Neckarquelle (31.3.2016) zu „Vier linke Hände“

Bad Dürrheim
Ein Mann als letzte Chance

Wenn zwei Menschen zwei linke Hände haben, macht das „Vier linke Hände“, so lautete auch der Titel der Aufführung des Regionentheaters im Bad Dürrheimer Kurhaus. Dabei ist mit den Händen der beiden Hauptpersonen, Sophie und Bertrand, eigentlich alles in Ordnung. Schwierigkeiten haben sie nur, Herz und Verstand in Einklang zu bringen. | Bild: Martin Gruhler

Wenn zwei Menschen zwei linke Hände haben, macht das „Vier linke Hände“, so lautete auch der Titel der Aufführung des Regionentheaters im Bad Dürrheimer Kurhaus. Dabei ist mit den Händen der beiden Hauptpersonen, Sophie und Bertrand, eigentlich alles in Ordnung. Schwierigkeiten haben sie nur, Herz und Verstand in Einklang zu bringen. | Bild: Martin Gruhler

Regionentheater im Bad Dürrheimer Kurhaus / Trockener Humor und amüsante Dialoge / Alles wird gut
von Martin Gruhler
„Vier linke Hände“ lautete der Titel eines Boulevardstücks von Pierre Chesnot, welches das
Regionentheater in seiner aktuellen Spielreihe im Kurhaus aufführte. „Jeder Topf findet seinen Deckel“ lautet die Quintessenz darin.
Nur: doppelte Linkshänder müssen eben länger dran werkeln. Die Komödie spielt in den Sommerferien in Paris. Alle Stadtbewohner sind scheinbar ans Meer verreist. Nur die mondäne Sophie (treffend dargestellt durch die Offenburgerin Esther Barth) ist offenbar zu Hause geblieben und muss ihren 40. Geburtstag alleine feiern.
In depressiver Stimmung fließt viel Alkohol sowie das Badewasser in die Wanne und die Schlaftabletten liegen auch schon bereit. Da ruft Freundin Suzanne an und im vermeintlich letzten Gespräch empfiehlt diese Sophie, sich doch einfach dem nächstbesten Mann an den Hals zu werfen.
Plötzlich steht der da – äußerst aufgeregt. Wenn zwei Frauen telefonieren verläuft sich die Zeit und in diesem Fall auch das Badewasser – in die unterhalb befindliche Wohnung des zu Recht empörten Herrn, den der Hamburger Hans-Herbert Diehl gekonnt darstellte. Sein Name lautet Bertrand. Ihm gehört die Wohnung unterhalb, die jetzt überschwemmt ist. Das spielt für Sophie keine Rolle, denn sie erkennt in Bertrand die letzte Chance für ihr Lebensglück, die jetzt versucht werden muss. Der eingefleischte Junggeselle, dazuhin auch ein schrulliger Professor, erweist sich als festgefahrener Kauz, der allem Süßholzraspeln von Sophie, die es auch als aufreizender Vamp versucht, erst einmal widerstehen kann.
Es entsteht ein exemplarischer Stellvertreterkrieg“ im ewigen Werbebalzkampf von Mann und Frau. „La vie en rose“ trällert Sophie den Chanson von Edith Piaf immer wieder, das Leben funktioniert wohl erst durch die rosarote Brille gesehen, wenn man auch Kompromisse eingehen kann. Wie mit jeweils zwei linken Händen versehen, versuchen die beiden, sich dann doch näher zu kommen, deppert und tollpatschig geht das allerdings nur mühsam voran. „Liebe geht durch den Magen“ – von wegen. Er verschmäht ihre exotischen Kochkünste, sieht darin immerhin aber die Möglichkeit einer etwas anderen Weltreise.
Sie verlacht das Geschenk eines blechernen Marionettenvogels, den er in seiner Werkstatt zusammengebastelt hat. Im ersten Akt ist es Sophie, die Bertrand an die Wäsche will, im zweiten ist es dann umgekehrt. Leidenschaftlich wird um einen Kinobesuch gestritten: Soll`s der Streifen von Pasolini oder der von Bergmann sein? Das Bühnenstück von Pierre Chesnot spielt offenbar so abgeleitet in den 1960er bis 70er-Jahren oder doch nicht. Paris nicht als „Stadt der Liebe“ sondern als „Stadt der Polizisten und Tou – emmh – Terroristen“ wird einmal gesagt. Regisseur Andreas Jendrusch und die Regionentheater-Produzentin Birgit Heintel haben das an sich zeitlose Stück so auch in die aktuelle Gegenwart geholt.
Trockener Humor und amüsante Dialoge brachten das Publikum im Permanentmodus zum Lachen. Ein Dualismus wird auch durch die pfiffig konstruierte Drehbühne auf Rollen aufgezeigt: Zunächst die unaufgeräumte Wohnung der Lebedame, dann um 180 Grad gedreht erscheint das Bücherrefugium des Akademikers. Alles führt natürlich zu einem guten „Ende gut, alles gut“: Mit einem langen Kuss wird die Liebe besiegelt.