Kurz vor Premiere

Endproben in Kiel.
In der vergangenen Woche haben Erkältungen und andere Mißlichkeiten uns zwar zeitlich hinter den Plan zurück geworfen, aber inzwischen bin ich zuversichtlich, dass die Premiere am Donnerstag trotzdem eine Sause werden kann. Mädchen as Mädchen can … anders gesagt wird bestenfalls meine Lola vom Mädchen zur Frau. Ach, seht einfach selbst!

Ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen, hier einige optische Eindrücke von halb vor, halb hinter den Kulissen …

Josh Riese und Olegsandra Zapolska

Josh Riese und Olegsandra Zapolska

Tina Wagner (Regie),  Josh Riese und Olegsandra Zapolska

Josh Riese und Olgesandra Zapolska

 

Und hier geht’s zur Vorankündigung im Kieler Express

PREMIERE Unbeschreiblich Weiblich am 26.9.2019 um 20 Uhr auf dem Lore&Lay Theaterfrachter, Kieler Hörn

Kostümschlacht

Die sogenannten Krimidinner sind ja inzwischen weit davon entfernt, als Newcomer auf dem Markt der Unterhaltungsformate durchzugehen.
Ich selbst bin seit Jahren immer mal wieder in diesem Format unterwegs.
Die diesjährige Premiere mit Eine Leiche im Louvre wird aber -zumindest für mich persönlich- gleich in zweierlei Hinsicht eine besondere.

Erstens, ich habe das Oeuvre in Kooperation mit meinem Freund und Kollegen Sven Menningmann selbst verfasst, und feiere damit gleichzeitig mein Debüt als (Co-) Autorin dramatischer Unterhaltungsliteratur.

Zweitens, es wird in Sachen Rollenwechsel eine der größten Herausforderungen meiner Laufbahn.

Schon beim Fotoshooting hatten wir viel Spaß mit dem fettleibigen Gendarme Louis Trèsfoot, der seine Diensttage gerne mit einer Tüte Chips vor dem polizeieigenen Fernsehgerät verbringt und die Equipe Tricolore anfeuert, der rustikalen Wanda Wischinski, die im Louvre für Sauberkeit und unterhaltsamen Buschfunk sorgt und der eleganten Expertise Valérie Lavoyante, die der Welt der schönen Künste, aber auch der Männerwelt in nachhaltiger Erinnerung bleiben will.

Gleichzeitig wurde mir aber auch gewahr, dass die vielleicht größte Herausforderung der Produktion meine Kostümwechsel und by the way das Aushalten von Schweißausbrüchen sein wird, die ausdrücklich nicht dem Lampenfieber, sondern der Schichtbekleidung geschuldet sind. Ich schwitze unter Perücke und Hut, mein Oberlippenbart droht, den geneigten Zuschauern auf die Teller zu fallen, weil er sich unter den Schweißperlen ablöst. Die mittels eines Kissens hergestellte Fettleibigkeit löst ihrerseits Hitzewallungen aus. Dabei würde ich neben meiner zierlichen Kollegin Nina Jacobs ohnedies hinreichend pummelig daherkommen. Nun denn, für die Kunst … Sie wissen schon.

 

 

Premiere ist am 25. Oktober 2019
im Literaturhaus Café Hamburg

Hier einige erste Eindrücke der bevorstehenden Kostümschlacht:

Valérie Lavoyante erwartet Ihre Gäste …

Fremdenführerin Françoise Fatale in Action: „Whole Europe in three days“ ist ihre Devise

Gefallenes Mädchen …

Tod einer Handlungsreisenden

Sie, tot im Flur, Madame? So kennt man Sie ja gar nicht!

