Hallo, Frau Kulturministerin

Heute beschäftigte mich ein Interview mit unserer Kulturministerin Monika Grütters, welches mich zu einem offenen Brief an ebendiese veranlasst hat. Zwar gehöre ich selbst zum Glück zu den Künstler*innen, die nicht nur von der Hamburger Soforthilfe profitiert, sondern auch auf anderen Kanälen Unterstützung erfahren haben. Aber ich kenne Kolleg*innen, die aus einem der genannten Gründe trotz der aktuellen Hilfsangebote bereits jetzt existenzbedrohende wirtschaftliche Sorgen haben. Deshalb möchte ich die Worte, die soeben auch das Emailpostfach von Frau Grütters erreicht haben, an dieser Stelle teilen.

Zum Artikel SPIEGEL Kultur

Werte Frau Grütters,

in einem Interview mit SPIEGEL Kultur sprachen Sie kürzlich über Ihre Einschätzung der Auswirkungen der Coronakrise auf Kultur und Medien. Dabei äussern Sie sich verwundert darüber, dass viele Kulturschaffende die vorhandenen Hilfsangebote des Bundes als lückenhaft wahrnehmen und das Gefühl haben, durchs Raster zu fallen. Ich möchte im Folgenden gerne noch einmal die Perspektive jener Kulturschaffenden darlegen, in der Hoffnung, dass es mir andere Kreative gleichtun und die Lücken der bisherigen staatlichen Hilfsangebote noch einmal im Bundestag diskutiert werden.

Sie erwähnen in Ihren Ausführungen das Soforthilfeprogramm des Bundes, welches „auch und gerade auf die Bedürfnisse des kreativen Milieus abgestimmt“ sei.

Ich möchte vorab betonen, dass die Soforthilfen von Bund und Ländern zweilsohne begrüßenswert sind, schnell und unbürokratisch abgewickelt wurden und eine grundsätzliche Bereitschaft der Regierung signalisieren, die von der Krise betroffenen Freischaffenden und Unternehmerinnen zu unterstützen. Gleichwohl berücksichtigt das Hilfsprogramm die Bedürfnisse kreativer Freischaffender nur bedingt. Zum einen stellt der Bund lediglich Gelder für die sogenannten Betriebsausgaben bereit und ausdrücklich nicht für die Lebenshaltung der Antragstellerinnen. Freischaffende Kunst- und Kulturschaffende haben jedoch oft keine – oder nur geringfügige – Betriebsausgaben. Jedenfalls dann, wenn sie nicht mehr arbeiten, weil sie weder Angestellte beschäftigen noch gewerbliche Räume angemietet haben. Stattdessen fehlt ihnen umso dringender das Geld für ihre Lebenshaltung, das sie aufgrund der Allgemeinverfügungen nun von einem Tag auf den anderen nicht mehr erwirtschaften können. Zum anderen bewegen sich die von den Ländern zur Verfügung gestellten Gelder, die ebendiese Lebenshaltungskosten auffangen sollen, in sehr unterschiedlicher Höhe. In Berlin gibt es 5000 €, in Hamburg 2500 €, in Sachsen lediglich Kredite. Es gibt also in einigen Bundesländern Künstlerinnen, die gar nicht von den Soforthilfen profitieren, weil der Liquiditätsengpass auf sie nicht zutrifft und ihre Landesregierung keine Gelder zur Sicherung des Lebensunterhalts bereitstellt. Zudem handelt es sich bei den Soforthilfen um einmalige (und zu versteuernde) Summen, von denen völlig unklar ist, wie lange sie reichen müssen.

Wenn Sie also sagen, die Soforthilfen seien auf das kreative Milieu abgestimmt und gingen „weit über Almosen hinaus“, so trifft das für Bundesländer wie Sachsen gar nicht und für andere Bundesländer, etwa Berlin oder Hamburg, nur dann zu, wenn in spätestens drei Monaten der Kulturbetrieb wieder uneingeschränkt aufgenommen werden kann. Das jedoch scheint nach aktuellem Stand mehr als fraglich. Und so gilt etwa für Hamburg, dass eine Summe von 2500 € zwar die erste Not zu lindern vermag, aber keinesfalls geeignet ist, einen Einnahmeverlust von 100 Prozent, gerechnet auf drei bis vier Monate, hinreichend zu kompensieren. Die Anmerkung, dass beispielsweise in Berlin viele Antragstellerinnen leer ausgingen, weil die Gelder schnell aufgebraucht waren, replizieren sie mit „irgendwann sind die Töpfe natürlich leer“. Ehrlich gesagt erscheint mir diese Replik ein wenig unzureichend als Antwort auf die Frage, wie einer flächendeckenden wirtschaftlichen Not möglichst gerecht entgegengewirkt werden kann.

