NDR- Norddeutscher Dumping Report

Der im folgenden zitierte offene Brief an den NDR kursiert zur Zeit in den social medias. Ich möchte ihn hier teilen, weil ich genau wie die Kollegen einigermaßen bestürzt bin über die Annahme des NDR – immerhin ein öffentlich-rechtlicher Sender für dessen Bestand wir alle GEZ zahlen und so weiter – man könne Mitschnitte künstlerischer Programme einfach unvergütet senden.

Was ist passiert?
Das Künstlerehepaar Jennifer und Michael Ehnert erhält eine Anfrage vom Norddeutschen Rundfunk mit dem Anliegen, ihr Kabarettprogramm aufzuzeichnen und anschliessend zu senden. Es finden einige Vorbereitungen statt, etwa eine Spielortbesichtigung, wobei das Ehepaar aufgrund vorangegangener Zusammenarbeit mit dem NDR voraussetzt, dass eine Vergütung für den Dreh eingeplant ist, deren Höhe zu verhandeln ist. Bei späteren Verhandlungen ihrer Agentur mit den NDR-Vertretren stellt sich jedoch heraus, dass das vom NDR eingeplante Honorar ganze null Euro beträgt.

Der Argumentation meiner Kollegen in ihrem offenen Brief, mit dem sie auf die Sache reagieren, ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Offener Brief

Hamburg, 17. Januar 2016

Sehr geehrter Herr Marmor,

am 23. Dezember des vergangenen Jahres hat sich die NDR Fernsehredaktion „Planung, Entwicklung, Innovation“ entschieden, unser Kabarett-Schauspiel „Zweikampfhasen“ aufzuzeichnen, um es dann anschließend im NDR-Fernsehen zu senden. Darüber haben wir uns sehr gefreut.

Direkt anschließend haben dann auch schon die ersten Organisationsschritte stattgefunden: Wir haben mit dem Stadttheater Elmshorn eine schöne Location gefunden und mit Vertretern der NDR-Redaktion eine erste Spielort-Besichtigung vorgenommen. In den ersten Tagen des neuen Jahres kam es dann unverzüglich zu einem Telefonat zwischen unserer Agentur und der Produktionsleitung, um nun auch die vertraglichen Aspekte der Fernsehaufzeichnung zu klären. Da wir in den letzten 16 Jahren schon sieben ähnliche Kooperationen mit dem NDR gemacht hatten, schien es uns bei den anstehenden „Verhandlungen“ nur noch um einzelne Details zu gehen.
Von dem Honorar, das üblicherweise vom NDR für eine solche Theater-Aufzeichnung gezahlt wurde, konnten bisher der Regisseur, der Autor, die Schauspieler, der Komponist und die Produzenten des Stückes wenigstens halbwegs angemessen bezahlt werden.

Das Angebot der NDR-Programmredaktion „Planung, Entwicklung, Innovation“ für die jetzige Aufzeichnung belief sich dann auf 0 (in Worten: null) Euro.

Das hat – um es einmal sachlich auszudrücken – einiges Unverständnis in uns ausgelöst.

Wir möchten jetzt nicht näher auf Kommunikationsversäumnisse eingehen, dass es zum Beispiel seitens der Redaktion gut gewesen wäre, schon bei der ersten Begegnung zu sagen: „Wir möchten euer Programm aufzeichnen, aber dafür nichts bezahlen.“ Beide Seiten hätten sich dann weitere Vorbereitungsarbeiten sparen können, denn natürlich hätten wir solch ein Anliegen sofort zurückgewiesen.

Doch es geht hier um mehr.