Das Telefon hat zu viele Mängel, als dass es ernsthaft als Kommunikationsmittel in Betracht kommen könnte

Zeugin der Anklage: Wanda Wischinski

Tatwaffe: Der Eiffelturm

Die Gendarmerie de Paris ist ratlos …

… bis überengagiert

Der echte Schauspieler ist überall Schauspieler, sogar auf der Bühne …

Wie sagte schon Oscar Wilde: Die Bühne scheint mir der Treffpunkt von Kunst und Leben zu sein

Wie gut, dass noch drei Premieren die zweite Halbzeit 2019 bereichern:

19.9. : „Unbeschreiblich Weiblich“ auf dem Lore & Lay Theater Schiff in der Kieler Hörn
Zur Stund wird der Spielort im Akkordtempo vorbereitet, um bald anlegen zu können.

10.10. : „Rückkehr nach Reims“ in der Theaterwerkstatt Pilkentafel in Flensburg. Die Vorproben beginnen bereits in wenigen Wochen.

Und im Laufe des Oktobers: „Eine Leiche im Louvre“, das neue Kriminaldinner im Auftrag von engesser marketing gmbh

Kurz vor den Vorproben in Flensburg nochmal Fotosession in Berlin mit Thorsten Junge

Jahrestag

Heute vor einem Jahr kam ich an.
In „Grand Paris“, der Stadt des Savoir Vivre, der Hausmann’schen Ästhetik, des Louis XIV’schen Pomp, der Street Art und der zauberhaften Brücken. Der Stadt, wo man sich liebend an der Seine entlang flanieren, gepfegten Café trinken, Kunst betrachten, in Bobo-Boutiquen kramen, auf Flohmärkten abgefahrenes Zeug -das kein Mensch braucht, aber jeder gerne hätte- kaufen, Austern schlürfen und auf exzessiven Künstlerpartys französisch parlieren sieht, wenn man als Schauspielerin einen dahingehenden Auslandsaufenthalt plant.

Ich hatte mir vorgestellt, in irgendeiner Weise meinen kreativen Kram fortsetzen und in relativ kurzer Zeit die Sprache wie die Landsleute sprechen … ja, und vor allem verstehen zu können. Ich spüre noch diese surreale, irgendwie unwirkliche und aufgeregte Stimmung, in der ich am ersten Tag im Garten meiner Quasi-Tante (die mich in der ersten Zeit dankenswerterweise beherbergt hat) stand, mit nur 5 Kartons ausgestattet, den Rest meiner Habseligkeiten eingekellert in Hamburg, dieses vergleichsweise mediterrane Ambiente einsaugend und mich einfach freuend, dass plötzlich alles anders und alles zur Routine gewordene unterbrochen ist.

Es ist eine drollige Sache mit der Routine. Sie ereilt uns so rasant, dass wir eigentlich alle sechs Monate komplett das Umfeld wechseln müßten, um ihr zu entgehen. Inzwischen ist die Rückkehr nach Hause, die in drei Monaten ansteht, das große Versprechen, eine Routine zu stoppen, die mittlerweile hier eingetreten ist. Und das, obwohl im Laufe dieses letzten Jahres immer wieder viel und Neues passiert ist … der Umzug von der Tante in die WG und von dort aus in die eigene Wohnung, die Orte und Menschen, die neu in mein Leben kamen, der Besuch aus Deutschland, die Ausflüge, Feiern und Alltäglichkeiten, die mich diese neue Stadt immer wieder anders erleben ließen, all das. Und trotzdem ist schnell ein Gefühl der Unfreiheit eingetreten, welches der extremen Vorhersehbarkeit, Fremdbestimmung und Unflexibilität eines Jobs geschuldet ist, der nunmal zu ganz bestimmten Zeiten an ein und dem selben Ort mit einem sich immer wiederholenden Ablauf einen großen Teil der Lebenszeit hier bestimmt hat und immernoch bestimmt. Schnell wurde mir auch klar, dass für den Aufbau einer neuen künstlerischen Existenz in Frankreich die Aufenthaltsdauer zu kurz ist und ein projektbezogenes Arbeiten nebenbei durch die Unflexibliltät meines Hauptjobs verhindert wird. Auch bin ich keineswegs eine Quasifranzösin geworden, weder was die Sprache, noch was den Heimischkeitsfaktor betrifft. Es erstaunt mich, wie fremd ich mich in einem so nahe gelegenen Land immernoch fühle, wie anders die Uhren hier trotz relativer Nähe und EU und so weiter doch ticken. Es ist kein Fremdheitsgefühl im Sinne eines nicht willkommen Seins. Im Gegenteil, ich empfinde die Menschen und die Mentalität, die mir hier begegnet als sehr warmherzig. Und dennoch bin ich kein Teil davon, jedenfalls nie vollumfänglich.

