Nach dem 7. Januar: Aus nichts alles machen

Viele Gedanken, viel Chaos im Hirn, das Herz läuft auf Hochtouren. Ein neues Projekt bahnt sich seinen Weg. Ich habe einen Aufruf bei Facebook gestartet, um französische Künstler in Hamburg zu finden, die mit mir und meinen deutschen Kollegen mehr als Charlie sein wollen. Die Reaktionen waren enorm, diese Arbeit wird in vielerlei Hinsicht eine besondere sein. Ein Probenprozeß in mehreren Sprachen, das Zeichnen als wesentliches Element des Bühnengeschehens, der brisante, reale Hintergrund eines omnipräsenten Ereignisses, das ist neu für mich. Aus nichts alles zu machen, das ist die Vision.

Auf diesem Blog kann man die Entstehung des neuen Oeuvres jetzt mitverfolgen und Fragmente betrachten.

Erstens: Musik.

„Arrêtez“ (Hört auf) 
Ein Song von Philippe Thilliez

Heute morgen habe ich Gott im Handschuhfach getroffen. Zusammengekrümmt zwischen dem Erste-Hilfe-Koffer und dem Ersatzreifen weinte er.
– Sie haben wieder in meinem Namen getötet, sagte er mir
– Ich weiß, habe ich geantwortet
Ich bot ihm ein Taschentuch an, in dem er sich einrollte, und setzte ihn auf den Beifahrersitz. Er sah aus wie eine Frühliungsrolle. Dennoch, wir haben Winter. Januar. Genauer gesagt den 7. Januar 2015. Diesen Tag, an dem 2 vermummte Fanatiker Unschuldige getötet haben, im Namen der Ehre Gottes.
– Schau, sagte er mir
Eines Tages wird der Mensch all das Übel realisieren, das er angerichtet hat,
Am Rande des Abgrundes seines Gewissens, auf die Knie gesunken,
wird er weinen. Salzlose Tränen, welche die Flüsse zum überlaufen bringen.
Die überbordenden Flüsse werden die Schuldigen ins Meer schwemmen,
Sie werden die Unschuldigen ans Ufer bringen,
Wenn die letzte Träne geflossen ist.
Wenn die letzte Welle sich zurück gezogen hat,
werden an den Ufern nur noch Kinder zurück bleiben.Ich habe ihn betrachtet, dort, ganz klein, in seinem Leichentuch. Erbärmlich traurig. Wenn nur noch Kinder übrig bleiben dürfen, dachte ich, wäre es das Beste, wenn sie nicht an „ihn“ glauben würden, sondern an sich. Ich habe Gott ins Handschuhfach zurück gepackt, habe die kleine Klappe wieder verriegelt, habe die Schlüssel aus dem Fenster geschleudert und bin weiter gefahren, gefahren … Und habe angefangen zu weinen.

– betet, glaubt, macht, wasimmer ihr wollt. Aber hört auf zu töten.

– hört auf zu töten
– hört auf zu foltern
– hört auf zu vergewaltigen
– hört auf zu massakrieren
– hört auf zu steinigen
– hört auf zu „beschneiden“
– hört auf zu existieren

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