Und so werden wir auf die sogenannte Grundsicherung verwiesen. Dass diese vielen Kulturschaffenden zumindest nicht gerade erstrebenswert erscheint, ist aus meiner Sicht wenig erstaunlich. Es ist zwar richtig – und sicherlich auch begrüßenswert – dass mit dem Wegfall einer Vermögensprüfung und der Übernahme der reellen Mietkosten eine Erleichterung im Vergleich zu den üblichen Bedingungen erzielt wird. Allerdings ändern sich nach meinem Kenntnisstand weder das Grundprinzip des Aufstockens noch das Prinzip der Bedarfsgemeinschaften. Und so bleibt der Empfang von Grundsicherung an den Umstand geknüpft, dass das Existenzminimum keinesfalls überschritten werden kann – auch dann nicht, wenn den Empfängerinnen noch vereinzelte Einnahmen bleiben oder aufgrund einer Nebentätigkeit erwirtschaftet werden können. Bis auf den fast belanglos zu nennenden Betrag von 160 € werden diese Einnahmen, soweit ich weiß, nach wie vor von der Grundsicherung abgezogen bzw. später verrechnet. Ich weiß nicht, wie viel Geld Sie monatlich benötigen, gehe aber davon aus, dass auch Sie es als durchaus bedrohlich empfänden, von einem Tag auf den anderen auf diese Art der Grundsicherung zurückgeworfen zu werden oder alternativ ihre Altersvorsorge aufbrauchen zu müssen. Auch die sogenannten Bedarfsgemeinschaften bleiben erhalten, so dass etwa ein Künstler, der in Lebensgemeinschaft mit einer Angestellten lebt, Gefahr läuft, seine finanzielle Autonomie vollständig zu verlieren und vollumfänglich von seiner Partnerin abhängig zu sein. Ich finde das Schaffen solcher Abhängigkeiten in keinem Sinne wünschenswert. Verstehen Sie mich nicht falsch, im Vergleich zu vielen anderen Ländern hat Deutschland ein vorbildliches soziales Netz. Das ist mir bewußt, und ich bin wirklich dankbar, dass wir – auch ohne Corona – wenigstens auf die von Ihnen angepriesene Grundsicherung zurückgreifen können, wenn alle wirtschaftlichen Stricke reißen. Dennoch erscheint mir die Alternative eines bedingungslosen Grundeinkommens, wie es demnächst ja aufgrund einer erfolgreichen Petition im Bundestag diskutiert wird, gerechter. Sie würde gewährleisten, dass trotz Krise durch Einnahmen, die eventuell noch erzielt werden können, zumindest die Chance auf eine Übergangszeit jenseits des absoluten Existenzminimums besteht und finanzielle Autonomie auch dann erhalten bleibt, wenn man in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft lebt.

Vor diesem Hintergrund hoffe ich, dass der Diskurs um staatliche Hilfen hiermit nicht geschlossen ist, sondern der Dialog mit uns freischaffenden Künstlerinnen, resp. unserer Interessensvertretungen, fortgesetzt wird und eine grundsätzliche Offenheit der Bundesregierung für die Nachjustierung der genannten Lücken und Probleme besteht.

Blues again

Blues zweite Welle. Ich hatte mich gerade mit dem Gebot der Distanz und der Abwesenheit physischer Nähe arrangiert – von Gewohnheit will ich nicht sprechen, das klänge zu willenlos, zumindest ist aber eine gewisse Gewöhnung an den belehrenden Duktus der Stayathomesager in den Medien und sozialen Netzwerken eingetreten – da überrollt mich die nächste Welle der Belehrung: Maskenpflicht. „Noch toller wäre es“, schreibt die Süddeutsche, „wenn auch Maskentragen endlich ganz selbstverständlich als ein Akt der Solidarität akzeptiert wäre. […] Dem Vorbild sollte in dieser Krise ganz Deutschland folgen.“ Und, als sei das die Hauptsorge in diesem Zusammenhang, mahnt sie „Masken sehen blöd aus, keine Frage. […] Aber Lebensretter dürfen gerne auch ein bisschen blöd aussehen.“ Aha. Im Umkehrschluss wäre ich also als jemand, den der Gedanke, eine solche Maske tragen zu müssen, in Panik versetzt, eine eitle Trulla, die sich dabei lediglich darum sorgt, scheiße auszusehen und aus diesem banalen Grund leichtfertig Leben gefährdet.
Bei Facebook poppen inflationär Profilbilder mit lustigen Mundmasken auf, manchmal begleitet von Beiträgen mit dem Subtext „Ich bin ein Held, ich trage Maske. Seht es endlich ein, Ihr ignoranten Egobratzen“. Mich ängstigt bei der Vorstellung, nicht mehr unbemaskt auf die Strasse zu dürfen, weniger eine unvorteilhafte Optik, sondern vielmehr die Assoziation mit Verschleierungszwang und das subjektive Gefühl von Panik, wenn Mund und Nase bedeckt sind. Schon als Kind hasste ich diese Sturmhaubenmützen, die nur so ein kleines Guckloch frei ließen. Und ja, der Vergleich mit zwanghafter Verschleierung ist total unangebracht, weil inhaltlich anders motiviert. Sehe ich alles ein. Und trotzdem. Ich komme bereits mit der jetzt gültigen Allgemeinverfügung, der Isolation und dem weitgehenden Brachliegen des öffentlichen Lebens an meine Grenzen. Eine Verschärfung all dieser Einschränkungen durch die noch drastischere Pflicht, eine Gesichtsmaske zu tragen, würde ich zur Not sicher akzeptieren – aber dass die Menschen das so extrem klaglos hinnehmen und sogar nutzen, um sich selbst als Held*innen der Solidarität zu feiern, irritiert mich.
Zumal nämlich unter denen, die sich mutmaßlich wirklich auskennen, keineswegs eine einhellige Forderung nach allgemeiner Maskenpflicht besteht. Wer also nach allgemeiner Maskenpflicht schreit, möge zumindest die folgende Meinung in seine Überlegungen mit einbeziehen.