Die Argumentation der Redaktion „Planung, Entwicklung, Innovation“ ist nämlich die, Zitat (aus der Erinnerung): „Es hat doch einen Werbeeffekt für Sie, wenn wir Ihr Programm senden!“ – Das ist sicher richtig, gilt aber für BEIDE Seiten. Das heißt wir Künstler bekommen mit der Ausstrahlung unseres Stückes im NDR zwar eine größere Aufmerksamkeit, aber auch der NDR bekommt durch uns Künstler eine Erweiterung seines Portfolios.
Und ob sich dieser mutmaßliche „Werbeeffekt“ für uns Künstler irgendwann auch finanziell auszahlt, ist durchaus fraglich, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass ein NDR-Zuschauer, der sich unser Programm im Fernsehen ansieht, es sich anschließend nicht noch einmal live in einem Theater ansehen wird; wir verlieren also potenzielle, zahlende Theaterzuschauer.

Dieser so genannte „Werbeeffekt“ ersetzt also nicht ein ernst zu nehmendes Honorar. Man käme beim NDR ja auch nicht auf die aberwitzige Idee, Til Schweiger zu fragen, ob er unentgeltlich einen NDR-Tatort-Kommissar spielen möchte, um damit in Zukunft seine Kinofilme besser bewerben zu können. Das ist Quatsch!

Ein weiteres Argument der Redaktion war, dass wir unser Stück doch „sowieso“ spielen, dann könne der NDR es doch auch mitschneiden. Ein interessantes Konzept. Vielleicht können wir auf unserer nächsten Tournee in den ICE nach München steigen und dem Kontrolleur sagen: „Wieso sollten wir Fahrkarten lösen, der Zug fährt doch sowieso!?“

Und zu guter Letzt hieß es, diese vom NDR vorgeschlagene unentgeltliche Zusammenarbeit sei ja vielleicht auch nur der Einstieg in eine weitergehende, zukunftsweisende Zusammenarbeit mit dem NDR.
Was soll das für eine Zusammenarbeit sein? Wir entwickeln und finanzieren Kultur und stellen diese dann dem NDR kostenfrei zur Verfügung? Sind wir Sponsoren des NDR?

Selbst wenn wir einmal davon absehen, dass es extrem demütigend ist, als gestandener Künstler und langjähriger NDR-Kooperationspartner auf den Status eines Praktikanten heruntergestuft zu werden, so bleibt immer noch die Frage, was denn nun das Zukunftsweisende und Innovative sein soll, was die NDR-Redaktion „Planung, Entwicklung, Innovation“ zu bieten hat?

Kunst wird aufgezeichnet und gesendet, aber nicht mehr bezahlt?! Das ist genau genommen Medienpiraterie. Der einzige Unterschied zum kriminellen Hacker, der sich unentgeltlich Filme oder Musik herunterlädt, ist, dass der NDR die Künstler nötigen möchte, eine Einverständniserklärung für diesen Kunstraub zu unterschreiben.

Das ist mit uns nicht machbar.

Die unentgeltliche Zurverfügungstellung künstlerischer Arbeit ist ein sehr großer Schritt in eine völlig falsche Richtung.

Unserem Wissen nach ist die Aufgabe des großen NDR-Apparats, den Zuschauern neben Information und Sport auch hochwertiges Unterhaltungsprogramm zu liefern. Dass es innerhalb des NDR-Apparats möglicherweise Notwendigkeiten gibt, Kosten zu minimieren, um dieser Aufgabe auch in Zukunft gerecht werden zu können, können wir uns vorstellen. Aber das kann und darf doch nicht dazu führen, dass das eigentliche Endprodukt, der zentrale Grund, warum Menschen das NDR-Fernsehen einschalten, nämlich die kreative Arbeit vor der Kamera gar nicht mehr bezahlt wird.

Wenn unsere kulturelle Leistung, die Arbeit von freischaffenden Schauspielern, Autoren, Regisseuren, Komponisten und Produzenten nur noch als „weicher Kostenfaktor“ gesehen wird, den man beliebig reduzieren kann, ist das der künstlerische Ausverkauf, an dessen Ende ein gut ausgestatteter NDR-Apparat steht – mit Hobbykünstlern und Laiendarstellern vor der Kamera.

Das können Sie nicht wollen.

