Angekommen

Während die Hamburger auf Facebook zur Stund einen schwarzen Himmel beklagen oder zumindest vermelden, hier nach wie vor Sommer hart. Ich bin bekanntlich die letzte, der Hitze etwas anhaben kann, aber da es auch nachts nicht abkühlt, gerate selbst ich an meine Grenzen und fiebere ganz besonders auf die im August übliche Urlaubszeit hin, wo ganz Paris brach liegt und man jeden Tag ans Wasser fahren kann.

Bis dahin ist noch der Umzug zu bewältigen, in der Hoffnung, dass der Fahrstuhl in meinem neuen Heim zeitnah repariert wird. Das Teil ist nämlich, wie mir mitgeteilt wurde, seit Wochen ausser Betrieb, und ich ziehe in den siebten Stock. Zudem mache ich mir ein bißchen Sorgen um die rechtzeitige Installation meines Internetanschlusses, weil die angeblich unschlagbar günstige Firma Bouygues ein recht eigenwilliges System der Kundenbetreuung ihr eigen nennt. Sie verfahren nach dem Motto „don’t call us, we call you“. Das Problem dabei ist, dass die mich immer dann zu erreichen versuchen, wenn ich nicht abnehmen kann, weil ich gerade vor einer Gruppe deutscher Touristen stehe und den Montmartre präsentiere … Ruft man die Nummer zurück, erfolgt eine automatische Ansage des Inhalts, dass man mich wegen einer wichtigen Nachricht bezüglich meiner Bestellung zu erreichen versucht habe und bald wieder anrufen würde. Tolle Wurst.

Zu vermelden gibt es, dass ich mich angekommen fühle in der capitale der französischen Chaoten. Ich habe Freunde, Franzosen und Deutsche, die sich um mich sorgen, mir beim Umzug helfen, Kurzreisen, Ausflüge und soirées organisieren und mich darin trainieren, in größerer Gruppe Gesprächsinhalte mitzuschneiden, in denen Abkürzungen wie „p’tit dej“ oder „cinq heure du mat“ vorkommen. Je nach Tagesform gelingen mir auch mal zusammenhängende Wortbeiträge und/oder ein halbwegs gut verpackter Witz, und ich fahre inzwischen weitgehend navigationsfrei mit dem Fahrrad durch die ganze Stadt.

Was das Schinkenschneiden betrifft, schwanke ich täglich zwischen einer gewissen Gewöhnung an ein bürgerliches Berufsleben in einem intellektuell nicht allzu fordernden Metier – zumal ich die kleine Tante-Emma-Familie rund um unseren sympathischen Arbeitgeber lieb gewonnen habe und ich auf diesem Wege immer wieder exotische oder praktische französische Worte lerne, wie zum Beispiel tiret du 6, was man braucht, um den Kunden die Email-Adresse zu nennen – und einem Gefühl von Überdruss und Sehnsucht nach meinem Beruf. Zum Glück bieten mir die Touristenführungen und die Stippvisiten an deutschen Theatern Gelegenheit, meine Kernkompetenzen doch noch irgendwo zum Einsatz zu bringen.

Alles in allem ist die Stimmung gut. Vive la France 🙂

 

Une vie ailleurs

Frei nach dem gleichnamigen Kinofilm hier der Zwischenstand nach knapp fünf Monaten im Ausland:

Es ruckelt sich zurecht. Zunehmend. Heute habe ich meinen ersten ausländischen Mietvertrag unterzeichnet und bin nun ab Juli Mieterin einer 43qm-Wohnung in Aubervilliers, was für Pariser Verhältnisse enorm ist (genauso wie die Höhe der Kaution, die ich gerade überwiesen habe). Noch schwanke ich zwischen Euphorie und Panik; letzteres ob der Wirren des nun zu erledigenden Formalkrams à la française, vor allem aber aufgrund der doch zunehmenden Kosten, die dann auf mich zukommen, und ersteres, weil meine bisherige Wohnsituation auf Dauer suboptimal ist. Nach 20 Jahren wieder in einer WG zu residieren, ist fordernd. Zumal die hiesige Zweckgemeinschaft mit meinen Studenten-WGs von einst nur partiell vergleichbar ist. Fakt ist, dass ich in den letzten Wochen (noch über die Frage grübelnd, ob ich den Mietvertrag wirklich machen soll oder nicht) oft dachte, um einfach durchzuhalten, bis ich wieder in mein Hamburger Paradies zurück kehre, ist die geplante Dauer des Aufenthalts zu lang, um eine ganze Wohnung anzumieten erscheint sie irgendwie zu kurz. Am Ende siegte die Überzeugung, dass ich so eine Gelegenheit im Pariser Raum nie wieder bekommen werde und die Wohnung zur Not immernoch untervermietet werden kann, falls ich den Vertrag nicht zu früh auflösen möchte.

