Kino Pop und Drehtag mit Eichhörnchen – tournage avec un écureuil

„Le Kino“, wie die Franzosen es nennen, ist entstanden in Quebec. Da wurde in den 90er Jahren erstmals eine Veranstaltung organisiert mit der Idee, mit geringen Mitteln und in einer vorgegebenen, kurzen Zeitspanne, Kurzfilme zu produzieren. Inzwischen ist daraus so eine Art internationale Bewegung geworden. Weltweit finden in regelmäßigen Abständen Kino Kabarets statt. Der ganz harte Kern der Community reist im Grunde ständig von Land zu Land, um an diesen Events teilzuhaben … als Filmemacher, Schauspieler, Techniker oder oder oder. Jeder kann sich für alles anbieten, so dass der Rahmen nicht wirklich professionell zu nennen ist. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, wie viele der so produzierten Filmchen trotzdem eine gewisse Professionalität aufweisen.

Ich selbst kam mit dem Konzept erstmals letztes Jahr in Berührung, als ich in Paris an „Kino Belleville“ teilnahm. Zunächst fühlte ich mich da allerdings eher wie ein Fremdkörper in einer spürbar eingeschworenen Gemeinschaft und war mir auch gar nicht so sicher, ob Spontaneität auf Zuruf überhaupt mein Ding ist. Dennoch hat mich der Spirit und vor allem einzelne Teilnehmer und deren Herangehensweise respektive der filmischen Ergebnisse irgendwie fasziniert. (Leider ist mein Lieblingsfilm aus dieser Session nicht öffentlich verfügbar und kann daher hier nicht verlinkt werden). Und so verfolge ich seit meinem Umzug die Aktivitäten der Pariser Kinoiten, die sich jeden Monat unter der Headline „Kino Pop“ treffen. Bei diesen Veranstaltungen wird eine Auswahl von Filmen gezeigt und am Ende werden per Losverfahren Teams zusammengewürfelt, die für die nächste Veranstaltung eine filmische Aufgabe zugespielt bekommen. Man könnte sagen Improtheater in Filmform. Diesmal in meinem Fall: Thema „animaux“ (Tiere), Satz „J’ai envie de noisettes“ (Ich habe Lust auf Nüsse). Mit dieser Arbeitsanweisung hatte die ausgeloste Regisseurin ein Drehbuch zu schreiben und zu realisieren. Letzte Woche wurde gedreht, und ich habe ein neues französisches Wort gelernt: écureuil – Eichhörnchen. Gedreht wurde draussen, und die minderjährigen Passanten quietschten oft begeistert auf, wenn sie den Kollegen im Eichhörnchenkostüm entdeckten. Ich selbst durfte so eine Art Eichhörnchenfetischistin verkörpern. Die per Losverfahren gezogenen Mitstreiter und -streiterinnen waren zu 90 Prozent total durchgeknallt, aber je länger ich Teil dieser Kino-Bewegung bin, desto mehr gewinne ich diese Leute lieb und fühle mich umgekehrt mehr und mehr aufgenommen ins Geschehen. Ob das Filmergebnis mir gefällt, wird sich zeigen. Irgendwie fand ich meinen französischen Sprachfluss an dem Tag nicht optimal, was schade ist, weil ich im Allgemeinen zunehmend offener und fliessender zu sprechen vermag. Aber hey, es handelt sich ja nicht um karriereentscheidendes Material, und so oder so tat es mir gut, die Frage nach der richtigen Schinkenschneidetechnik mal wieder durch kreativere Aufgabenstellungen zu ersetzen, ohne dafür gleich nach Deutschland heizen zu müssen. Alles in allem ganz großes Kino!

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