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-682605~player_branded-true.html

 

 

 

Coronablues

Es macht mich so unendlich traurig, dass etwas so wundervolles wie menschliche Nähe auf einmal böse ist und dass man wütend sein muss oder soll oder dieses Gefühl zumindest sehr angesagt ist, wenn andere Menschen sich nahe sind.

Es geht nicht darum, dass man das nicht mal aushalten kann. Dass man sich allein nicht beschäftigen kann, sogar gut, fröhlich und gewinnbringend beschäftigen kann. Auch nicht darum, dass es zur Stund zweifelsohne vernünftig und sinnvoll ist, die Leute weitestgehend zu isolieren.

Ich verbringe auch ohne Corona gerne Zeit allein, brauche das sogar. Ich lebe sehr bewußt in einem Ein-Personen-Haushalt (allerdings unter normalen Umständen auch sehr bewußt mit sehr viel buntem Besuch immer wieder ). Ich habe kein generelles Problem mit dem allein sein und allein Sachen machen.

Das alles ist es nicht. Es ist diese Verdrehung meines Wertesystems, die mich so überrollt, dass ich es zwischendurch gar nicht mehr aushalten kann. Menschen, die sich nahe sind, die fröhlich und friedlich Zeit miteinander verbringen, das war für mich bislang der Inbegriff von Glückseligkeit und Frieden. Auf einmal sind solche Menschen aber Egoisten und Arschlöcher. Das bringt mein Herz gerade nicht zusammen. Das setzt mir wirklich zu. Nicht, weil ich die Regeln falsch finde, sie selbst übertrete oder es mir egal ist, ob Menschen an Corona sterben. Sondern weil es sich einfach so absurd anfühlt, so grausam, so unmenschlich, dass liebevolles Beisammensein neuerdings als unsolidarischer Akt der Selbstsucht wahrgenommen oder sagen wir, nur noch virtuell gewertschätzt wird.

Jeden Morgen wache ich mit diesem Gedanken auf und bin tief traurig. Und spät in der Nacht schlafe ich mit diesem Gedanken ein und bin tief traurig.

Vielleicht habe ich einfach Angst, dass dieser Lifestyle der rein virtuellen Begegnung durch Corona in Mode kommt und zukünftig alles, inklusive der Liebe, nur noch virtuell gelebt wird. Das ist sicher Brainfuck, aber es fühlt sich in letzter Zeit so an.

Jahrestag

Heute vor einem Jahr kam ich an.
In „Grand Paris“, der Stadt des Savoir Vivre, der Hausmann’schen Ästhetik, des Louis XIV’schen Pomp, der Street Art und der zauberhaften Brücken. Der Stadt, wo man sich liebend an der Seine entlang flanieren, gepfegten Café trinken, Kunst betrachten, in Bobo-Boutiquen kramen, auf Flohmärkten abgefahrenes Zeug -das kein Mensch braucht, aber jeder gerne hätte- kaufen, Austern schlürfen und auf exzessiven Künstlerpartys französisch parlieren sieht, wenn man als Schauspielerin einen dahingehenden Auslandsaufenthalt plant.

Ich hatte mir vorgestellt, in irgendeiner Weise meinen kreativen Kram fortsetzen und in relativ kurzer Zeit die Sprache wie die Landsleute sprechen … ja, und vor allem verstehen zu können. Ich spüre noch diese surreale, irgendwie unwirkliche und aufgeregte Stimmung, in der ich am ersten Tag im Garten meiner Quasi-Tante (die mich in der ersten Zeit dankenswerterweise beherbergt hat) stand, mit nur 5 Kartons ausgestattet, den Rest meiner Habseligkeiten eingekellert in Hamburg, dieses vergleichsweise mediterrane Ambiente einsaugend und mich einfach freuend, dass plötzlich alles anders und alles zur Routine gewordene unterbrochen ist.