Ähnliche Gedankenschläge wie die Wohnungsfrage bereitet mir indes meine berufliche Situation. Ich habe die Kollateralschaden eines 35-Stunden-Jobs, der weder künstlerisch noch intellektuell besonders inspirierend ist, unterschätzt. Unter anderem läuft das Hamsterrad der komplett unflexiblen Arbeitszeiten, die immer im gleichen Rhythmus absolviert werden, meinem Wesen, welches nach Abwechslung auf allen Ebenen strebt, grundsätzlich entgegen. Und so balanciere ich mit Möglichkeiten, diesen Vollzeitjob wenigstens zu reduzieren. Die Touristenführungen hingegen machen großen Spaß und sorgen dafür, dass ich auch hier in Paris wenigstens teilweise meine Kernkompetenzen zum Einsatz bringen und gestalten kann statt nur Befehlsempfängerin zu sein.

Grundsätzlich muss ich mir hier vieles wie ein Jungerwachsener neu erschliessen. Das ist interessant, denn es führt mir vor Augen, wie selbstverständlich mir deutsche Vorgehensweisen bisher erschienen. Arztbesuche, Versicherungsangelegenheiten, Bankgeschäfte, Mietverträge und und und, vieles funktioniert hier ein kleines bißchen anders und konfrontiert einen mit kleinen Stolpersteinen, mit denen man nicht gerechnet hat. Gleichzeitig steigert all das das Verhandlungsgeschick in französischer Sprache, und mit jedem gelösten Problemchen der vorgestellten Art gewinne ich ein bißchen mehr das Gefühl, Teil dieses Landes zu sein. Auch schön.

Ein großer Gewinn sind für mich die Menschen, mit denen ich hier meine Freizeit verbringe. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich einige von ihnen als Freunde bezeichne und es total super finde, dass ich in Paris Leute kenne, die ohne mit der Wimper zu zucken, ihre Hilfe beim Umzug anbieten. Juhu! Nach wie vor ist es so, dass lange Telefongespräche deutschen Freunden vorbehalten sind, weil ich telefonieren auf französisch so anstrengend finde, dass ich nach spätestens 20 Minuten ermüde. Chatten hingegen geht.

Die Fülle von Eindrücken, die dieses Paname liefert, ist enorm. Ich bin meistens gerne hier und habe nur noch gelegentlich Heimweh. Aber wannimmer ich gelegentlich nach Deutschland zurück kehren kann, um zu spielen, tanzt mein Herz. Mehr und mehr erkeimt eine innere Hoffnung auf Spielmöglichkeiten im Pariser Raum. Ich glaube, das würde sich wie ein Durchbruch anfühlen.

Fête des couleurs, cité universitaire Paris 2017

Kino Pop und Drehtag mit Eichhörnchen – tournage avec un écureuil

„Le Kino“, wie die Franzosen es nennen, ist entstanden in Quebec. Da wurde in den 90er Jahren erstmals eine Veranstaltung organisiert mit der Idee, mit geringen Mitteln und in einer vorgegebenen, kurzen Zeitspanne, Kurzfilme zu produzieren. Inzwischen ist daraus so eine Art internationale Bewegung geworden. Weltweit finden in regelmäßigen Abständen Kino Kabarets statt. Der ganz harte Kern der Community reist im Grunde ständig von Land zu Land, um an diesen Events teilzuhaben … als Filmemacher, Schauspieler, Techniker oder oder oder. Jeder kann sich für alles anbieten, so dass der Rahmen nicht wirklich professionell zu nennen ist. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, wie viele der so produzierten Filmchen trotzdem eine gewisse Professionalität aufweisen.

