Paris, j’arrive

Auf diesem Blog noch nicht zur Erwähnung gekommen, aber schon seit längerem in Planung und Vorbereitung: Ein verspätetes Auslandsjahr in Paris. Zwischen heute und meinem Umzug liegen noch ganze 7 Wochen. Wochen voll mit Auftritten, Orgakram und Touristenbespaßung. All das fühlt sich gerade surreal an, zumal bei der Firma, die mich in Paris engagiert hat, Vollchaos herrscht und die mir versprochene Arbeitszeit sich wohl auf das Niveau eines Minijobs reduzieren wird. 7 Wochen vor dem bevorstehenden Umzug ist diese Info natürlich ein Super-GAU, aber auch mal wieder hausgemacht, weil ich in der mir eigenen Naivität nicht hinreichend auf schriftliche Festschreibung der Konditionen geachtet habe.

Anyway. Ich marschierte jedenfalls daraufhin in einen germanophonen Laden, von dem ich zufällig gelesen hatte, dass da Mitarbeiter gesucht werden und plauderte mit dem äusserst sympathischen Besitzer. Der war zunächst sehr skeptisch, weil er wohl die Erfahrung gemacht hat, dass Künstler als Arbeitnehmer schnell abspringen, sobald sie (wieder) in der eigenen Domaine Arbeit finden. In Deutschland würde ich es inzwischen tatsächlich als Abstieg empfinden, Jobs völlig ausserhalb des Kreativen machen zu müssen.
Für meine Zeit in Frankreich fühlt es sich gut an, da besteht aber die Herausforderung ja mehr darin, mit der neuen Sprache umzugehen. Sollte ich im Handumdrehen akzentfreies Französisch lernen, wird sich diese Haltung möglicherweise ändern. Jedenfalls
fand Monsieur Même mich offenbar als Personality drollig genug, um sich auf ein längeres Gespräch einzulassen und konstatierte, dass er kaum Deutsche kenne, die gut französisch sprechen und ich deswegen womöglich trotzdem eine interessante Partie sein könnte. Ich solle ihm meine Vita zukommen lassen und er würde sich melden. Heute kam dann eine freundlich und persönlich formulierte Replik, in der mir mitgeteilt wird, dass ich für den im Januar frei werdenden Job in Betracht komme.
Das ist zwar noch keine feste Zusage, aber vor dem Hintergrund, dass seine erste Reaktion sinngemäß “um Gottes Willen, keine Künstler” lautete, schonmal ganz schön gut. Jedenfalls hat die Lektüre dieser Antwort den Spiegel meiner Glückshormone für den heutigen Tag auf ein exorbitantes Niveau steigen lassen, zumal ich diesen Kerl von Anfang an mochte und intuitiv große Lust bekam, mit ihm zu arbeiten.
Es gibt ein Video mit Phillippe Même, dem sympathischen Tante-Emma-Händler, auf Youtube (in französischer Sprache, aber ich glaube, auch wenn man die Worte nicht versteht, kriegt man einen Eindruck)

Die letzten Tage, die ich in Paris verbrachte, habe ich jenseits der Jobfrage weitere Entdeckungen rund um das Leben in der Capitale gemacht.

So habe ich zum Beispiel festgestellt, dass man Dank Internet unglaublich schnell Kontakte in Paris (und wahrscheinlich überall) knüpfen kann. Ich war bei einem workshopartigen Meeting rund um Polyamorie und unkonventionelle Lebensformen, in kiezigem Ambiente, bei einem Verein, der for-free-Angebote für in Paris lebende Ausländer organisiert und bei einem deutsch-französischen Stammtisch.

Man sollte seinen Alkohol- und Zigarettenkonsum entweder einstellen oder reduzieren, wenn man in Paris lebt, ein Bier kostet durchschnittlich 5 €, eine Schachtel Zigaretten 7 €.

Des weiteren ist es sehr zeitsparend, abends den letzten RER noch zu erwischen, wenn man wie ich im Banlieue wohnt,  aber auch beruhigend zu wissen, dass man zumindest nicht bis zum ersten des Folgetages warten muss, um zurück zu kommen. Eine Nachtbusfahrt ermöglicht Ausländern wie mir ausserdem, mit dem stolzen Gefühl zurück zu kehren, den richtigen Nachtbus gefunden und dank der liebvollen Wegbeschreibung des Busfahrers von der Nachtbusstation (die 10 Minuten Fußmarsch von der RER Station entfernt liegt) nach Hause gefunden zu haben.

Ein großer Bonus französischer Bushaltestellen: Es gibt USB-Anschlüsse zum Aufladen des Handys

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Alles in allem freue ich mich auf Januar. Paris est une fête! 

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