Wir haben die Form des Offenen Briefes an Sie gewählt, weil es hier nicht nur um unseren speziellen Einzelfall geht, um eine einzelne missglückte Kooperation im redaktionellen NDR-Tagesgeschäft, sondern um gängige Praxis in einer Vielzahl von Fällen.

Wir sehen hoffnungsvoll und interessiert Ihrer Antwort entgegen, in der Sie sich für eine adäquate Bezahlung der selbständigen Kreativen, Künstler und Kulturschaffenden aussprechen und diesen Worten strukturell Rechnung tragen.

Außerdem verbinden wir mit diesem Offenen Brief die Hoffnung, dass auch andere Künstler eine Zusammenarbeit mit dem NDR zu diesen Null-Konditionen verweigern.

Mit freundlichen Grüßen

Jennifer & Michael Ehnert

Bestürzend ist der Vorfall vor allem vor dem Hintergrund, dass es allgemein in Mode gekommen ist, die Berechtigung von Vergütung für künstlerische Arbeit respektive ihrer Zurverfügungstellung für Veröffentlichungen aller Art anzuzweifeln. Selbst im Kollegenkreis erlebe ich immer wieder Leute, die die Auffassung vertreten, No-und Low-Budjet Angebote seien unproblematisch, denn immerhin könne der Künstler ja jederzeit nein sagen, wenn er mit den Konditionen nicht einverstanden ist. Letzteres ist zwar korrekt, allerdings würde in keinem anderen professionellen Bereich die Notwendigkeit bestritten, sich (ob als Freiberufler oder Arbeitnehmer) Lobbys zu schaffen, um die gemeinsamen Interessen gegenüber sagen wir „mächtigen“ Auftraggebern stark genug vertreten zu können. Als Individuum wird man der Tendenz zum Dumpingpreis nie effektiv entgegen wirken. Deshalb organisieren sich auch Freelancer in Gewerkschaften und gewerkschaftsähnlichen Verbänden. Unter Künstlern, insbesondere den darstellenden, gibt es derer bis heute zu wenig. Zwar unternehmen Verbände und Initiativen wie der bffs oder art but fair Ansätze in die richtige Richtung, werden aber dabei paradoxerweise sogar aus den eigenen Reihen torpediert oder verheddern sich in internen Streitigkeiten um Kleinkram. Das ist schade, denn eine angemessene Vergütung unserer Arbeit sollte doch ein unstrittiges Anliegen sein.

Ich persönlich wettere übrigens nicht gegen Low-Budjet-Produktionen, an denen keiner der Beteiligten verdient. Ich habe selbst schon Produktionen umgesetzt, die vor dem Hintergrund fehlender oder minimaler Subventionen nur unter der Voraussetzung verwirklicht werden konnten, dass die Beteiligten auf gute Bezahlung verzichten. Andernfalls hätten diese Produktionen schlichtweg nicht stattgefunden. Eine Institution wie der NDR hingegen müßte kaum auf die Ausstrahlung ihres Programms verzichten, wenn sie die beteiligten Künstler bezahlt.

In diesem Sinne gilt meine Solidarität den Zweikampfhasen.

Respirer Paris

Mit dem heutigen Datum kann man eigentlich nichts veröffentlichen, ohne dass der 7. Januar 2015 zumindest Erwähnung findet. Besonders wenn der Schauplatz des Artikels Paris ist, jene Stadt, deren mediale Präsenz im vergangenen Jahr bedauerlicherweise hauptsächlich im Zusammenhang mit terroristisch motivierten Attentaten stand.

Charlie-Hebdo-Cover-full-January-7-2016           On est Charlie. Toujours.

Der folgende Bericht hätte allerdings an jedem anderen Tag veröffentlicht werden können, die Koinzidenz ist zufällig.

Voilà, c’est fait. Mein erstes Vorsprechen im Ausland.

