8 Monate Paris … und ein bisschen zu Hause.

Im August ist Paris eine Touristenstadt. Die Einheimischen sind ausgeflogen, viele kleine Läden machen dicht, die Concierge ist im Urlaub … naja, und auch man selbst hat plötzlich quasi frei. Jedenfalls ist unser kleiner Tante Emma Laden geschlossen und ich bin einmal raus aus dem inzwischen zur Routine gewordenen 5-Tage-Rhythmus. In der Zwischenzeit war ich in Hamburg und habe nicht nur durch die Auftritte mit dem Schauspielkollektiv, sondern durch Stadt, die Freunde und Kollegen dieses Leben wieder gespürt, das ich zurück gelassen habe. Zwei Seelen, ach, in meiner Brust. Ja, ich vermisse Hamburg. Ich vermisse den norddeutschen Spirit, die Elbe, die Alster, die Kollegen, das Spielen, das kreative Element in meiner Arbeit und den Austausch oder vielleicht auch den speziellen Lebenswandel, den ich zu Hause mit vielen meiner Freunde teile, während ich hier nur wenige professionelle Künstler und Theaterschaffende kenne.

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Wasserspiele bei Planten un Blomen. Ferien zu Hause!

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Gastspiel in Cloppenburg – Soundcheck.

Zurück in Paris geht es mir aber auch großartig – jedenfalls, solange ich nur Gästeführungen mache und ansonsten dem Dasein fröne und in den Tag hinein lebe. Allein das Wetter erwies sich als guter Grund für eine Rückkehr. Man kann immernoch in den Abendstunden im Hemdchen auf der Terrasse sitzen, ohne zu erfrieren. Am Seineufer und am Canal de l’Ourq liefert „Paris plages“ die Möglichkeit, kostenlos schwimmen zu gehen, sich auf bereit gestellten Liegestühlen niederzulassen, Boule oder „Babyfoot“ (also Kicker) zu spielen und ein gepflegtes Bierchen am Wasser zu trinken. Ich habe an einigen Stadtführungen von französischen Kollegen teilgenommen und auf diese Weise das ein oder andere Pariser Quartier nochmal neu entdecken können, kurz, Ferien in Paris sind schon ziemlich prima! Ausserdem bin ich an guten Tagen mittlerweile in der Lage, einigermaßen entspannt mit Franzosen zu kommunizieren und zu scherzen. Es gibt vieles, was noch zu entdecken bleibt. Gleichzeitig ist die Stadt inzwischen in gewisser Weise vertraut und sowas ähnliches wie eine zweite Heimat geworden. Und ich habe die Menschen, mit denen ich hier meine Tage und Abende verbringe, lieb gewonnen.

Parisplages

ALORS, ON DANSE … Swingen an der Seine. C’est Paris au mois d’août

Einzig das berufliche Selbstverständnis bringt mein Wohlbefinden manchmal ins Wanken. Ich merke zunehmend, dass ich nicht die Kraft habe, noch einmal bei Null anfangend ein funktionierendes Netzwerk aufzubauen, welches mir Zugang zu künstlerischen Projekten verschafft. Noch dazu in einem Land, dessen Sprache ich nur bedingt beherrsche und mit dessen Gepflogenheiten ich auf diesem Gebiet nur bedingt vertraut bin. Da ich aber mit diesem Dasein als freie Künstlerin so verwoben bin und seine Abwesenheit einen Teil von mir lahmlegt, der mich ganz existentiell treibt, kristallisiert sich immer stärker heraus, dass der Aufenthalt hier – wie ursprünglich auch geplant – eine zeitlich begrenzte Auslandserfahrung bleiben wird. Für die verbleibenden 7 Monate stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, auf eine berufliche Veränderung hinzuwirken, die mir erlaubt, meine 35-Stunden-Woche im Laden zumindest auf einen Teilzeitjob zu reduzieren. Vermutlich wird das am Ende der Zufall entscheiden.

Wer weiß, vielleicht bleibe ich sogar eine Art Grenzgänger. Vielleicht wird etwas bleiben von dieser energetischen Stadt. Ernest Hemingway verwendete dafür einmal die Worte “If you are lucky enough to have lived in Paris as a young man, then wherever you go for the rest of your life, it stays with you, for Paris is a moveable feast.” Vielleicht kann man diesen Zustand auch als woman, advanced in age noch erreichen.

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PARIS, A MOUVABLE FEAST … feu d’artifice du 14 juillet, vue de ma terrasse.

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