Ich selbst kam mit dem Konzept erstmals letztes Jahr in Berührung, als ich in Paris an „Kino Belleville“ teilnahm. Zunächst fühlte ich mich da allerdings eher wie ein Fremdkörper in einer spürbar eingeschworenen Gemeinschaft und war mir auch gar nicht so sicher, ob Spontaneität auf Zuruf überhaupt mein Ding ist. Dennoch hat mich der Spirit und vor allem einzelne Teilnehmer und deren Herangehensweise respektive der filmischen Ergebnisse irgendwie fasziniert. (Leider ist mein Lieblingsfilm aus dieser Session nicht öffentlich verfügbar und kann daher hier nicht verlinkt werden). Und so verfolge ich seit meinem Umzug die Aktivitäten der Pariser Kinoiten, die sich jeden Monat unter der Headline „Kino Pop“ treffen. Bei diesen Veranstaltungen wird eine Auswahl von Filmen gezeigt und am Ende werden per Losverfahren Teams zusammengewürfelt, die für die nächste Veranstaltung eine filmische Aufgabe zugespielt bekommen. Man könnte sagen Improtheater in Filmform. Diesmal in meinem Fall: Thema „animaux“ (Tiere), Satz „J’ai envie de noisettes“ (Ich habe Lust auf Nüsse). Mit dieser Arbeitsanweisung hatte die ausgeloste Regisseurin ein Drehbuch zu schreiben und zu realisieren. Letzte Woche wurde gedreht, und ich habe ein neues französisches Wort gelernt: écureuil – Eichhörnchen. Gedreht wurde draussen, und die minderjährigen Passanten quietschten oft begeistert auf, wenn sie den Kollegen im Eichhörnchenkostüm entdeckten. Ich selbst durfte so eine Art Eichhörnchenfetischistin verkörpern. Die per Losverfahren gezogenen Mitstreiter und -streiterinnen waren zu 90 Prozent total durchgeknallt, aber je länger ich Teil dieser Kino-Bewegung bin, desto mehr gewinne ich diese Leute lieb und fühle mich umgekehrt mehr und mehr aufgenommen ins Geschehen. Ob das Filmergebnis mir gefällt, wird sich zeigen. Irgendwie fand ich meinen französischen Sprachfluss an dem Tag nicht optimal, was schade ist, weil ich im Allgemeinen zunehmend offener und fliessender zu sprechen vermag. Aber hey, es handelt sich ja nicht um karriereentscheidendes Material, und so oder so tat es mir gut, die Frage nach der richtigen Schinkenschneidetechnik mal wieder durch kreativere Aufgabenstellungen zu ersetzen, ohne dafür gleich nach Deutschland heizen zu müssen. Alles in allem ganz großes Kino!

Paris rockt … und stresst.

Gestern habe ich die erste Shisha meines Lebens geraucht. Ich bin Fan! Es war ein eher guter Tag in Sachen Kommunikation, auch wenn es mir  immernoch Mühe bereitet, einer Kommunikation unter Franzosen zu folgen und beizuwohnen.

Shisha rockt

Ich hatte mir vorgestellt, in wenigen Wochen zumindest als angelernte Französin durchzugehen und mit entwaffnender Leichtigkeit durch die Wirren der hiesigen Redekultur zu flirren. Tatsächlich fühle ich mich noch immer als uneleganter Fremdkörper jeder Unterhaltung und schneide nur zwischen 60 und 90 Prozent des Gesagten mit, je nach Gesamtumständen und Gesprächsthema. Eher niedrigschwellig sind Kleingruppengespräche über die Themen Kultur und Theater oder Liebe, Sex und Beziehung. Hardcore: eine große Gruppe französischer Muttersprachler in einer laut beschallten und überfüllten Bar an einer dicht befahrenen Strasse spricht entweder über ungarische Aussenpolitik oder aber über Medienkram und Persönlichkeiten, die in Deutschland keine Sau kennt – beziehungsweise über international bekannten Medienkram und Persönlichkeiten, deren Namen, von Franzosen ausgesprochen, unverstehbar sind (wie etwa die Bee Gees, Hollywood oder Andy Warhol).
Das Gefühl, kommunikativ unterlegen zu sein, ist mir ausgesprochen fremd und irritiert mich, um nicht zu sagen läßt sich kaum aushalten. Gleichzeitig käme eine Rückkehr zu den eigenen Leisten, wo es sich unbeschwert plaudern und streiten läßt und Schlagabtäusche leichtfüßig über die Lippen flutschen, einer Niederlage gleich, und so überwiegt der Ehrgeiz das Heimweh.

Paris ist zweifellos genial. Die literarsichen Liebeserklärungen aus aller Welt laufen gewiss nicht fehl. Diese monumentalen Plätze und Flaniermeilen, die winzigen ruelles, in denen alte Häuser mit hübschen Fassaden und Retrolaternen stehen und wo das Kopfsteinpflaster für Komfortverlust und romantische Wallungen zugleich verantwortlich ist, die unendlich vielen Bars und Theater und Crêperien und kleinen Läden, die durch die allgemeine Enge und die höhere Intensität an Chaos eine besondere Art der Lebhaftigkeit vermitteln, anders als das bunte Treiben auf den weitaus breiteren und in gewisser Weise sogar aufgeräumteren Strassen Berlins. All das ist großartig und faszinierend. Und gleichzeitig macht es mich fertig, dass einen in Paris das ständige Gefühl von eingeklemmt, umgerannt und blockiert werden begleitet. Völlig egal, ob man auf dem Fahrrad, im Auto, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß unterwegs ist, überall versperren andere Menschen, andere Fahrzeuge und sonstige Hindernisse den Weg. Man kommt nicht voran, und es fehlt einfach überall „space“ – inklusive der Wohnsituation, die hier im Allgemeinen beengter ist, als wir Deutschen das gewohnt sind.

