Erste Tage in Paname

Die ersten anderthalb Wochen sind vergangen. Die Formalitäten sind coolerweise und wider Erwarten fast alle erledigt.

Am simpelsten gestaltete sich der Kauf eines Metropasses. Nach einigem Geplauder mit dem Menschen am Schalter verzichtete dieser auf das „Justificativ de domicile“ – ein Wohnsitznachweis, den man in Frankreich ansonsten für jeden beliebigen Akt des sich Einbürgerns braucht – gab mir das Ding so und rief mir, während ich es über die obligatorische Chipkotrollmaschine gleiten liess, hinterher: „Désormais vous êtes Parisienne“.

Die Franzosen haben kein Einwohnermeldeamt und weisen Wohnsitze daher anhand von Strom-, Gas- oder Telefonrechnungen nach. Kompliziert wird es, wenn man selbst keine solche Rechnung besitzt, weil man der Untermieter von jemand anderem ist. Dann braucht man eine Wohnsitzbestätigung samt Rechnung auf den Namen dieses Hauptmieters oder Besitzers der Wohnung. Inzwischen habe ich so ein Ding, denn nach einigen erfolglosen Besichtigungen sagte ich stante pedes zu, als mir ein Zimmer für 550 Euro im 18e angeboten wurde, erhielt am selben Tag die Schlüssel und ziehe in 2 Wochen ein. Ich habe schon lange nicht mehr in einer Wohngemeinschaft gelebt und bin gespannt, wie lange ich damit zurecht komme. Andererseits trainiert es zweifelsohne mein Sprachvermögen, auch im häuslichen Umfeld mit Franzosen zu tun zu haben und ich habe bei dem Paar, das mich beherbergt, ein bißchen Familienanschluss. Den habe ich in meinem jetzigen Dominzil zwar auch, aber ich gebe zu, dass ich mich extrem darauf freue, zukünftig nur noch 10 Minuten zur Arbeit zu brauchen und abends nicht gegen die Uhr feiern zu müssen. Vor dem Hintergrund der extremen Kälte, die mittlerweile auch Paris erreicht hat, erscheinen mir kurze Wege noch einmal attraktiver.

Das Justificatif einmal in Händen und froh über das Zimmer, bin ich mit großem Elan losgestratzt, um ein Bankkonto zu eröffnen. Das sei nämlich, so sagte man mir, in Frankreich völlig unkompliziert und einfach. Ich solle einfach ein sogenanntes Nickel-Konto aufmachen. Nickel-Kontos gibt es beim Tabakhändler. Die werden da wie Prepaid-Simkarten vertickt. Man bezahlt 20 €, bekommt so ein fertiges Paket mit einer ec-Karte, Zugangsdaten und Instruktionen ausgehändigt und hat hinterher ein kostengünstiges Online-Konto, für dessen Eröffnung lediglich ein Personalausweis und dieses Justificatif nötig sind. Ich rechnete für dieses Projekt etwa 1 bis 2 Stunden Aufwand ein, hatte jedoch das Pech, zunächst drei Tabakhändler in Folge aufzusuchen, die im Internet zwar noch als Nickel-Partner aufgeführt, aber tatsächlich gar nicht mehr als solche aktiv sind. Der vierte Händler teilte mir mit, dass Nickel-Konten bei ihm wohl eröffnet werden könnten, aber ausgerechnet heute Wartungsarbeiten auf der Nickel-Website stattfänden, so dass erst ab 20 Uhr wieder eine Kontoeröffnung möglich sei. Es war 18 Uhr, und ich dachte mir, 2 Stunden lang kann ich mich sinnvoll beschäftigen, kam also um 20 h wieder. Leider signalisierte der Computer auch um 21 Uhr noch „Maintenance en cours“, so dass ein weiterer Besuch des Ladens am nächsten Tag notwendig wurde. Auf diese Weise wurde die Sache mit dem Bankkonto zur aufwendigsten Erledigung der Woche, aber alles in allem sogar ganz spaßig, weil ich in diesem Rahmen einige putzige Bekanntschaften machte und das Prozedere an sich auch irgendwie absurd anmutet, wenn man den Umgang mit herkömmlichen Bankangestellten gewöhnt ist.

Desweiteren habe ich inzwischen eine französische Handynummer, eine Auslandsflat, einen Nachsendeauftrag bei der Post, einen Arbeitsvertrag und einen Selfiestick. Letzteren erwarb ich auf den berühmten Puces de Saint-Ouen. Am Montag, da war es noch nicht ganz so kalt. Die Idee war, meine Auslandsaktivitäten fotographisch dokumentieren und gleichzeitig belegen zu können, dass ich dabei war. Allerdings gebe ich zu, das Ding nur ein einziges Mal draussen eingesetzt zu haben, weil mich der Peinlichkeitsfaktor bis jetzt noch abschreckt. Aber ich bin sicher, mit der Zeit werde ich zutraulicher.

Mein provisorisches Zimmer in Antony (Mon bordel, wie der Franzose sagen würde)

Mein provisorisches Zimmer in Antony (Mon bordel, wie der Franzose sagen würde)

Aux puces …

Was man auf dem Foto nicht sieht: Dieser bewaffnete, junge Mann ist umgeben von Gemälden geschmeidiger Frauenkörper, die benefalls zum Verkauf angeboten werden.

Was man auf dem Foto nicht sieht: Dieser bewaffnete, junge Mann ist umgeben von Gemälden geschmeidiger Frauenkörper, die ebenfalls zum Verkauf angeboten werden.

der Vorgänger des Imac G3

der Vorgänger des Imac G3

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Frankreichs Antwort auf den Polenmarkt

Frankreichs Antwort auf den Polenmarkt

Hier weiß man nicht so genau ... isses Kunst oder kann es weg ...

Hier weiß man nicht so genau … isses Kunst oder kann es weg …

 

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