Et tout ça pour dire … auch wenn ich hier und jetzt, also im derzeitigen Alltag in Grand Paris nicht das Gefühl von „woooow“ in mir trage, das ich vielleicht bei meiner Ankunft vor genau einem Jahr erwartet hätte, ist dieses Jahr retrospektiv ein Wow-Erlebnis und das, was ich hier erleben durfte, unersetzlich.

Highlights waren zum Beispiel:

Ein Drehtag mit Eichhörnchen

Die erste Shisha meines Lebens

Der Color-Run vom Hotel de Ville an der Seine entlang bis zum Eiffelturm

Grand Poetry Slam mit meinem texterischen Lieblingsfranzosen und Freund Philippe Thilliez in Belleville

Die Fête des couleurs in der Cité Universitaire

Das Spielen der loups garous de Thiercelieux (zu Deutsch „Die Werwölfe von Düsterwald) auf französisch

Bestes Couscous ever bei Zerda im 10eme

Immer wieder unverhoffte Strassenkunst auf superhohem Niveau. Hier: Ein echt witziger Comedy-Pantomime vor dem Centre Pompidou

Der Umzug nach ganz oben bei bester Wetterlage. Wie man sieht: Terrasse mit Swimmingpool

Der 14 juillet mit Feuerwerk auf ebendieser wunderbaren Dachterrasse

Besuch vom Filius

Meine Gästeführungen …

… in deren Verlauf das Begrabbeln von Dalidas Brüsten Glück in der Liebe verspricht.

Sommerliche Ausflüge mit internationalem Trüppchen

 

Ein Abstecher nach Bordeaux

Der Besuch der One Mad Show auf der Nouvelle Scène (einem Schiff mit Bühne im Bauch)

Der Aufstieg auf den zweithöchsten Pariser Aussichtspunkt nach dem Eiffelturm

Swing an der Seine bei Paris Plages

Ein Paddelausflug in die Peripherique …

Das Bezwingen französischer Behörden, hier: Organisation einer Carte Vitale

Picknick draussen in französischer Besetzung

Sommer-Atmo am Canal St Martin (im Hintergrund eine Street-Art-Wand, die gelegentlich wieder weiss gestrichen und dann zur neuen Gestaltung freigegeben wird)

Böllerfreies Silvester auf der Anhöhe des parc de Belleville mit Blick auf den beleuchteten Eiffelturm

Fin bref, Paris est une fête – malgré tout!

Während der Landung und Rückkehr

Bien atterri et de retour. Un peu malade, heureuse et mélancolique en même temps. Hambourg me manque déjà, mais il y fait un temps de merde. Paris me charme avec son air toujours doux (même à minuit), deux semaines des projets sympas m’attendent. J’ai hâte d’emménager dans mon nouvel appart … La vie parisienne continue.

Wenn man das in den Google-Übersetzer eingibt, steht da:
Während der Landung und Rückkehr. Ein wenig krank, glücklich und traurig zugleich. Hamburg vermisst es schon, aber es ist eine beschissene Zeit. Paris Charme mich mit seinem immer sanft (sogar um Mitternacht), zwei Wochen nach den kühlen Projekten erwarten mich. Ich freue mich auf Umzug in meine neue Wohnung … Pariseres Leben geht weiter.“

Gemeint ist, dass ich meine erste Rückkehr nach Hamburg hinter mich gebracht habe, gut gelandet und zurück in Paris bin. Glücklich und melancholisch zugleich, denn auch wenn mir Hamburg jetzt schon fehlt, empängt mich Paris mit herzlichem Charme. Es war übrigens keine beschissene Zeit, sondern nur Scheißwetter. Und nach Hamburg zu kommen, ohne meine Wohnung betreten zu können, war schon auch ein merkwürdiges Gefühl. Insgesamt aber dennoch ein gelungenes Wiedersehen.