Gleichwohl liefert Paris einen bemerkenswerten kulturellen Overkill. Ich habe noch nie so viele, charmante kleine und große Theater auf so kleiner Fläche gesehen. Diese Orte reihen sich in vielen Strassen wie an einer Perlenkette auf; der Spaziergang von Notre Dame über den Louvre bis hin zum Arc de Triomph ist einfach gigantisch und bei einem Rundgang durch das edle SaintGermain-des-Prés erwähnte unsere Gästeführerin, es gäbe zu jedem einzelnen Gebäude eine historiengeschwängerte Story. Man kann sich nicht satt sehen an der beleuchteten, nächtlichen Seine-Promenade und begegnet überall Menschen, die plaudern wollen und gelegentlich sogar etwas hörenswertes zu erzählen haben.
Natürlich ist es auch sehr international hier, so dass man im Grunde sein Dasein ausschliesslich mit ebenfalls Zugewandereten aus aller Herren Länder verbringen könnte. Das würde das Gefühl des Fremdseins eventuell minimieren.

Ich hingegen bin geneigt, mich mit Franzosen zu umgeben – oder zumindest solchen, die in Paris nicht nur auf der Durchreise sind. Und da wird es dann schon schwieriger, Aufnahme zu finden in schon bestehende Kreise. Gar nicht einmal, weil die Leute unwillig oder arrogant sind, wie manch einer den Parisern nachsagt. Vielmehr erschöpft mich das Aushalten der Tatsache, dass Vertrautheit und Verbindung sich entwickeln müssen und man bis dahin zwangsläufig ein Gefühl von Anstrengung verspürt, erst recht, wenn man in der Sprache limitiert ist und schnell als Ausländer auffällt, während die anderen meist schon zumindest zum Teil vertraut und nahe und verbunden miteinander sind. Auf diese Weise wird wohl besonders intensiv die Einsamkeit spürbar und das Fremdkörpergefühl, welches neue Ufer quasi von Natur aus mit sich bringen.

Im Gegensatz dazu stellt sich bereits jetzt ein Métro-boulot-dodo-Gefühl ein, was die Routine des Arbeitsalltags betrifft. So ein eher einsilbiger und unflexibler Vollzeitjob ist, wie mir gewahr wird, einigermaßen erschöpfend, und da man viel Lebenszeit damit verbringt, verkleinert er die Zeitfenster für andere Entdeckungen. Inzwischen kann ich keine Würste und Brezeln mehr sehen. Gelegentlich habe ich den Eindruck, dass mir einfach die Energie für andere Aktivitäten fehlt, so erschöpft bin ich nach nur 6 Wochen Otto-Normalverbraucher-Job.

Um mich vom Pariser Overkill zu erholen, habe ich meinen heutigen freien Tag in der campagne verbracht und mich statt mit umherflirrenden Parisern mit Enten und alten nordfranzösischen Bauwerken umgeben – darunter auch ein Theater, das théâtre municipale. Schnuckelig, wenn auch für meine Begriffe zu kalt. In Paris war heute T-Shirt-Wetter und ich war zu dünn angezogen für die nordische Frischluft.

Festzuhalten bleibt, dass diese Herausforderung auch rockt. Es geht noch wohin auf diesem Weg. Und solange bleibe ich hier!

Tout va mieux

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Sechs Wochen nach dem Umzug. Nach anfänglich gutem Lauf stellen sich vereinzelt Frustrationen ein. Alles begann mit dem Vorhaben, ein funktionierendes Bankkonto zu eröffnen. Dieses Unterfangen ist bei der französischen Postbank ein Loriot’sches Szenario, wäre ich Schriftstellerin, würde ich eine Satire daraus machen. Bis heute sind nicht alle Funktionen meines Online-Bankings problemlos nutzbar. Ich erspare meinen Leser/innen die Details, muss aber sagen, dass meine Frustrationstoleranz ihr Limit erreicht hat, nachdem ich in den letzten beiden Wochen vermutlich ein gutes Viertel meiner Lebenszeit dem Schlangestehen bei oder telefonieren mit der Banque Postale geopfert habe.

Mit dieser zunehmenden Verärgerung einhergehend, wurde ich wohl auch in anderen Lebensbereichen ungeduldig und innerlich quengelig. In den letzten Tagen fehlten mir meine Freunde. Keine Frage, dass es nicht weiter erstaunt, wenn man sechs Wochen nach einem Umzug ins Ausland noch keinen Freundeskreis fürs Herz hat; und ja, ich finde es prima, in dieser kurzen Zeit so vielen zum Teil bereichernden, zum Teil unterhaltsamen und zum Teil einfach nur drolligen Menschen begegnet zu sein, berufliche Kontakte geknüpft und amüsante Abende verbracht zu haben. Gleichwohl ereilte mich vor einigen Tagen das erste Mal so eine Sehnsucht nach der persönlichen Gegenwart meiner Freundinnen und Freunde von zu Hause, mes amis proches (wofür mir gerade kein schönes deutsches Pendant einfällt, weil ich das Attribut „eng“ im Zusammenhang mit Freundschaften irgendwie falsch gewählt finde; „nah“ ist schöner, sagt sich aber im Deutschen ja leider nicht). Hinzu kommt, dass ich manchmal frustriert bin, weil mir die französische Sprache immernoch nicht so locker-flockig von der Zunge fliesst, wie ich mir das vorgestellt habe nach anderthalb Monaten. Anders gesagt bemerke ich, dass mir zwar einerseits unheimlich viel neuer Input in Sachen Sprache zuteil wird, ich aber andererseits gerade deswegen häufiger durcheinander gerate als vorher, weil all die Möglichkeiten zwar irgendwo angekommen sind, aber noch nicht da, wo sie sich in spontan gesprochene Sprache transferieren. Ich vermisse die Leichtigkeit beim Sprechen, die ich in meiner Muttersprache als normal empfinde. Intellektuell ist mir im Übrigen klar, dass diese Erwartung im Alter von 40 Jahren unrealistisch ist nach so kurzer Zeit. Emotional geht es mir trotzdem manchmal anders, allein schon, weil ich mich für ein Sprachtalent halte und es bekanntlich besonders schmerzlich ist, das, was man eigentlich kann, plötzlich auch nicht mehr zu können – also, neben den Sachen, die man eh noch nie konnte 😉