Es ist eine drollige Sache mit der Routine. Sie ereilt uns so rasant, dass wir eigentlich alle sechs Monate komplett das Umfeld wechseln müßten, um ihr zu entgehen. Inzwischen ist die Rückkehr nach Hause, die in drei Monaten ansteht, das große Versprechen, eine Routine zu stoppen, die mittlerweile hier eingetreten ist. Und das, obwohl im Laufe dieses letzten Jahres immer wieder viel und Neues passiert ist … der Umzug von der Tante in die WG und von dort aus in die eigene Wohnung, die Orte und Menschen, die neu in mein Leben kamen, der Besuch aus Deutschland, die Ausflüge, Feiern und Alltäglichkeiten, die mich diese neue Stadt immer wieder anders erleben ließen, all das. Und trotzdem ist schnell ein Gefühl der Unfreiheit eingetreten, welches der extremen Vorhersehbarkeit, Fremdbestimmung und Unflexibilität eines Jobs geschuldet ist, der nunmal zu ganz bestimmten Zeiten an ein und dem selben Ort mit einem sich immer wiederholenden Ablauf einen großen Teil der Lebenszeit hier bestimmt hat und immernoch bestimmt. Schnell wurde mir auch klar, dass für den Aufbau einer neuen künstlerischen Existenz in Frankreich die Aufenthaltsdauer zu kurz ist und ein projektbezogenes Arbeiten nebenbei durch die Unflexibliltät meines Hauptjobs verhindert wird. Auch bin ich keineswegs eine Quasifranzösin geworden, weder was die Sprache, noch was den Heimischkeitsfaktor betrifft. Es erstaunt mich, wie fremd ich mich in einem so nahe gelegenen Land immernoch fühle, wie anders die Uhren hier trotz relativer Nähe und EU und so weiter doch ticken. Es ist kein Fremdheitsgefühl im Sinne eines nicht willkommen Seins. Im Gegenteil, ich empfinde die Menschen und die Mentalität, die mir hier begegnet als sehr warmherzig. Und dennoch bin ich kein Teil davon, jedenfalls nie vollumfänglich.

Et tout ça pour dire … auch wenn ich hier und jetzt, also im derzeitigen Alltag in Grand Paris nicht das Gefühl von „woooow“ in mir trage, das ich vielleicht bei meiner Ankunft vor genau einem Jahr erwartet hätte, ist dieses Jahr retrospektiv ein Wow-Erlebnis und das, was ich hier erleben durfte, unersetzlich.

Highlights waren zum Beispiel:

Ein Drehtag mit Eichhörnchen

Die erste Shisha meines Lebens

Der Color-Run vom Hotel de Ville an der Seine entlang bis zum Eiffelturm

Grand Poetry Slam mit meinem texterischen Lieblingsfranzosen und Freund Philippe Thilliez in Belleville

Die Fête des couleurs in der Cité Universitaire

Das Spielen der loups garous de Thiercelieux (zu Deutsch „Die Werwölfe von Düsterwald) auf französisch

Bestes Couscous ever bei Zerda im 10eme

Immer wieder unverhoffte Strassenkunst auf superhohem Niveau. Hier: Ein echt witziger Comedy-Pantomime vor dem Centre Pompidou

Der Umzug nach ganz oben bei bester Wetterlage. Wie man sieht: Terrasse mit Swimmingpool

Der 14 juillet mit Feuerwerk auf ebendieser wunderbaren Dachterrasse

Besuch vom Filius

Meine Gästeführungen …

… in deren Verlauf das Begrabbeln von Dalidas Brüsten Glück in der Liebe verspricht.

Sommerliche Ausflüge mit internationalem Trüppchen

 

Ein Abstecher nach Bordeaux

Der Besuch der One Mad Show auf der Nouvelle Scène (einem Schiff mit Bühne im Bauch)

Der Aufstieg auf den zweithöchsten Pariser Aussichtspunkt nach dem Eiffelturm

Swing an der Seine bei Paris Plages

Ein Paddelausflug in die Peripherique …

Das Bezwingen französischer Behörden, hier: Organisation einer Carte Vitale

Picknick draussen in französischer Besetzung

Sommer-Atmo am Canal St Martin (im Hintergrund eine Street-Art-Wand, die gelegentlich wieder weiss gestrichen und dann zur neuen Gestaltung freigegeben wird)

Böllerfreies Silvester auf der Anhöhe des parc de Belleville mit Blick auf den beleuchteten Eiffelturm

Fin bref, Paris est une fête – malgré tout!