Der letzte potentielle Blogeintrag blieb unveröffentlicht, weil zu frustriert und persönlich. So kommt es, dass in der Zwischenzeit so viel passiert ist, dass eine vollumfängliche Zusammenfassung den Rahmen sprengen würde und hier nur Bruchstücke der Ereignisse auftauchen.

Eine Schwierigkeit, die mir auch in Deutschland zu schaffen macht, setzt sich hier in verschärfter Weise fort: Das Hamsterrad des Geldranschaffens. Das hat mich in den letzten Wochen sehr beschäftigt, denn ich hatte noch nie einen Vollzeitjob, der nicht nur Berufsfremdheit und Angestelltenverhältnis, sondern  auch stetig gleiche Arbeitstage und -zeiten beinhaltete. Das alles verschärft das Gefühl des Hamsterrädchens und erschöpft mich manchmal ziemlich. Zudem arbeite ich ja on top als Gästeführerin und Schauspielerin und dadurch für meinen Geschmack insgesamt eigentlich zu viel. Gleichzeitig ist mein Arbeitgeber ein super Typ und mittlerweile sowas wie ein Freund geworden, der mir unter anderem eine Hammerwohnung mit zwei extraterrasitischen Terrassen zur Nachmiete vermittelt hat. Man sieht von der Terrasse aus Sacré Coeur und erahnt den Eifelturm!!!

Anlässlich einer kleinen Theatertournee hat Hamburg mich zumindest für anderthalb Tage wieder gehabt, bevor und nachdem mir die Gastspielreise mit „Der Kick“ in Meckelfeld, Lüneburg, Delmenhorst und Quakenbrück Gelegenheit gab, meiner Sehnsucht nach der Bühne nachzugeben und zu spielen …

Es waren großartige Tage, ich brauchte diesen künstlerischen Input sehr nach gefühlt langem Verbleib zwischen Schwarzwälder Schinken und Pfanni-Knödeln. Und so kehre ich gestärkt und motiviert ins Pariser Leben zurück und freue mich auf meinen ersten Drehtag als angelernte Französin … nächste Woche, hier in diesem Paname, wie der Franzose seine Hauptstadt nennt.

Erste Tage in Paname

Die ersten anderthalb Wochen sind vergangen. Die Formalitäten sind coolerweise und wider Erwarten fast alle erledigt.

Am simpelsten gestaltete sich der Kauf eines Metropasses. Nach einigem Geplauder mit dem Menschen am Schalter verzichtete dieser auf das „Justificativ de domicile“ – ein Wohnsitznachweis, den man in Frankreich ansonsten für jeden beliebigen Akt des sich Einbürgerns braucht – gab mir das Ding so und rief mir, während ich es über die obligatorische Chipkotrollmaschine gleiten liess, hinterher: „Désormais vous êtes Parisienne“.

Die Franzosen haben kein Einwohnermeldeamt und weisen Wohnsitze daher anhand von Strom-, Gas- oder Telefonrechnungen nach. Kompliziert wird es, wenn man selbst keine solche Rechnung besitzt, weil man der Untermieter von jemand anderem ist. Dann braucht man eine Wohnsitzbestätigung samt Rechnung auf den Namen dieses Hauptmieters oder Besitzers der Wohnung. Inzwischen habe ich so ein Ding, denn nach einigen erfolglosen Besichtigungen sagte ich stante pedes zu, als mir ein Zimmer für 550 Euro im 18e angeboten wurde, erhielt am selben Tag die Schlüssel und ziehe in 2 Wochen ein. Ich habe schon lange nicht mehr in einer Wohngemeinschaft gelebt und bin gespannt, wie lange ich damit zurecht komme. Andererseits trainiert es zweifelsohne mein Sprachvermögen, auch im häuslichen Umfeld mit Franzosen zu tun zu haben und ich habe bei dem Paar, das mich beherbergt, ein bißchen Familienanschluss. Den habe ich in meinem jetzigen Dominzil zwar auch, aber ich gebe zu, dass ich mich extrem darauf freue, zukünftig nur noch 10 Minuten zur Arbeit zu brauchen und abends nicht gegen die Uhr feiern zu müssen. Vor dem Hintergrund der extremen Kälte, die mittlerweile auch Paris erreicht hat, erscheinen mir kurze Wege noch einmal attraktiver.