Ich habe lange überlegt, ob ich hinfahre, weil sich nach dem ersten Adrenalinaufkommen, einigen Freudentränchen und einem inneren Tänzchen um mein Handy unmittelbar nach der – in der S-Bahn gelesenen –  Einladungsmail doch große Versagensängste breit gemacht haben. Eine Kettenreaktion von Bedenken läßt mich den Flug nach Paris in allerletzter Minute buchen:
War diese Bewerbung nicht vermessen vor dem Hintergrund meiner nur rudimentär vorhandenen Spielerfahrung in französischer Sprache?
Nicht dass ich am Ende noch am Verständnis der Aufgabenstellung scheitere – angekündigt waren 2 lange Audtion-Tage mit Improvisationsaufgaben rund um Manipulation und Selbstachtung im Zusammenhang mit Radikalisierung und islamistischem Terrorismus. Notiz am Rande: an dieser Stelle fällt mir plötzlich auf, dass sich doch ein thematischer Zusammenhang zum heutigen Datum herstellen läßt.Weiter im Text …
Lohnt der Aufwand in Anbetracht der sehr geringen Erfolgswahrscheinlichkeit, ja, kann ich mir solche Vergnügen überhaupt leisten, wo ich eh in einem monetären Hamsterrad stecke und dem Eindruck unterliege, permanent arbeiten zu müssen, um entspannt meine laufenden Kosten zu decken?
Und überhaupt, Moment mal, was mache ich denn, wenn die mich wollen und ich dann alle Nase lang nach Frankreich muß, um an einem zwar künstlerisch unschlagbaren, aber mäßig bezahlten Probenprozeß teilzunehmen – kann ich mir DAS leisten?

Schließlich siegt der Gedanke, dass kneifen noch viel beschämender wäre. Und let’s face it, wenn man mit 40 nicht langsam mal anfängt, seinen Auslandsplänen ein real existierendes Fundament unterzusetzen, wird ihre Umsetzung nicht unbedingt wahrscheinlicher. Also rufe ich meine Tante in Antony an, kündige mich für den nächsten Tag an und buche einen Flug.

Praktischerweise liefert mir meine französischsprachige Familie die Gelegenheit, schonmal ein bißchen in die französische Sprach- und Redekultur einzusteigen. Überhaupt sehe ich diesen Teil der Familie entfernungsbedingt viel zu selten und finde es prima, Zeit mit ihnen zu verbringen und mich über Zukunkfts- und Familienplanung meiner jungen Cousins updaten zu lassen.

Das Vorsprechen selbst beginnt damit, dass ich mich verlaufe und feststelle, dass die rue Willy Brandt Frankreichs Antwort auf Bielefeld zu sein scheint. Keiner kennt diese Straße – und selbst als ein besonders hilfsbereiter Monsieur sein GPS System bemüht, taucht sie nirgendwo auf.  Dabei hatte ich diesem Schauplatz bereits eine signifikante Bedeutung zugemessen und fühlte mich als Deutsche schon gar nicht mehr ganz so fremd. Als ich mir bereits wünsche, das Vorsprechen möge bei Georges Boisseau stattfinden, durch dessen Strasse ich bis dahin fünf- bis sechsmal marschiert war, lotst mich der vermutlich einzige ortskundige Einwohner Clichys dann doch noch zur richtigen Adresse und es kann losgehen.

Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben kein vergleichbares Vorsprechen absolviert. Die Gruppe besteht aus über 30 Personen – in Frankreich wie hier deutlich mehr Frauen als Männer – und die Arbeit miteinander ist sofort superintensiv und irgendwie vertraut. Wenn ich die Kollegen auf der Bühne beobachte, entsteht der Eindruck, sie würden seit Monaten miteinander arbeiten. Ich bin ausnahmslos begeistert über die Intensität, die Glaubwürdigkeit und die Phantasie ihres Spiels. Und ja, ich nehme selbst teil an langen, intensiven Improvisationen, zu zweit, zu dritt und im großen Ensemble. Was ich liefere, ist mit Sicherheit nicht die Performance meines Lebens, denn natürlich bin ich limitiert, was die Sprache betrifft, kann also im Redetempo nicht immer ganz mithalten und lege meine sämtlichen Figuren entsprechend langsamtickend an. Mich nervt später auch ein bißchen, dass ich mich bei der anschliessenden Besprechung eigener Ideen zurück halte, weil ich glaube, die meinen nicht eloquent genug formuliert zu kriegen. Retrospektiv denke ich, ich hätte da mutiger sein können. Aber hey, vor dem Hintergrund all dieser Einschränkungen und meinen vorangegangenen Ängsten ist das Ding – um mit unserem sogenannten Pop-Titanen zu sprechen – hammermäßig gelaufen und ich hatte einige der schönsten Stunden meines Schauspielerlebens. Ehrlich. Das liegt unter anderem an meinen großartigen französischen Kolleginnen und Kollegen, die nicht nur ausnahmslos gute Schauspieler sind, sondern dafür sorgen, dass kein Fremdkörpergefühl entsteht, obwohl ich erwartungsgemäß die einzige nicht in Frankreich sozialisierte Ausländerin bin.

Dieses Gefühl setzt sich bei der gemeinsamen Rückfahrt im RER fort und befeuert meine Lust, hier in Frankreich was zu machen künstlerisch. Inzwischen bin ich auch überzeugt, dass die Fundamente meiner Kommunikationsfähigkeit stabil genug sind, um darauf aufbauen zu können. Ja, ich traue mich sogar am nächsten Tag, in einen längeren Diskurs über Hitler und die Front National einzusteigen. Ich mache nämlich noch ein bißchen die Touristin, mache Selfies, schreibe eine Postkarte an Opa und flaniere durch Paris. Dabei bleibt es als alleinreisende Frau unter 70 ja nie aus, von verschiedensten Männern in Gespräche verwickelt zu werden – mit dem Ziel der Anmache, versteht sich, ils sont des dragueurs quand même, les français. Einer davon schenkt mir eine Rose, ein anderer juchzt entzückt auf, als ich mich als Deutsche entpuppe (beide halten mich zunächst für eine Belgierin). Letzterer teilt mit, dass er eine Schwäche hat für alles, was deutsch ist und begründet das damit, dass Adolf (H)itler zwar Fehler gemacht, aber im Grunde eine prima Alternative zur Omnipotenz jüdischer Machthaber angeboten habe. Ich erspare Euch die Details der folgenden Auseinandersetzung – wäre rahmensprengend und nicht sonderlich amüsant. Nur so viel: Auch solche Gesprächsinhalte sind irgendwie machbar inzwischen, wenn auch mit Luft nach oben, was Stil und Präzision der Argumentationsführung betrifft.

Den Konkurs ums größte Sympathie- und Unterhaltungspotential gewinnt der Typ mit der Rose, den um das gelungenste Selfie die folgende Aufnahme inklusive selbiger:

Selfie rose

Im Übrigen beobachte ich eine hohe Polizeipräsenz auf den Strassen, passiere auf dem Weg zum Vorsprechen by the way das Stade de France in Saint Denis, wo die Anschläge des 13. November begonnen haben, vermerke entzückt, dass die Touristen-Doppeldecker in Paris noch offen fahren und weniger entzückt, dass sie keine Live-Moderation anbieten wie hier in Hamburg, so dass eine solche als Option für einen Job in der französischen Metropole ausfällt – entdecke aber schließlich eine attraktiv anmutende Alternative: das Théatre de la Huchette.

Théatre

Dies ist nicht das Theater, wo ich vorgesprochen habe, aber ein besonders niedliches im Herzen von St Michel

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Begegnungen mit so Uniformierten – les flics, wie der Franzose sie nennt – sind zur Stund Alltag in den Strassen von Paris

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Keine Live-Moderation, aber offenes Dach unf WiFi an Bord sowie einen Getränkeautomaten. Dafür zahlt man aber auch im Vergleich zu unseren Doppeldeckern den doppelten Preis für so eine Rundfahrt. Und nein, ich habe hier keine Stadtrundfahrt gemacht – weder zuhörend, noch sprechend.