Nun, in dieser gedämpften Stimmung also erreichten mich heute verschiedene Anrufe, die mich im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Tage versöhnlich gestimmt und meinem Allgemeinbefinden Aufschwung verliehen haben.
Zum einen hat mein heutiges Gespräch mit dem Mitarbeiter der Banque Postale meiner Sprachfrustation entgegen gewirkt, denn ich kam – wenn auch ohne vollumfänglich zufriedenstellendes Ergebnis, was die Wartezeit bis zur endgültigen Problemlösung betrifft – mit dem ermutigenden Gefühl nach Hause, mich für ne Deutsche sehr eloquent beschwert zu haben. Zum anderen gab es verschiedentlich gute Nachrichten aus der Heimat. Da ich inzwischen wieder joggen kann und heute mein freier Tag ist, sehe ich der jetzt anstehenden Bewegungsrunde entspannt entgegen und über die heute nicht ganz so sonnige Wetterlage hinweg.

Tout va mieux, je me débrouille.

A dimanche, Paris

Gare de l'est. A dimanche, Paris!

Gare de l’est.
A dimanche, Paris!

TGV fahren ist super! Geht doppelt so schnell wie auf deutschen Schienen, kostet aber dafür nur die Hälfte. Zudem hat man, selbst auf dem deutschen Handy, einen trillianten Empfang. Allerdings nur solange, bis der Zug deutschen Boden erreicht hat. In diesem Punkt ist unser Vaterland ein Entwicklungsland geblieben.

Zurück in Deutschland fahre ich mit der Bimmelbahn weiter in den Schwarzwald, wo am Abend „Vier linke Hände“ zum besten gegeben wird. Zunächst ist es ja etwas verwirrend, dass man sich überall normal unterhalten kann und sämtliche Beschilderungen in deutscher Sprache verfasst sind, aber nach 20 Minuten habe ich mich wieder vollständig eingelebt und bekomme Anflüge von Heimweh nach Hamburg.

Das abendliche Stück wird mich jedoch zunächst wieder in die französische Hauptstadt zurück katapultieren. Diese ist Ort des Geschehens in der Geschichte rund um Sophie und Bertrand. Lokalitätsmäßig bin ich also ausgezeichnet vorbereitet. Ich freue mich, wieder auf der Bühne zu stehen. So lange Spielpause hatte ich schon lange nicht mehr, und die Bühne im Kurtheater Bad Dürrheim ist schon ebenso vertraut wie das Salzstüble, die einzige ortsansässige Kneipe, die nach Mitternacht noch geöffnet hat. Allerdings ist unser Bühnenbild einer Veränderung unterzogen worden, und zwar um es schweiztauglich zu machen. Am Samstag spielen wir auf einer schnuckligen, kleinen Bühne im schweizerischen Büren und mussten die Drehbühne den dortigen Dimensionen anpassen. Ein dummer Fehler meinerseits sorgt ausserdem am Abend für einen ärgerlich holprigen Einstieg. Ich hatte ein unverzichtbares Requisit vergessen und ärgere mich heute noch, dass mir das passieren konnte. Zum Glück haben wir ein großartiges Publikum, welches so viel Stimmung verbreitet, dass die Spielfreue trotzdem erhalten bleibt. Ins Salzstüble habe ich es an diesem Abend müdigkeitsbedingt trotzdem nicht mehr geschafft. Und das war auch gut so. Mein Kollege berichtete nämlich heute morgen, es sei zu gewesen und er mußte unverrichteter Dinge wieder heimkehren. Der Besuch wurde daher auf heute Abend verschoben.

Nouvelle chambre, nouvelle vie!

Die vierte Woche ist angebrochen. Noch könnte es sich wie Urlaub anfühlen, ausser dass ich regelmäßig zur Arbeit gehe und langsam Probleme mit meinem Zeitmanagement bekomme. In den letzten beiden Wochen sind so viele Optionen aufgetaucht, dass ich inzwischen bezweifle, für alle die Kapazitätem zu haben.