Das Justificatif einmal in Händen und froh über das Zimmer, bin ich mit großem Elan losgestratzt, um ein Bankkonto zu eröffnen. Das sei nämlich, so sagte man mir, in Frankreich völlig unkompliziert und einfach. Ich solle einfach ein sogenanntes Nickel-Konto aufmachen. Nickel-Kontos gibt es beim Tabakhändler. Die werden da wie Prepaid-Simkarten vertickt. Man bezahlt 20 €, bekommt so ein fertiges Paket mit einer ec-Karte, Zugangsdaten und Instruktionen ausgehändigt und hat hinterher ein kostengünstiges Online-Konto, für dessen Eröffnung lediglich ein Personalausweis und dieses Justificatif nötig sind. Ich rechnete für dieses Projekt etwa 1 bis 2 Stunden Aufwand ein, hatte jedoch das Pech, zunächst drei Tabakhändler in Folge aufzusuchen, die im Internet zwar noch als Nickel-Partner aufgeführt, aber tatsächlich gar nicht mehr als solche aktiv sind. Der vierte Händler teilte mir mit, dass Nickel-Konten bei ihm wohl eröffnet werden könnten, aber ausgerechnet heute Wartungsarbeiten auf der Nickel-Website stattfänden, so dass erst ab 20 Uhr wieder eine Kontoeröffnung möglich sei. Es war 18 Uhr, und ich dachte mir, 2 Stunden lang kann ich mich sinnvoll beschäftigen, kam also um 20 h wieder. Leider signalisierte der Computer auch um 21 Uhr noch „Maintenance en cours“, so dass ein weiterer Besuch des Ladens am nächsten Tag notwendig wurde. Auf diese Weise wurde die Sache mit dem Bankkonto zur aufwendigsten Erledigung der Woche, aber alles in allem sogar ganz spaßig, weil ich in diesem Rahmen einige putzige Bekanntschaften machte und das Prozedere an sich auch irgendwie absurd anmutet, wenn man den Umgang mit herkömmlichen Bankangestellten gewöhnt ist.

Desweiteren habe ich inzwischen eine französische Handynummer, eine Auslandsflat, einen Nachsendeauftrag bei der Post, einen Arbeitsvertrag und einen Selfiestick. Letzteren erwarb ich auf den berühmten Puces de Saint-Ouen. Am Montag, da war es noch nicht ganz so kalt. Die Idee war, meine Auslandsaktivitäten fotographisch dokumentieren und gleichzeitig belegen zu können, dass ich dabei war. Allerdings gebe ich zu, das Ding nur ein einziges Mal draussen eingesetzt zu haben, weil mich der Peinlichkeitsfaktor bis jetzt noch abschreckt. Aber ich bin sicher, mit der Zeit werde ich zutraulicher.

Mein provisorisches Zimmer in Antony (Mon bordel, wie der Franzose sagen würde)

Mein provisorisches Zimmer in Antony (Mon bordel, wie der Franzose sagen würde)

Aux puces …

Was man auf dem Foto nicht sieht: Dieser bewaffnete, junge Mann ist umgeben von Gemälden geschmeidiger Frauenkörper, die benefalls zum Verkauf angeboten werden.

Was man auf dem Foto nicht sieht: Dieser bewaffnete, junge Mann ist umgeben von Gemälden geschmeidiger Frauenkörper, die ebenfalls zum Verkauf angeboten werden.

der Vorgänger des Imac G3

der Vorgänger des Imac G3

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Frankreichs Antwort auf den Polenmarkt

Frankreichs Antwort auf den Polenmarkt

Hier weiß man nicht so genau ... isses Kunst oder kann es weg ...

