das Attribut „eng“ im Zusammenhang mit Freundschaften irgendwie falsch gewählt finde; „nah“ ist schöner, sagt sich aber im Deutschen ja leider nicht). Hinzu kommt, dass ich manchmal frustriert bin, weil mir die französische Sprache immernoch nicht so locker-flockig von der Zunge fliesst, wie ich mir das vorgestellt habe nach anderthalb Monaten. Anders gesagt bemerke ich, dass mir zwar einerseits unheimlich viel neuer Input in Sachen Sprache zuteil wird, ich aber andererseits gerade deswegen häufiger durcheinander gerate als vorher, weil all die Möglichkeiten zwar irgendwo angekommen sind, aber noch nicht da, wo sie sich in spontan gesprochene Sprache transferieren. Ich vermisse die Leichtigkeit beim Sprechen, die ich in meiner Muttersprache als normal empfinde. Intellektuell ist mir im Übrigen klar, dass diese Erwartung im Alter von 40 Jahren unrealistisch ist nach so kurzer Zeit. Emotional geht es mir trotzdem manchmal anders, allein schon, weil ich mich für ein Sprachtalent halte und es bekanntlich besonders schmerzlich ist, das, was man eigentlich kann, plötzlich auch nicht mehr zu können – also, neben den Sachen, die man eh noch nie konnte 😉

Nun, in dieser gedämpften Stimmung also erreichten mich heute verschiedene Anrufe, die mich im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Tage versöhnlich gestimmt und meinem Allgemeinbefinden Aufschwung verliehen haben.
Zum einen hat mein heutiges Gespräch mit dem Mitarbeiter der Banque Postale meiner Sprachfrustation entgegen gewirkt, denn ich kam – wenn auch ohne vollumfänglich zufriedenstellendes Ergebnis, was die Wartezeit bis zur endgültigen Problemlösung betrifft – mit dem ermutigenden Gefühl nach Hause, mich für ne Deutsche sehr eloquent beschwert zu haben. Zum anderen gab es verschiedentlich gute Nachrichten aus der Heimat. Da ich inzwischen wieder joggen kann und heute mein freier Tag ist, sehe ich der jetzt anstehenden Bewegungsrunde entspannt entgegen und über die heute nicht ganz so sonnige Wetterlage hinweg.

Tout va mieux, je me débrouille.

Business as usual

Nach einer weiteren Woche kehrt fast so etwas wie ein Gefühl des Alltags in der französischen Hauptstadt ein. C’était une semaine enorme, wie der Franzose sagen würde. Neben dem Tante Emma Laden gab es jeden Vormittag und oft auch noch Abends etwas zu tun, so dass ich mich gestern schon am späten Nachmittag mit Migräne ins Bett begab.

Unter anderem habe ich diese Woche meine Montmartre Tour zumindest so vollständig vorbereitet, dass ich sie anständig präsentieren kann. Obwohl ich vermutlich trotzdem die einzige Gästeführerin sein werde, die ihre Stadt schlechter kennt als die Touristen – aber ich habe ja in meinem Beruf gelernt, solche Defizite erfolgreich als Teil des Events zu verkaufen. Am Mittwoch wollte ich mir die Premiere meiner Kolleginnen und Kollegen von Schwarzbrotgold ansehen. Der Besuch endete leider damit, dass mir mitgeteilt wurde, man könne mich nicht mehr reinlassen, der Saal sei pickepackevoll. Man entschuldigte sich aber sehr liebevoll, und die Dame von der Billeterie gab mir ihre Handynummer für den Fall, dass es nächstes Mal Probleme geben sollte, und versprach, im Notfall persönlich für Einlass zu sorgen. An der turbulenten Premierenfeier habe ich hinterher trotzdem teilgenommen und bereue es nicht, gewartet zu haben. Umso gespannter bin ich ausserdem, das Stück zu sehen, über das natürlich an diesem Abend viel geplaudert wurde … „Typisch deutsch“ ist der Titel des Ouevres, und offensichtlich hat das Publikum, ähnlich wie im Theatersport, eine nicht ganz unwesentliche Aufgabe, indem nämlich Orte und Themen des Geschehens teilweise von den Zuschauern bestimmt werden können.

Desweiteren wurde die Eröffnung eines zweiten französischen Bankkontos nötig, weil das Online-Konto, welches ich im Tabac eröffnet hatte, sich als ziemlicher Mist erwies. Auf diese Weise verbrachte ich zwei Vormittage auf der banque postale und warte bis heute auf Bankkarte und Online-Zugang.

Heute scheint in Paris die Sonne, ich fühle mich wieder ausgeruht und voller Tatendrang und werde mich nun auf die Suche nach einem speziellen Ort begeben, den ich zwar aus dem letzten Jahr noch dunkel erinnere, aber nicht mehr exakt orten kann. Allée, je m’en vais.