Hamburg, meine Perle

Meine Stadt ist im Ausnahmezustand.
Ich bin nicht vor Ort und empfinde die Kombination aus Berichterstattung und Eindrücken von Freunden als sehr surreal. Selbst hier in Paris sind die Ausschreitungen Thema, auf allen sozialen Netzwerken strömt eine wilde Flut an Eindrücken und Stellungnahmen auf mich ein, zum Teil eher aus der Perspektive der eigenen kleinen Erlebniswelt, zum Teil vor dem Hintergrund globalpolitischer Ansichten und Schlussfolgerungen.
Mich macht in der Ferne vieles davon wütend. Sowohl die Position derer, die einen monokausalen Zusammenhang herstellen zwischen polizeilichem Fehlverhalten und der dann folgenden Eskalation als auch die Stimmen aus den Reihen der Rechtskonservativen, die die Ereignisse für einen generellen Feldzug gegen die „Linke“ instrumentalisieren. Fragt sich nur, was „links“ daran sein soll, die Schaufensterscheibe eines Spielwarengeschäfts einzuschlagen, Kleinwagen in Brand zu stecken und Verkehrsschilder zu demolieren. Mich nervt die überzogene, pauschale Behauptung, wir lebten in einem Polizeistaat, welcher das Recht auf friedliche Demonstrationen immer und grundsätzlich verwehrt und sich überall und bei jeder Gelegenheit eskalationsfördernd verhält. Ich bezweifle, dass die selbsternannten Verteidiger einer gerechten Weltordnung von Unruhen abgesehen hätten, wenn sich die Polizei nur korrekt verhalten hätte. Und ich bin recht froh, nicht in Saudi Arabien zu leben, wo eine so weitgehende Kritik am Staat in der Tat ihre Berechtigung hat. Gleichzeitig nerven mich aber auch die gefolgstreuen Gartenzwergbesitzer, die an anderer Stelle Hartz-4-Empfänger und Flüchtlinge für ihre steuerliche Überbelastung verantwortlich machen und hier jetzt jeden, der das polizeiliche Vorgehen in Hamburg als suboptimal bewertet, der linksradikalen Szene zuordnen, zumal ja auch aus den eigenen Reihen Kritik laut wird. Mich nerven auch diejenigen, denen es egal ist. Oder die, die in Winterhude Süd wohnen und sagen, regt Euch nicht auf, auf dem Mühlenkamp ist alles friedlich und die Berichterstattung über bürgerkriegsähnliche Zustände ist sensationsheischende Panikmache.

Die Zerstörungswut unter dem Deckmantel der Menschenrechte nervt mich sowieso. Mehr als das. Abgesehen davon, dass es ziemlich absurd anmutet, sich für die Rechte von Menschen einzusetzen, deren Kiosk man gerade verwüstet hat, macht es traurig, dass Menschen quasi um ihre Existenz gebracht worden sind, die an sozialer Ungerechtigkeit mit Sicherheit keinen Anteil haben. Das Ergebnis von alledem hat die soziale Ungerechtigkeit auf der Welt jedenfalls – wenn überhaupt – lediglich einer Verschlechterung zugeführt.

Couragierter und zielführender sind die zehntausend Hamburger, die sich heute freiwillig und, wie berichtet wird, gut gelaunt, zum Aufräumen getroffen und dem Desaster eine konstruktive Maßnahme entgegen gesetzt haben. Auch das löst die zurecht kritisierte soziale Schieflage der Weltpolitik nicht in Luft auf, aber die dahinterstehende Haltung ist mit Sicherheit solidarischer als sinnloser Vandalismus.

Paris rockt … und stresst.

Gestern habe ich die erste Shisha meines Lebens geraucht. Ich bin Fan! Es war ein eher guter Tag in Sachen Kommunikation, auch wenn es mir  immernoch Mühe bereitet, einer Kommunikation unter Franzosen zu folgen und beizuwohnen.

Shisha rockt

Ich hatte mir vorgestellt, in wenigen Wochen zumindest als angelernte Französin durchzugehen und mit entwaffnender Leichtigkeit durch die Wirren der hiesigen Redekultur zu flirren. Tatsächlich fühle ich mich noch immer als uneleganter Fremdkörper jeder Unterhaltung und schneide nur zwischen 60 und 90 Prozent des Gesagten mit, je nach Gesamtumständen und Gesprächsthema. Eher niedrigschwellig sind Kleingruppengespräche über die Themen Kultur und Theater oder Liebe, Sex und Beziehung. Hardcore: eine große Gruppe französischer Muttersprachler in einer laut beschallten und überfüllten Bar an einer dicht befahrenen Strasse spricht entweder über ungarische Aussenpolitik oder aber über Medienkram und Persönlichkeiten, die in Deutschland keine Sau kennt – beziehungsweise über international bekannten Medienkram und Persönlichkeiten, deren Namen, von Franzosen ausgesprochen, unverstehbar sind (wie etwa die Bee Gees, Hollywood oder Andy Warhol).
Das Gefühl, kommunikativ unterlegen zu sein, ist mir ausgesprochen fremd und irritiert mich, um nicht zu sagen läßt sich kaum aushalten. Gleichzeitig käme eine Rückkehr zu den eigenen Leisten, wo es sich unbeschwert plaudern und streiten läßt und Schlagabtäusche leichtfüßig über die Lippen flutschen, einer Niederlage gleich, und so überwiegt der Ehrgeiz das Heimweh.

Paris ist zweifellos genial. Die literarsichen Liebeserklärungen aus aller Welt laufen gewiss nicht fehl. Diese monumentalen Plätze und Flaniermeilen, die winzigen ruelles, in denen alte Häuser mit hübschen Fassaden und Retrolaternen stehen und wo das Kopfsteinpflaster für Komfortverlust und romantische Wallungen zugleich verantwortlich ist, die unendlich vielen Bars und Theater und Crêperien und kleinen Läden, die durch die allgemeine Enge und die höhere Intensität an Chaos eine besondere Art der Lebhaftigkeit vermitteln, anders als das bunte Treiben auf den weitaus breiteren und in gewisser Weise sogar aufgeräumteren Strassen Berlins. All das ist großartig und faszinierend. Und gleichzeitig macht es mich fertig, dass einen in Paris das ständige Gefühl von eingeklemmt, umgerannt und blockiert werden begleitet. Völlig egal, ob man auf dem Fahrrad, im Auto, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß unterwegs ist, überall versperren andere Menschen, andere Fahrzeuge und sonstige Hindernisse den Weg. Man kommt nicht voran, und es fehlt einfach überall „space“ – inklusive der Wohnsituation, die hier im Allgemeinen beengter ist, als wir Deutschen das gewohnt sind.