Obwohl ausgehen – wie alles – in Paris sehr teuer ist, habe ich an zwei Karaokeabenden teilgenommen, war bei einem Künstlermeetup mit anschliessendem Versacken in einer der günstigeren Pariser Bars (was mich gelehrt hat, dass man immer mit einheimischen Franzosen ausgehen muss, wenn man nicht 7 Euro pro Bier hinlegen will) und auf dem Montmartre. Letzteres diente der Vorbereitung von Gästeführungen in deutscher Sprache. Ein Angebot, das mir auf der Suche nach einem geeigneten Nebenjob in meinem Metier via Facebook angetragen wurde. Allen Belächlern dieses sozialen Netzwerks (und denen, die dort posten, dass sie sich in den 80ern noch die Knie aufgeschlagen und auf der Strasse getobt haben, während die uncoole Jugend von heute nur noch vor elektronischen Spielereien abhängt und das „echte“ Leben gar nicht mehr kennt) sei an dieser Stelle auch mitgeteilt, dass auf dem gleichen Wege Schwartzbrotgold  meinen Weg gekreuzt und mir eine reelle Option auf ein Engagement in Paris beschert hat. Bei Facebook kann man mehr als Kalenderblattsprüche, Smilies und Essensfotos posten, ehrlich.Ach ja, und dann ist da noch Bruno, den ich im Facebook’schen Forum für germanophone Franzosen und Deutsche in Paris aufgegabelt habe. Bruno ist Franzose und Vater eines zweisprachig erzogenen Kindes. Er plant die Eröffnung einer deutsch-französischen Schule und möchte in diesem Kontext mit mir zusammen einen Theaterworkshop organisieren. On top zum Tante Emma Laden und gelegentlichen theatralen Abstechern nach Deutschland scheint mir das alles ein bißchen viel und ich fühle mich jetzt schon überfordert. Irgendwie surreal vor dem Hintergrund, dass ich vor einigen Wochen noch Angst hatte, in Paris vor dem Nichts zu stehen.

Zurück auf den Montmartre. Von Berufs wegen eine Stadt zu präsentieren, die erst seit wenigen Wochen so was ähnliches wie eine Wahlheimat ist, finde ich schon ziemlich cool. Zum Glück ist man ja als Schauspieler bestens damit vertraut, sich in bisher fremde Situationen und Biografien einzufühlen. Und der Montmartre ist auch wirklich bezaubernd, wenn auch hinreichend touristenlastig – aber hey, davon leben wir ja. Ausserdem habe ich auf diese Weise selbst das ein oder andere über Pariser Stadtgeschichte erfahren und weiß jetzt, wo van Gogh gewohnt hat, dass der heilige St Denis seinen eigenen Kopf noch 8 Kilometer gen Norden getragen hat, nachdem er enthauptet wurde, und dass man sein Glück in der Liebe voranbringt, wenn man die Brüste der Dalida-Statue unsittlich berührt.

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Montmartre-Romantik

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Montmartre-Romantik

 

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Der enthauptete St Denis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erste Eindrücke von der Synchronarbeit französischer Kollegen verschaffte mir ein Studiobesuch hier in Paris, der von Hamburg aus organisiert wurde. Ich bin eine der deutschen Stimmen in einem hinreichend populären, mehrteiligen Computerspiel. Auch die Franzosen spielen dieses Spiel, und so konnte ich, bevor ich an die Reihe kam, einer Aufnahme beiwohnen, wo ich die mir so vertrauten Zeilen in der französischen Übersetzung sah und hörte. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Franzosen, anders als wir, jeden englischen Eigennamen ins Französische übersetzen, so dass diesbezüglich keinerlei Zweifel über die Aussprache bestehen. Via Skype wurden dann auch meine Aufnahmen einer Regie unterzogen und ein drolliger Mischmasch an Sprachen durchwaberte den Raum, weil die Techniker mit mir französisch und mit dem Regisseur in Hamburg englisch sprachen, während Hamburg und ich uns wie gewohnt in unserer Muttersprache verständigten. Die französischen Synchronkollegen entpuppten sich im Übrigen ebenfalls als interessierte Zuhörer unserer deutschen Variante des Oeuvres.