Zurück in Hamburg ist es bereits bitterkalt, und während man in Paris noch draußen in den Cafés sitzt, stülpe ich mir am Flughafen Schal, Mütze und Handschuhe über und entscheide mich für einen zweiten Pullover, während ich die Treppen in Richtung Rollfeld hinuntergleite – Willkommen zu Hause.

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Das Rennen um die Rolle in Paris habe ich dieses Mal nicht gemacht. Aber das ist in Ordnung, denn egal welche Kollegin es geworden ist, sie haben es alle verdient. Und ich weiß jetzt, dass ich mich weiter in Richtung Ausland bewerbe.

Tausend mal Willkommen

Wie muß es sich anfühlen, wenn man aus Syrien nach Deutschland geflohen ist, nachdem Frau und Kinder zu Hause erschossen wurden, wenn man dann alleine ankommt in einem Land, dessen Kultur fremd ist und dessen Sprache man nicht kennt? Im schlimmsten Fall landen Flüchtlinge in Freital, wo geifernde Ost-Prekkies sie als „Dreckspack“ beschimpfen und sich nicht scheuen, Auschwitz und Dachau als Alternative zur Flüchtlingshilfe vorzuschlagen. Aber selbst die Hamburger Schickeria im Harvestehuder Weg reagiert empört auf die Vorstellung, ihren schmucken Porsche vor einem Flüchtlingsheim parken zu müssen.

Während das Blog Perlen-aus-Freital sich darauf beschränkt, rassistische Stimmen zu sammeln und in ihren extremsten Ausläufern zu veröffentlichen, möchte der Blogger Lutz mit seinem Blog 1000mal Willkommen denjenigen eine Stimme geben, die ja sagen zu den Menschen, die zu uns kommen, weil ihr Leben und ihre Menschenwürde in ihrem Land bedroht sind. Ich wünsche mir, dass diese Botschaft bei den Adressaten ankommt und dass die Menschen, die vor Krieg, Hunger, Folter und Mißhandlung flüchten mussten, hier in Deutschland einen Ort finden, der sich eines Tages nach zu Hause anfühlen kann.

welcome

Jedermann …

… könnte Helmuth Lohner vermutlich einen spezifischeren Nachruf antragen als ich. Nach der Lektüre der Artikel, die hinsichtlich seines Todes erschienen sind, scheint mir aber eine Beschäftigung mit diesem Künstler auch posthum noch lohnerswert zu sein. Kommt auf die To-Do-Liste. Und das Zitat, das heute auf den Pinnwänden meiner Facebookkontakte die Runde macht, spricht für eine sympathische Sicht auf das allzu menschliche Phänomen der Vollmeise :

theater

On ira tous au paradis oder: Die Gezeichneten

Voilà, ein Titel ist gefunden! C’est toujours ça de gagné, also immerhin etwas 🙂

Zum Proben sind wir nicht gekommen, weil solche Konversationen mit immerhin 7 Teilnehmern und in 2 Sprachen doch mehr Raum einnehmen, als man denkt … donc pas de répètes ce soir puisque le processus de faire débat en 2 langues et avec – voilà –  7 participants a pris carrément bien plus de temps que prévu …

Néanmoins on est arrivé à baptiser le projet: „On ira tous au paradis oder: Die Gezeichneten“. Ce titre a l’intension de qualifier le sujet sans accentuer trop la religion, mais en faisant allusion à la foi quand même et de signaler également le dessin comme élement essientiel sur scène  par le sous-titre allemand. En tout cas la foi fait partie du discours se déroulant à la suite de l’attentat sur Paris ainsi que du projet envisagé. Pas forcément la foi en Dieu, mais la foi en rapport avec des valeurs fondamentaux et la question s’il y a des valeurs qui limitent la liberté ou non et à quel point au cas où.

