She She Pops 7 Schwestern

Jetzt habe ich sie auch gesehen.
Sie sind zu siebt, weil die drei aus "dem Buch" (welches als solches auch mitspielt im Stück) um die vier Darsteller/innen ergänzt werden. Es gibt also Mascha, Olga und Irina. Und es gibt Johanna, Ilia, Lisa und Sebastian. Und dann gibt es André, die Kinder und uns, "die Besucher". Die Performance ist überwiegend bewegtes Bild auf Leinwand. Jedes Zimmer des Prosowschen Hauses hat seine eigene: Küche, Salon, Kinderzimmer, Terasse, Flur und …hm, was war das für ein Zimmer? Büro? Gelegentlich bespielt jemand die Besucher draussen, also die Bühne.
Es geht um Rollenbilder, Elternschaft, Arbeit, Einsamkeit, das Lebensgefühl jenseits der vierzig. Zum Beispiel lernen wir ganz am Anfang, dass es mit vierzig zu spät ist für Flechtfrisuren und Scherpen. Also, schnell nochmal Haare wachsen lassen! Später gibt es so ne Art Podiumsdiskussion über Rollenbilder und eine neue Art der Kinderzeugung wird diskutiert. Also, jenseits von heterosxuellen Beziehungsmodellen oder so ähnlich. Wie das genau gehen soll, habe ich vergessen, ist aber auch egal im Grunde. Ging wohl eher um den Gaga-Faktor. Jedenfalls unkonventionell. Und kollektiv.
Was ich an der Erzählart unbedingt mag, ist die gelungene trashige, heutige, humorige Präsentation Tschechow'scher (und nichttschechow'scher) Ideen plus die Atmosphäre russischer Melancholie, die ich tatsächlich spüren und schmecken und riechen konnte. Heutig sein, jetzt, hier, Hamburg und trotzdem die Figuren des Originals eingefangen. Ja, das ist in meinen Augen wirklich geglückt.
Im letzten Akt werden die Kinder, zwei- bis vierjährig, nach Moskau geschickt. Drolliges Finale. "So, zieht Euch mal alle an. Wir machen nämlich einen Ausflug. Ja. Ehrlich gesagt, wir machen einen Ausflug für immer. … Wo es langgeht, ja, das ist ganz einfach. Ihr geht einfach immer geradeaus, und ganz wichtig, nicht zurück, ja, also, nicht zurück. Ich komme nicht mit. Ihr geht alleine. Ihr müßt einfach raus. … Ja, raus aus dem Haus und raus aus den Strukturen. Wenn Euch jemand fragt, wo Ihr hin wollt, was sagt Ihr denn dann? …. Ja, raus. Raus aus den Strukturen. Genau. Das ist nämlich wichtig für Euch. …. Nein, die Mama bleibt hier. Die Mama ist nämlich ein Teil genau dieser Struktur, aus der Ihr ja raus sollt. Ihr müßt Eure eigenen Entscheidungen treffen, das ist wichtig. Wichtig für Euch. Kannst Du schon Solidarität sagen? Solidarität? Nein … na gut, Moskau, kannst Du schon Moskau sagen?" "Moskau" "Sehr schön. Wenn Euch jemand fragt, wo Ihr hin wollt, dann sagt Ihr einfach, nach Moskau, alles klar?"
Am Ende, standing Ovations trotz offenbar eher mieser Kritiken im Vorfeld.
Mich hat das Stück durchaus berührt.
Ich hätte die Darsteller gerne mehr live gesehen.
Aber ich mochte die Themen und die Art, wie sie reflektiert wurden. Und diese Frauen, diese Menschen um die vierzig, die gepflegt verzweifelt und gepflegt ironisch ihre Rollen spielen. Als Eltern, als Katzenbesitzerinnen und als Jobinhaber. Die Maskenbälle veranstalten, Geschenke basteln, Liebesbriefe verfassen, sich fragen wie erfülltes Dasein geht.
Diese Figuren sind sehenswert. Aktuell. Projektionsfläche. Und kurzweilig.
Kurzweilig. Muß man mit Tschechowfiguren erstmal hinkriegen.

Zu She She Pop

Zu Adrian Antons Bericht auf Theaterblogs

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