Gleichwohl liefert Paris einen bemerkenswerten kulturellen Overkill. Ich habe noch nie so viele, charmante kleine und große Theater auf so kleiner Fläche gesehen. Diese Orte reihen sich in vielen Strassen wie an einer Perlenkette auf; der Spaziergang von Notre Dame über den Louvre bis hin zum Arc de Triomph ist einfach gigantisch und bei einem Rundgang durch das edle SaintGermain-des-Prés erwähnte unsere Gästeführerin, es gäbe zu jedem einzelnen Gebäude eine historiengeschwängerte Story. Man kann sich nicht satt sehen an der beleuchteten, nächtlichen Seine-Promenade und begegnet überall Menschen, die plaudern wollen und gelegentlich sogar etwas hörenswertes zu erzählen haben.
Natürlich ist es auch sehr international hier, so dass man im Grunde sein Dasein ausschliesslich mit ebenfalls Zugewandereten aus aller Herren Länder verbringen könnte. Das würde das Gefühl des Fremdseins eventuell minimieren.

Ich hingegen bin geneigt, mich mit Franzosen zu umgeben – oder zumindest solchen, die in Paris nicht nur auf der Durchreise sind. Und da wird es dann schon schwieriger, Aufnahme zu finden in schon bestehende Kreise. Gar nicht einmal, weil die Leute unwillig oder arrogant sind, wie manch einer den Parisern nachsagt. Vielmehr erschöpft mich das Aushalten der Tatsache, dass Vertrautheit und Verbindung sich entwickeln müssen und man bis dahin zwangsläufig ein Gefühl von Anstrengung verspürt, erst recht, wenn man in der Sprache limitiert ist und schnell als Ausländer auffällt, während die anderen meist schon zumindest zum Teil vertraut und nahe und verbunden miteinander sind. Auf diese Weise wird wohl besonders intensiv die Einsamkeit spürbar und das Fremdkörpergefühl, welches neue Ufer quasi von Natur aus mit sich bringen.

Im Gegensatz dazu stellt sich bereits jetzt ein Métro-boulot-dodo-Gefühl ein, was die Routine des Arbeitsalltags betrifft. So ein eher einsilbiger und unflexibler Vollzeitjob ist, wie mir gewahr wird, einigermaßen erschöpfend, und da man viel Lebenszeit damit verbringt, verkleinert er die Zeitfenster für andere Entdeckungen. Inzwischen kann ich keine Würste und Brezeln mehr sehen. Gelegentlich habe ich den Eindruck, dass mir einfach die Energie für andere Aktivitäten fehlt, so erschöpft bin ich nach nur 6 Wochen Otto-Normalverbraucher-Job.

Um mich vom Pariser Overkill zu erholen, habe ich meinen heutigen freien Tag in der campagne verbracht und mich statt mit umherflirrenden Parisern mit Enten und alten nordfranzösischen Bauwerken umgeben – darunter auch ein Theater, das théâtre municipale. Schnuckelig, wenn auch für meine Begriffe zu kalt. In Paris war heute T-Shirt-Wetter und ich war zu dünn angezogen für die nordische Frischluft.

Festzuhalten bleibt, dass diese Herausforderung auch rockt. Es geht noch wohin auf diesem Weg. Und solange bleibe ich hier!