Hier weiß man nicht so genau … isses Kunst oder kann es weg …

 

Premiere verschoben, aber wohlwollend angekündigt

Heute wäre Premiere gewesen im Schwarzwald. Krankheitsbedingt kommen wir nun erst am Sonntag raus mit VIER LINKE HÄNDE.

Eine schöne Vorankündigung erschien heute im Schwarzwälder Boten.

Es dauert nicht lange, bis sich Sophie (Esther Barth) und Bertrand (Hans Herbert Diehl) näher kommen. Foto: Bernklau Foto/ copyright: Schwarzwälder-Bote

Von Martin Bernklau

Simmersfeld. Das Leichte ist schwer. Am Theater weiß man das noch besser als sonstwo. Seine Komödie „Vier linke Hände“ hat Pierre Chesnot auch auf deutschen Bühnen zu einem der meistgespielten Autoren Frankreichs gemacht. Das Regionentheater hat seine für Donnerstag im Simmersfelder Festspielhaus geplante Premiere des funkelnden Boulevardstücks krankheitshalber auf Sonntag, 18 Uhr, verschieben müssen.

„Steigere das langsamer, halt’ die Spannung noch ein bisschen länger“, ruft Regisseur Andreas Jendrusch Hans Herbert Diehl zu, der den Bertrand gibt, einen etwas älteren, etwas schrulligen Professor, alleinstehend. Paris, im August, leer, alle Welt am Meer: Eine Überschwemmung bedroht Bertrands Bücher- und Bastelrefugium. In der Wohnung über ihm hat Sophie ihre Badewanne überlaufen lassen. Nicht einfach mal so. Ausgerechnet an ihrem 40. Geburtstag will sie ihrem Leben ein Ende setzen. Nur eine Freundin hält die frustrierte, von all den Männern enttäuschte Lebedame telefonisch davon ab: Sophie soll den ersten Mann zu verführen versuchen, der ihr begegnet.

Diese Sophie, den lebensmüden Vamp, spielt Esther Barth. Birgit Heintel, die Regionentheater-Produzentin, kennt sie von gemeinsamen Zeiten an der Berliner Schauspielschule Reduta. Nach Engagements am Ost-Kult-Zentrum Tacheles, Zusammenarbeit mit Christoph Schlingensief bei einem Projekt in Duisburg, Stationen in Bautzen und Wien steht die noch nicht ganz 40-jährige jetzt vor allem in Hamburg auf der Bühne.

Der gebürtige Hesse Hans Herbert Diehl hat auch ungefähr das Alter seiner Figur Bertrand. Neben seine Bäckerlehre nahm er einst in Gießen Ballettunterricht und ließ sich dann an der Frankfurter Musikhochschule zum Tänzer ausbilden. Schon bald aber zog es ihn auch zum Schauspiel. Das schweizerische Basel, der Oberrhein waren Schwerpunkte seiner Engagements, aber auch die Kinder- und Jugendtheater in Heilbronn und Speyer.

Sein Bertrand, dieser Einzelgänger, der seine Ruhe haben will, an seinen Marionetten bastelt und mit den Frauen sowieso fertig ist, stürmt also wütend hinauf in Sophies Wohnung, woher das Wasser kommt. Eine praktische Drehbühne hat sich das Regionentheater da zimmern lassen, vorne Sophies, hinten Bertrands Wohnung und umgekehrt. Das so gegensätzliche Duo, in praktischen wie in Herzensdingen eher ungeschickt – daher die „Vier linken Hände“ – kommt sich dann doch schnell näher.

Er ruiniert sich ein paar Finger als hilfsbereiter Renovierer, sie malträtiert ihn mit ihren exotischen Kochkünsten. Nur sehr bedingt hilft der strömende Champagner, die afrikanischen Vorspeisen, indonesische Suppen oder mexikanische Fleischbällchen hinunterzuspülen. Bertrand versucht, den ungenießbaren Fraß dann anders zu entsorgen. So etwas könnte leicht in derben Klamauk ausarten, wären da nicht funkelnde Dialoge, ein trockener Humor und jede Menge raffinierte Situationskomik, die ein genaues Timing erfordern.