Gestern bin ich schliesslich vom Banlieu ins 18. Pariser Arrondisement umgezogen, was das nächtlich Ausgehen ungemein erleichtert  – sehr zentral, nicht weit vom Kanal, wo ich joggen kann, wenn mein Fuss wieder hundertprozentig in Ordnung ist, und sympathischen Charakters.
Es ist erstaunlich, wie wenig man für einen gepflegten Alltag ohne allzu große Provisorien braucht. Mich umgibt hier nur etwa ein zwanzigstel meines Hamburger Hausstands. Mehr scheine ich im Alltag offenbar nicht zu benutzen, jedenfalls habe ich bis jetzt nichts vom Rest vermisst.  Das Studentische stört mich bis jetzt nicht. Zudem sind Wohngemeinschaften in Paris auch jenseits der 40 noch üblich, dank der exorbitanten Mietpreise, und so befinde ich mich in guter Gesellschaft. Meine französischen Mitbewohner haben die Studentenzeit auch schon länger hinter sich gelassen und sind beide entspannte Zeitgenossen. Ausserdem gibt es eine große gemeinsame Terrasse, die zur Not auch von meinem Zimmer aus zugänglich ist, wenn ich mir die Mühe mache, aus dem Fenster zu klettern. In meinem eigenen Zimmer wird im Laufe der Zeit zweifelsohne noch Deko dazukommen. Verschiedene persönliche Kleinigkeiten haben aber ihren Weg aus dem hanseatischen Hamburg ins haussmännische Paris gefunden und sorgen dafür, dass sich dieser Ort nach zu Hause und nicht so sehr nach Hotel anfühlt.

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Schlafgemach

 

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Ostflügel mit Canapé und Ankleidebereich

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Westflügel mit Sekretär

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin da! Das ist Paris!

Ça roule. Nur die romantische Liebe, deren Erfüllung diese Stadt verspricht, hat sich nicht eingestellt. Obwohl ich Dalinas Brüste anweisungsgemäß bedacht habe:

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Zu gut gerutscht

Zurück aus dem Schwarzwald verbringe ich letzte Tage in Hamburg, und zwar mit den finalen Vorbereitungen für den Umzug am Samstag. Dies gelingt zur Stund allerdings nur mit der tatkräftigen Unterstützung meines Sohnes, denn mein Rutsch ins neue Jahr gestaltete sich diesmal unfallträchtig. Mit ungeignetem Schuhwerk einem Zug hinterherspurtend rutschte ich … und zwar aus. Die Folge sind ein geschwollener Fuß und dadurch bedingt eingeschränkte Bewegungsfähigkeit.

Nach dem Rutsch

Nach dem Rutsch

Immerhin ist am Neujahrstag meines Wissens nach kein prominenter Sympathieträger gestorben und das dahingehende 2016-Bashing wird sich hoffentlich in diesem Jahr nicht fortsetzen. Langsam bin ich nämlich in der Tat ein wenig overflashed von Leuten, die im eigenen Jahresrückblick dem Schicksal prominenter, aber ihnen persönlich unbekannten Persönlichkeiten mehr Bedeutung zumessen als ihrem eigenen.

Vor meinem Sturz ins neue Jahr haben wir übrigens eine fulminante Silvestervorstellung gespielt mit voller Hütte und beglücktem Regisseur. Ein wundervoller Jahresausklang! Vier linke Hände ist bereits im Februar wieder auf dem Spielplan, so dass ich bereits in 4 Wochen ein erstes Gastspiel in Deutschland gebe und damit sanft in die berufliche Quasi-Pause geführt werde …

Bonne année à tout le monde, bref:

3. Station: Zurück im schwarzen Wald

Gar nicht so weit weg von Frankreich, nämlich unweit von Straßburg im Schwarzwald, wurde über die Feiertage „Vier linke Hände“ wieder aufgenommen, das Stück, mit dem das Jahr 2016 für mich begann. Auch wenn in allen sozialen Netzwerken das morgen zu Ende gehende Jahr als bitch beschimpft und der Tod diverser Prominenter (von denen manch einer, wie etwa Leonard Cohen, doch immerhin ein stolzes Alter erreicht hatte) zum Anlass genommen wird, 2016 als besonders häßliches Jahr zu brandmarken, war es für mich persönlich ein erlebnisreiches und wundervolles Jahr, und ich finde es schön, es am morgigen Silvesterabend mit dem Werk ausklingen zu lassen, welches mich hat hineingleiten lassen.

Die Geschichte von Sophie und Betrand paßt zwar nicht ganz zur Jahreszeit, spielt sie doch im menschenleeren Paris im Sommermonat August, wo unsere beiden Hauptfiguren als einzige die Sommerfereien zu Hause verbringen. Aber Liebesgeschichten lassen sich auch postsaisonal – um mal eine 2016 prägende Wortwendung zu verwenden – hervorragend erzählen, und es ist eine solche Freude, die Welt dieses Katastrophenpärchens auf der Bühne entstehen zu lassen! Besonders freue ich mich auf die morgige Silvestervorstellung, zu der ich drei besondere Gäste begrüßen darf, unter ihnen meine Mutter. Ein würdiger Abschied von 2016 und wenig später auch vorübergehend von deutschem Boden.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen gelungenen Jahreswechsel.

Zur Vorankündigung der Silvestervorstellung.