2. Station: Testphase Paris

Vor dem endgültigen Umzug in zwei Wochen habe ich eine Probewoche im bereits erwähnten Tante Emma Laden in Paris zu absolvieren, die man als quasi bestanden deklarieren kann: Le contrat est fait, der Vertrag ist gemacht. Am Ende des gestrigen Tages wurde ich vom patron, also meinem neuen Arbeitgeber, auf ein deutsches Bier eingeladen – ich glaube, es war ein Wernersgründer – und der Vertrag wurde besiegelt. Ich bin also nun, nach langen Jahren der Freiberuflichkeit (gibt’s dieses Wort??) zum ersten Mal wieder Angestellte und habe mich an die Tatsache zu gewöhnen, dass ich zukünftig fragen muss, bevor ich eventuelle Vorstellungstermine zusage. Wobei sich Monsieur da sehr einsichtig zeigte und versprach, dass im Fall eines Falles eigentlich immer Lösungen gefunden werden. Ausserdem sind die sonstigen Arbeitsbedingungen prima: Ich bekomme dank dieses Festvertrags problemlos eine französische Carte Vitale, so nennt sich diese Chipkarte der Krankenversicherung und ein französisches Bankkonto. Die Arbeitszeiten entsprechen meinem biologischen Rhythmus, denn ich bin für die Nachmittagsschicht eingeteilt, so dass meine Arbeitstage sehr kommod um 14 Uhr beginnen, wenn man auch als Künstler bereits mehr oder weniger ausgeschlafen hat. Und der Laden selbst ist einfach niedlich, mit Quasi-Familienanschluss an ein kleines, internationales und altersgemischtes Team. Da ich nicht die einzige Ausländerin bin – ich befinde mich in Gesellschaft einer Deutsch-Mexikanerin, einer Kasachstanerin und einer Kambodganerin – bin ich guter Hoffnung, dass meine sprachlichen Defizite nicht zur Totalkatastrophe werden, auch wenn es für mich echt neu ist, dass ausgerechnet die Sprache mein Sorgenkind ist. Aber hey, das ist ja auch Teil der Erfahrung, die ich machen wollte mit einem Auslandsjahr. Abegesehen davon, dass ich sicher bin, mir hier relativ schnell einige Feinheiten der Landessprache aneignen zu können, immerhin findet der Alltag hier nicht wie gewohnt in deutscher, sondern in französischer Sprache statt, was den Wortschatz rapide erweitert. Zum Beispiel kann ich jetzt fragen, ob das Verfallsdatum bereits abgelaufen ist und erklären, wie das Lebkuchenhaus zum selber Basteln zu bedienen ist, was nach drei Arbeitstagen ja schonmal ein gutes Ergebnis ist.

Im Moment ist mir am Ende des Tages noch ganz schwindelig und mein Gehirn fühlt sich an wie ein alter Commodore 64, der verzweifelt versucht, zeitgenössische Programme zum Laufen zu kriegen. Ausserdem hoffe ich stets, dass die Kunden nichts fragen, was ich nicht verstehe und keine seltsamen Produktnamen verwenden, die man nur als eingefleischter Franzose kennen kann. Entspannt wird es immer, wenn deutsche Kunden kommen und ich damit glänzen kann, dass ich als einzige akzentfreies Deutsch spreche.

Zweifelsohne wird es mich auch ein bißchen Zeit kosten, mir über die Produkte, die ich zwar als Konsumentin irgendwie kenne, aber über deren Eigenschaften und Besonderheiten ich nicht vollumfänglich informiert bin, ein wenig Hintergrundwissen anzueignen. Immerhin bin ich in der Lage, die Aufschriften auf den Verpackungen zu verstehen und im Zweifel für die Kunden zu übersetzen, was schonmal ein Vorteil ist.

Bref, voili voilou … Schwester Esther goes Tante Emma. Die Erfahrung „Leben im Ausland“ hat begonnen.

Mein neuer Arbeitsplatz

PS: Allerdings frage ich mich gerade, ob die dahingehende Berichterstattung noch als „Theaterblog“ durchgeht. Falls nicht, möge es eben die Lücke im Lebenslauf ansprechend erläutern 🙂

 

Paris, j’arrive

Auf diesem Blog noch nicht zur Erwähnung gekommen, aber schon seit längerem in Planung und Vorbereitung: Ein verspätetes Auslandsjahr in Paris. Zwischen heute und meinem Umzug liegen noch ganze 7 Wochen. Wochen voll mit Auftritten, Orgakram und Touristenbespaßung. All das fühlt sich gerade surreal an, zumal bei der Firma, die mich in Paris engagiert hat, Vollchaos herrscht und die mir versprochene Arbeitszeit sich wohl auf das Niveau eines Minijobs reduzieren wird. 7 Wochen vor dem bevorstehenden Umzug ist diese Info natürlich ein Super-GAU, aber auch mal wieder hausgemacht, weil ich in der mir eigenen Naivität nicht hinreichend auf schriftliche Festschreibung der Konditionen geachtet habe.

Anyway. Ich marschierte jedenfalls daraufhin in einen germanophonen Laden, von dem ich zufällig gelesen hatte, dass da Mitarbeiter gesucht werden und plauderte mit dem äusserst sympathischen Besitzer. Der war zunächst sehr skeptisch, weil er wohl die Erfahrung gemacht hat, dass Künstler als Arbeitnehmer schnell abspringen, sobald sie (wieder) in der eigenen Domaine Arbeit finden. In Deutschland würde ich es inzwischen tatsächlich als Abstieg empfinden, Jobs völlig ausserhalb des Kreativen machen zu müssen.
Für meine Zeit in Frankreich fühlt es sich gut an, da besteht aber die Herausforderung ja mehr darin, mit der neuen Sprache umzugehen. Sollte ich im Handumdrehen akzentfreies Französisch lernen, wird sich diese Haltung möglicherweise ändern. Jedenfalls
fand Monsieur Même mich offenbar als Personality drollig genug, um sich auf ein längeres Gespräch einzulassen und konstatierte, dass er kaum Deutsche kenne, die gut französisch sprechen und ich deswegen womöglich trotzdem eine interessante Partie sein könnte. Ich solle ihm meine Vita zukommen lassen und er würde sich melden. Heute kam dann eine freundlich und persönlich formulierte Replik, in der mir mitgeteilt wird, dass ich für den im Januar frei werdenden Job in Betracht komme.
Das ist zwar noch keine feste Zusage, aber vor dem Hintergrund, dass seine erste Reaktion sinngemäß “um Gottes Willen, keine Künstler” lautete, schonmal ganz schön gut. Jedenfalls hat die Lektüre dieser Antwort den Spiegel meiner Glückshormone für den heutigen Tag auf ein exorbitantes Niveau steigen lassen, zumal ich diesen Kerl von Anfang an mochte und intuitiv große Lust bekam, mit ihm zu arbeiten.
Es gibt ein Video mit Phillippe Même, dem sympathischen Tante-Emma-Händler, auf Youtube (in französischer Sprache, aber ich glaube, auch wenn man die Worte nicht versteht, kriegt man einen Eindruck)