Grüezi, Schwiiz

Kleine Begeisterungskieckser werden vernehmbar, als der Theaterbus des Regionentheaters die Aare über diese eigenwillige Brücke überquert und ins schweizerische Büren einfährt.
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Was für ein niedliches Städtchen, das sich uns da in winterlicher Schneeromantik präsentiert.

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Im Sommer, so wird uns erzählt, schwimmen die Leute in der Aare (meist angeblich nur in eine Richtung, obwohl es sich offiziell nicht um einen Einbahnfluß handelt). Auch stelle ich mir einen Aufenthalt im Sommer dahingehend schön vor, dass der Dorfplatz ein schöner Ort wäre, um sich die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen und mental auf die Vorstellung einzustimmen. Trotzdem finde ich -wenngleich generell eher der Sommertyp- die weiße Schneedecke bezaubernd und wunderbar.

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Im Sommer wird hier geschwommen, im Winter gibt’s an der Aare Kunst im öffentlichen Raum.

Das Kellertheater Lindenhof, wo wir am Abend spielen, steht dieser Herzlichkeit in nichts nach. Es handelt sich um einen höhlenartigen und gleichzeitig sehr warmen Raum, in den man über eine nicht ungefährliche, aber charmant-bucklelige Stiege (wie der Schweizer sagt) gelangt. Auf dieser Bühne fühlt man sich willkommen und wohl. Ausserdem tut sie unserem Stück gut, denn die Enge des Raumes läßt die Dimensionen einer herkömmlichen Pariser Wohnung ausgezeichnet im Schauspieler und vor dem Zuschauerauge entstehen, auch wenn ich vor dem Drehen der Bühne etwas Angst habe, weil ich Sorge habe, ich könnte mit meinen 10 Zentimeter hohen Absätzen an der Bühnenkante umknicken, welche unsere Drehbühne beim umdrehen nur knapp verfehlt. Klappt aber am Ende gut.

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Ankunft im Kellertheater

Ankunft im Kellertheater

Diese verwunschene Treppe führt ....

Diese verwunschene Treppe führt ….

... auf diese sympatische Kammerbühne.

… auf diese sympatische Kammerbühne.

Wir werden von den Betreibern warmherzig empfangen und bekommen ein hervorragendes Catering. Leider kann ich keine Rösti bestellen, weil wir ein wenig gegen die Uhr essen und die Zubereitung der hausgemachten Rösti geraume Zeit in Anspruch nimmt. Nächstes Mal!

In der gemütlichen und angenehm beheizten Garderobe befindet sich ein Detail, das nicht nur die Hingabe der Schweizer zu ihren Künstlern, sondern auch ihren Humor widerspiegelt. Die Toiletten befinden sich nämlich ausserhalb des Theaters, was einem Künstler mit schwacher Blase während seines Auftritts zu schaffen machte. Seither gibt es in einem Verschlag innerhalb der Garderobe eine Campingtoilette für die Künstler, die folgendermaßen ausgeschildert ist:

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Das warten auf den Vorstellungsbeginn vertreibe ich mir mit Experimenten rund um meinen Selfiestick.

Sophie und Bertrand warten auf Godot ... ähm, auf den Vorstellungsbeginn.

Sophie und Bertrand warten auf Godot … ähm, auf den Vorstellungsbeginn.

Und so geht Sophie Delassère dann um viertel nach acht wohlgestylt auf ihre One-Woman-Geburtstagsfeier:

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Im zweiten Akt wirkt sie bereits derangierter, immerhin macht ihr der verpeilte, aber auf seltsame Weise nicht ganz unattraktive Nachbar ganz schön zu schaffen.

Nach der Flasche Champagner ...

Nach der Flasche Champagner …

Die warme Atmosphäre des Kellertheaters läßt auch die Zuschauer nicht unberührt. Wir haben eine grandiose Stimmung im Raum, ich habe so gerne für diese Menschen gespielt, die uns lange und warmherzig applaudieren und nach der Vorstellung beglückwünschen und spüren lassen, dass auch sie einen gelungenen Abend mit uns hatten. Da geht mir das Herz auf. An diesem Abend lerne ich ein neues Bier kennen, dessen Falsche (mit einem als Kronenkorken getarnten Schraubdeckelverschluss) ich mir neben ein bißchen Schweizer Schogchi als Andenken mitnehme nach Frankreich: Quöllfrisch.

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Danke ans Kellertheater Lindenhof, für die schöne Vorstellung, aber auch das Drumherum und Eure tatkräftige Unterstützung beim Abbau.
Uf Widerluaga, Schwiiz – und das meine ich wörtlich!!!