Tout va mieux

tout-va-mieux-kopie

Sechs Wochen nach dem Umzug. Nach anfänglich gutem Lauf stellen sich vereinzelt Frustrationen ein. Alles begann mit dem Vorhaben, ein funktionierendes Bankkonto zu eröffnen. Dieses Unterfangen ist bei der französischen Postbank ein Loriot’sches Szenario, wäre ich Schriftstellerin, würde ich eine Satire daraus machen. Bis heute sind nicht alle Funktionen meines Online-Bankings problemlos nutzbar. Ich erspare meinen Leser/innen die Details, muss aber sagen, dass meine Frustrationstoleranz ihr Limit erreicht hat, nachdem ich in den letzten beiden Wochen vermutlich ein gutes Viertel meiner Lebenszeit dem Schlangestehen bei oder telefonieren mit der Banque Postale geopfert habe.

Mit dieser zunehmenden Verärgerung einhergehend, wurde ich wohl auch in anderen Lebensbereichen ungeduldig und innerlich quengelig. In den letzten Tagen fehlten mir meine Freunde. Keine Frage, dass es nicht weiter erstaunt, wenn man sechs Wochen nach einem Umzug ins Ausland noch keinen Freundeskreis fürs Herz hat; und ja, ich finde es prima, in dieser kurzen Zeit so vielen zum Teil bereichernden, zum Teil unterhaltsamen und zum Teil einfach nur drolligen Menschen begegnet zu sein, berufliche Kontakte geknüpft und amüsante Abende verbracht zu haben. Gleichwohl ereilte mich vor einigen Tagen das erste Mal so eine Sehnsucht nach der persönlichen Gegenwart meiner Freundinnen und Freunde von zu Hause, mes amis proches (wofür mir gerade kein schönes deutsches Pendant einfällt, weil ich das Attribut „eng“ im Zusammenhang mit Freundschaften irgendwie falsch gewählt finde; „nah“ ist schöner, sagt sich aber im Deutschen ja leider nicht). Hinzu kommt, dass ich manchmal frustriert bin, weil mir die französische Sprache immernoch nicht so locker-flockig von der Zunge fliesst, wie ich mir das vorgestellt habe nach anderthalb Monaten. Anders gesagt bemerke ich, dass mir zwar einerseits unheimlich viel neuer Input in Sachen Sprache zuteil wird, ich aber andererseits gerade deswegen häufiger durcheinander gerate als vorher, weil all die Möglichkeiten zwar irgendwo angekommen sind, aber noch nicht da, wo sie sich in spontan gesprochene Sprache transferieren. Ich vermisse die Leichtigkeit beim Sprechen, die ich in meiner Muttersprache als normal empfinde. Intellektuell ist mir im Übrigen klar, dass diese Erwartung im Alter von 40 Jahren unrealistisch ist nach so kurzer Zeit. Emotional geht es mir trotzdem manchmal anders, allein schon, weil ich mich für ein Sprachtalent halte und es bekanntlich besonders schmerzlich ist, das, was man eigentlich kann, plötzlich auch nicht mehr zu können – also, neben den Sachen, die man eh noch nie konnte 😉

Nun, in dieser gedämpften Stimmung also erreichten mich heute verschiedene Anrufe, die mich im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Tage versöhnlich gestimmt und meinem Allgemeinbefinden Aufschwung verliehen haben.
Zum einen hat mein heutiges Gespräch mit dem Mitarbeiter der Banque Postale meiner Sprachfrustation entgegen gewirkt, denn ich kam – wenn auch ohne vollumfänglich zufriedenstellendes Ergebnis, was die Wartezeit bis zur endgültigen Problemlösung betrifft – mit dem ermutigenden Gefühl nach Hause, mich für ne Deutsche sehr eloquent beschwert zu haben. Zum anderen gab es verschiedentlich gute Nachrichten aus der Heimat. Da ich inzwischen wieder joggen kann und heute mein freier Tag ist, sehe ich der jetzt anstehenden Bewegungsrunde entspannt entgegen und über die heute nicht ganz so sonnige Wetterlage hinweg.

Tout va mieux, je me débrouille.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s