Die letzten Tage, die ich in Paris verbrachte, habe ich jenseits der Jobfrage weitere Entdeckungen rund um das Leben in der Capitale gemacht.

So habe ich zum Beispiel festgestellt, dass man Dank Internet unglaublich schnell Kontakte in Paris (und wahrscheinlich überall) knüpfen kann. Ich war bei einem workshopartigen Meeting rund um Polyamorie und unkonventionelle Lebensformen, in kiezigem Ambiente, bei einem Verein, der for-free-Angebote für in Paris lebende Ausländer organisiert und bei einem deutsch-französischen Stammtisch.

Man sollte seinen Alkohol- und Zigarettenkonsum entweder einstellen oder reduzieren, wenn man in Paris lebt, ein Bier kostet durchschnittlich 5 €, eine Schachtel Zigaretten 7 €.

Des weiteren ist es sehr zeitsparend, abends den letzten RER noch zu erwischen, wenn man wie ich im Banlieue wohnt,  aber auch beruhigend zu wissen, dass man zumindest nicht bis zum ersten des Folgetages warten muss, um zurück zu kommen. Eine Nachtbusfahrt ermöglicht Ausländern wie mir ausserdem, mit dem stolzen Gefühl zurück zu kehren, den richtigen Nachtbus gefunden und dank der liebvollen Wegbeschreibung des Busfahrers von der Nachtbusstation (die 10 Minuten Fußmarsch von der RER Station entfernt liegt) nach Hause gefunden zu haben.

Ein großer Bonus französischer Bushaltestellen: Es gibt USB-Anschlüsse zum Aufladen des Handys

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Alles in allem freue ich mich auf Januar. Paris est une fête! 

Amerikanischer Horrorthriller geht in Serie

Ich kann es gar nicht fassen. Die Amerikaner haben ihren Schlächter zum Präsidenten gewählt. Dieser größenwahnsinnge, sexistische Zuhälterverschnitt, dieser grobschlächtige Antidemokrat zieht ins Weiße Haus ein – und ich bin jetzt völlig verpennt. Tolle Wurst.

Nein, ich hätte damit nicht gerechnet. Vielleicht war der Wunsch der Vater des Gedankens, vielleicht empfand ich es als abwegig, dass die Mehrheit der Amerikaner einem Typen, der auf mich wie die amerikanische Ausgabe von Rolf Eden wirkt – wenn auch wesentlich gefährlicher aufgrund seiner Machtansprüche – allen ernstes die Verantwortung für die Marschroute übertragen wollen. Wie sagte noch kürzlich Stevie Wonder „Voting for Trump is like asking me to drive“. Nun haben die USA also einen blinden Piloten im Cockpit, der bedauerlicherweise mehr Schaden anrichten kann als der Bürgermeister von Hintertupfingen.

Nie hat mich ein Wahlergebnis mehr schockiert und beängstigt als dieses.

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Landleben at it’s best

Während ich gestern noch meine inzwischen erprobte Joggingstrecke ablief, legt sich heute eine dicke, weiße Schneedecke über den schwarzen Wald.

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Blick von der Theaterterrasse gestern …

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Blick von der Theaterterrasse heute …

Ich könnte theoretisch Ski fahren gehen (tatsächlich gibt es sogar einen kleinen Skilift hinter dem Theater). In Ermangelung der Bretter, die, naja, auch fast die Welt bedeuten, entscheide ich mich für Indoor Sport. Es gibt im Gästehaus einen großen Trainingssaal zum Aufwärmen, wo man mit You-Tube-Trainern Aerobic machen kann. Vorher hole ich mir Frischmilch aus der Milchtankstelle gegenüber. Heute bin ich alleine in dem riesigen Haus, weil mein Kollege Mittwochs nach der Probe immer nach Hause in Richtung Offenburg fährt, um zu unterrichten.

Nachdem ich die letzten Tagen immer bis in die Puppen geschlafen habe – man schläft hier extrem tief und die Probe beginnt meist nicht vor elf – erwache ich heute schon gegen sieben Uhr … wer weiß, vielleicht war Vollmond. Und nutze die Zeit, meinen Text und den passenden Chanson zum Stück einzustudieren. Es ist herrlich auf dem Land! Nichts lenkt einen ab und man kann sich ganz seiner Arbeit und der Pflege des Egos widmen. Daran könnte ich mich fast gewöhnen …