Der Sieger im Diskurs um den Namen des zu gebährenden Babys: „On ira tous au paradis oder: Die Gezeichneten“. Ein Titel der beabsichtigt, das Thema anklingen zu lassen, ohne dabei zu sehr die Betonung auf die Religion zu legen. Nichtsdestotrotz ist neben der Erwähnung des Zeichnens als zentrales Element eine Anspielung auf den Glauben durchaus erwünscht, denn um den geht es durchaus – nicht unbedingt um den Glauben an einen Gott – oder mehrere. Aber um die Frage nach Werten und wo sie verankert sind. Um die Frage, ob und durch welche Werte Freiheit limitiert werden darf. Fragen, die auch das Attentat auf Charlie Hebdo aufwirft.

Zauberhaft wieder aufgenommen Reprise d’une chef-d’oeuvre magique

Obwohl zur Zeit auf dem Franzosentrip, partizipiere ich am Wochenende wieder an einem Werk, das deutscher nicht sein könnte: Thomas Mann wird gegeben, eine Wiederaufnahme aus dem letzten Jahr, zu sehen in der Stadthalle Neumünster und am Theater Itzehoe: Der Zauberberg.

Bien que je sois occupée de la culture française en ce moment-là, le week-end je serai encore part d’une oeuvre qui ne pourrait pas être plus allemande. C’est Thomas Mann qui sera montré. Une reprise de l’année dernière, à voir à Neumünster (Stadthalle) et au Théâtre Itzehoe: La montagne magique.

Hier ein Wortbeitrag unserer Regisseurin Gaby Schelle
Voici, un commentaire de la réalisatrice Gaby Schelle (en langue allemande)

Termine / Dates:

Freitag, 7.11.2014
Theater in der Stadthalle
Kleinflecken 1
24534 Neumünster
VVK: 0 43 21 – 942 33 16
Kasse: 0 43 21 – 4 21 99

9 Nov, 20 h
Theater Itzehoe
Theodor-Heuss-Platz 1
25524 Itzehoe
Kasse: 04821 – 67 09 – 31
Mail: theaterkasse@itzehoe.de

Über das Stück
À propos de la pièce

Zunkunftswünsche. Des lendemains qui chantent.

Marseille En train de rechercher des possibilités pour m’installer en France, j’ai décidé de façonner mon site (au moins en partie) sous forme bilingue. Voilà – mon premier essaie!
Malheureusement, je ne serais pas en état de traduire les articles allemands que je publie sur ce blogue, car actuellement je suis déjà heureuse si je ne produis pas trop de fautes en formulant des textes plus simples en français. Comme ça j’éspère qu’on puisse comprendre mes „mots mêlés“ qui ne sont pas encore corrigés à l’instant. De toute façon je m’efforce beaucoup d’améliorer mes connaissances de la langue et désormais j’essayerai de faire participer les lecteurs français à mes activités en ligne. En éspérant d’un lendemain en France, je vais continuer pour le coup cet article en allemand pour informer mes compatriotes de mon projet …

Liebe Landsleute, mein Blog liegt zugegebenermaßen ziemlich brach seit einiger Zeit, was vielleicht daran liegt, dass die wesentlichen Ereignisse der letzten Monate eher privater Natur waren. Nicht dass ich nicht gearbeitet hätte, das schon. Schauspielerisch ist aber in diesem Jahr weniger Berichtenswertes passiert als erwartet. Business as usual halt. Stattdessen treibt mich die Absicht, meinen frankophilen Tendenzen, die – welch Zufall, welch Zusammenspiel – durch eine Begegnung im außerberuflichen Dasein wieder aufgelebt sind, in Form eines längeren Auslandsaufenthaltes Erfüllung zu verschaffen. Wunschergebnis wäre die Fähigkeit, Texte wie diesen hinterher fehlerfrei ins Französische übersetzen zu können. Allerdings fürchte ich, dass es für dahingehende Ambitionen in diesem Leben zu spät ist. In Form einer weniger geschraubten Ausdrucksweise strebe ich aber durchaus an, eine gute Französin zu werden und habe schonmal damit begonnen, die Strasse bei rot zu überqueren. Da ich gerade wilde Bewerbungen hinsichtlich eines Praktikums ins französischsprachige Ausland verschicke, sind Teile dieses Blogs nun auch zweisprachig zugänglich. (Wobei sich die Worte augenblicklich noch unkorrigiert im Netz breit machen – nur für den Fall, dass Muttersprachler mitlesen)