Wenn zwei Menschen zwei linke Hände haben, macht das „Vier linke Hände“, so lautete auch der Titel der Aufführung des Regionentheaters im Bad Dürrheimer Kurhaus. Dabei ist mit den Händen der beiden Hauptpersonen, Sophie und Bertrand, eigentlich alles in Ordnung. Schwierigkeiten haben sie nur, Herz und Verstand in Einklang zu bringen. | Bild: Martin Gruhler

Wenn zwei Menschen zwei linke Hände haben, macht das „Vier linke Hände“, so lautete auch der Titel der Aufführung des Regionentheaters im Bad Dürrheimer Kurhaus. Dabei ist mit den Händen der beiden Hauptpersonen, Sophie und Bertrand, eigentlich alles in Ordnung. Schwierigkeiten haben sie nur, Herz und Verstand in Einklang zu bringen. | Bild: Martin Gruhler

2. Station: Testphase Paris

Vor dem endgültigen Umzug in zwei Wochen habe ich eine Probewoche im bereits erwähnten Tante Emma Laden in Paris zu absolvieren, die man als quasi bestanden deklarieren kann: Le contrat est fait, der Vertrag ist gemacht. Am Ende des gestrigen Tages wurde ich vom patron, also meinem neuen Arbeitgeber, auf ein deutsches Bier eingeladen – ich glaube, es war ein Wernersgründer – und der Vertrag wurde besiegelt. Ich bin also nun, nach langen Jahren der Freiberuflichkeit (gibt’s dieses Wort??) zum ersten Mal wieder Angestellte und habe mich an die Tatsache zu gewöhnen, dass ich zukünftig fragen muss, bevor ich eventuelle Vorstellungstermine zusage. Wobei sich Monsieur da sehr einsichtig zeigte und versprach, dass im Fall eines Falles eigentlich immer Lösungen gefunden werden. Ausserdem sind die sonstigen Arbeitsbedingungen prima: Ich bekomme dank dieses Festvertrags problemlos eine französische Carte Vitale, so nennt sich diese Chipkarte der Krankenversicherung und ein französisches Bankkonto. Die Arbeitszeiten entsprechen meinem biologischen Rhythmus, denn ich bin für die Nachmittagsschicht eingeteilt, so dass meine Arbeitstage sehr kommod um 14 Uhr beginnen, wenn man auch als Künstler bereits mehr oder weniger ausgeschlafen hat. Und der Laden selbst ist einfach niedlich, mit Quasi-Familienanschluss an ein kleines, internationales und altersgemischtes Team. Da ich nicht die einzige Ausländerin bin – ich befinde mich in Gesellschaft einer Deutsch-Mexikanerin, einer Kasachstanerin und einer Kambodganerin – bin ich guter Hoffnung, dass meine sprachlichen Defizite nicht zur Totalkatastrophe werden, auch wenn es für mich echt neu ist, dass ausgerechnet die Sprache mein Sorgenkind ist. Aber hey, das ist ja auch Teil der Erfahrung, die ich machen wollte mit einem Auslandsjahr. Abegesehen davon, dass ich sicher bin, mir hier relativ schnell einige Feinheiten der Landessprache aneignen zu können, immerhin findet der Alltag hier nicht wie gewohnt in deutscher, sondern in französischer Sprache statt, was den Wortschatz rapide erweitert. Zum Beispiel kann ich jetzt fragen, ob das Verfallsdatum bereits abgelaufen ist und erklären, wie das Lebkuchenhaus zum selber Basteln zu bedienen ist, was nach drei Arbeitstagen ja schonmal ein gutes Ergebnis ist.

Im Moment ist mir am Ende des Tages noch ganz schwindelig und mein Gehirn fühlt sich an wie ein alter Commodore 64, der verzweifelt versucht, zeitgenössische Programme zum Laufen zu kriegen. Ausserdem hoffe ich stets, dass die Kunden nichts fragen, was ich nicht verstehe und keine seltsamen Produktnamen verwenden, die man nur als eingefleischter Franzose kennen kann. Entspannt wird es immer, wenn deutsche Kunden kommen und ich damit glänzen kann, dass ich als einzige akzentfreies Deutsch spreche.

Zweifelsohne wird es mich auch ein bißchen Zeit kosten, mir über die Produkte, die ich zwar als Konsumentin irgendwie kenne, aber über deren Eigenschaften und Besonderheiten ich nicht vollumfänglich informiert bin, ein wenig Hintergrundwissen anzueignen. Immerhin bin ich in der Lage, die Aufschriften auf den Verpackungen zu verstehen und im Zweifel für die Kunden zu übersetzen, was schonmal ein Vorteil ist.

Bref, voili voilou … Schwester Esther goes Tante Emma. Die Erfahrung „Leben im Ausland“ hat begonnen.

Mein neuer Arbeitsplatz

PS: Allerdings frage ich mich gerade, ob die dahingehende Berichterstattung noch als „Theaterblog“ durchgeht. Falls nicht, möge es eben die Lücke im Lebenslauf ansprechend erläutern 🙂