Das Zwei-Personen-Stück verlangt auch über anderthalb Stunden hinweg eine fein dosierte Präsenz von Esther Barth und Hans Herbert Diehl. Die tänzerische Leichtigkeit, die er beim Ballett gelernt hat, kann ebenfalls nicht schaden, um den luftigen französischen Esprit von Pierre Chesnot auszuspielen, der auch in der deutschen Fassung erhalten geblieben ist. Esther Barth, in Trier geboren, ist im Französischen so daheim, dass sie auch manchem Wortwitz nachspüren kann, der auf Deutsch nicht ganz so brillant aufblitzen kann wie im Original.

Dankbare Rollen sind der lebensmüde Vamp und der kauzige Professor trotz aller Anstrengung allemal. Damit das Leichte dann auch federleicht daherkommt, feilen und polieren Ester Barth und Hans Herbert Diehl mit Regisseur Andreas Jendrusch schwer auch noch an den kleinsten Nuancen, damit die verschobene Premiere im Simmersfelder Festspielhaus um so mehr glänzen kann.

(aus: Schwarzwälder Bote vom 17.3.2016)

Endproben

Es geht auf die Premiere zu. Langsam wünsche ich mir Sommer. Der Schnee schmilzt vor sich hin, aber es ist jetzt kalt und grau. Sophie hat nun ein Kostüm mit Schmuck, Schminke und Frisur wurden festgelegt und nach und nach versammeln sich auch die Requisiten auf der Bühne im Festspielhaus. Charakterlich entwickelt Sophie sich zu einem sympathischen Vamp mit depressiven Verstimmungen. Manchmal denke ich über meinen tatsächlich bevorstehenden vierzigsten Geburtstag nach. Hätte ich gute Gene, wäre ich bei dem schwarzwäldischen Sportpensum, das mir das Setting hier trotz allem erlaubt, inzwischen eine Gazelle …

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In 5 Tagen ist es soweit:

Vier linke Hände ist on stage!

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Das Festspielhaus bei Nacht

Das Festspielhaus bei Nacht

Dicke Fische

Ich bin so dankbar, dass ich hier sein kann. Dieser Wald! Dieser gigantische Wald! Immernoch verzaubert ihn eine Decke aus weißem Pulverschnee. Das ist unglaublich praktisch, wenn man sich verläuft. Zur Not kann man seine Spur im Schnee wieder aufnehmen.

Neben den Proben bleibt nicht nur Zeit für Waldspaziergänge, sondern auch für Bewerbungen nach Frankreich und Klönschnack mit dem Kollegen. Ausserdem können wir die anderen Veranstaltungen im Festspielhaus besuchen. Gestern zum Beispiel: Dicke Fische. Auf zwei Gitarren und einem Kachon (schreibt sich das so??) produzieren diese Musiker eine Mischung aus Reggae, Pop und spanischer Flamenco-Musik. Spätestens zur Pause ist auch das Publikum beschwingt genug, um sich akustisch bemerkbar zu machen und im Takt der Musik Hände, Schultern oder Hüften zu schwingen. Den meisten Mittfünfzigern im Saal würde ich eine Hippie-Vergangenheit andichten. Die Menschen im Zuschauerraum wirken ein bißchen wie das süddeutsche Pendant zu den Wendländer Castor-Gegnern, die ihre ganz eigene Subkultur ja größtenteils als Zuwanderer dort begründet haben. Auch die Simmersfelder Kultur Werkstatt war eine Idee von Zuwanderern aus umliegenden Städten. Beide finde ich übrigens sympathisch, die Veranstalter der kulturellen Landpartie im Wendland genauso wie das Simmersfelder Publikum.

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Heute gehört die Bühne wieder uns. Ich werde also gleich meine Versicherungsnummer raussuchen und für meinen Nachbarn Bertrand ausländische Köstlichkeiten zubereiten, um ihn davon zu überzeugen, dass reisen sich lohnt …