Zunächst ist „la France“ von mir touristisch erkundet worden, und ich kann konstatieren, dass die Südfranzosen nicht nur das bessere Wetter, sondern irgendwie auch den besseren Humor ihr eigen nennen. Jedenfalls wurde ich von sämtlichen Kellnern und Marktstandbetreibern mit äusserstem Witz und Charme in Gespräche verwickelt. Na gut, vielleicht fanden sie einfach auch meine rudimentäre Ausdrucksweise ganz putzig …
Was allerdings die Orientierung in der eigenen Stadt angeht, sind wir Deutschen wohl doch die besseren Büroklammern. Ist es uns doch wiederholt passiert, dass uns Busfahrer zu falschen Stationen schickten. Und in Marseille wurden wir auf der Suche nach dem Place Jean Jaurès mehrfach von freundlichen, aber orientierungslosen Einheimischen einige Meter mitgenommen, die allesamt versicherten, es sei von hier aus nicht mehr weit, um am Ende festzustellen, dass wir, wie der Hamburger sagt, einmal um den Pudding gelaufen sind, um den gewünschten Zielort zu erreichen. Zum Glück ist Marseille ein erkundenswertes Pflaster und so können die Umwege als Bereicherung betrachet werden – und gleichzeitig als Entscheidungshilfe hinsichtlich einer geeigneten neuen Wahlheimat.

Voici une petite documentation de mes meilleures vacances:

Marché des artistes, Aix-en-Provence

Marché des artistes, Aix-en-Provence

Aix-en-Provence

Aix-en-Provence

Au marchée, Aix-en-Provence

Au marchée, Aix-en-Provence

Randonnée, montagne Sainte Victoire

Randonnée, montagne Sainte Victoire

Randonnée

Aix-en-Provence

Aix-en-Provence

Marseille

Marseille

 

Zwei Premieren „zauber/berg“

Eine Premiere liegt hinter uns. Eine weitere vor uns, und das schon heute.

Schloss Gottorf in Schleswig lieferte letzten Freitag das Premierenambiente für den zauber/berg, inszeniert von Gaby Schelle. Ein spezielles Ambiente, weil kein Theaterraum, sondern ein Ausstellungsraum für moderne Kunst, der sogenannte Kreuzstall. Prominent im Hintergrund des Geschehens sahen die Zuschauer das überdimensionale Bildnis einer unbekleideten Raucherin mit weißem Schamhaar. Ihr Theatererlebnis variierte ansonsten je nach Sitzplatz, weil mangels einheitlicher Sichtverhältnisse der ganze Raum von uns bespielt wurde, auch der Zuschauerraum selbst. Die Zuschauer fanden sich demnach als Patienten eines Lungensanatoriums in der Schweiz wieder- und goutierten ihren Aufenthalt. So erklärt sich der mysteriöse Subtitle „szenische Installation“.  Gemeint ist, dass anstelle eines Bühnenbildes der jeweilige Raum das Bühnenbild liefert und die Inszenierung sich mit dem Raum verändert.

La Deuxième im Hamburger Sprechwerk ist nun also gleichzeitig la Première, weil unsere erste Vorstellung auf der Bühne, auf der wir geprobt haben – einer Theaterkulisse, wie man sie kennt. Möge das Hamburger Publikum uns so gewogen sein wie unsere Gottorfer Gäste. Die gute Nachricht: Husten ist während der Vorstellung ausdrücklich erlaubt, Sie kommen schliesslich nicht zum Vergnügen an diesen Ort, sondern zum Auskurieren Ihres Lungenleidens!

Kieler Nachrichten 20.8.2013

Kieler Nachrichten 20.8.2013