Neue Frauen braucht das Theater – Unbeschreiblich weiblich in Kiel

Noch bevor ich wieder nach Reims, resp. Flensburg auf die Spruren von Didier Eribon zurückkehre, wird in Kiel die Komödie Unbeschreiblich Weiblich von Petra Wintersteller Premiere haben.

Der Theaterfrachter Lore&Lay wird zeitnah in bespielbarem Zustand sein, ist aber zur Stund noch work in progress, und so fand die erste Leseprobe an Land statt.

Wie der Titel schon nahelegt, befinden wir uns in einem fast ausschliesslich aus Frauen bestehenden Ensemble. Der junge Josh Riese ist der metaphorische Quotenmann in einem ansonten mit Weibern besetzten Team, inklusive Regie und Regieassistenz. Im Übrigen handelt es sich um ein, wie ich finde, ausnahmslos sympathisches Ensemble mit einer Regisseurin, die die richtigen Töne trifft. Tina Wagner wird das Oeuvre inszenieren, und mich ergriff sofort vollumfängliche Begeisterung, als sich abzeichnete, dass da jemand über die gleichen Stellen im Stück gestolpert ist wie ich und ich mit den Einwänden und Änderungsvorschlägen zu hundert Prozent einverstanden bin – hat man ja auch nicht alle Tage.

Das Setting: Vier Frauen mit auffällig unterschiedlichem Naturell begegnen sich auf der Suche nach einem erfüllteren Leben in einem VHS-Kurs des sehr schönen Titels „Unbeschreiblich Weiblich“. Sie durchlaufen, angeleitet von Frauenversteher Erich Schuler, einen – teils drolligen, teils dramatischen- gruppentherapeutischen Prozess, entdecken sich neu und feiern in einem genregerechten Happy End das Leben und sich selbst. Der Humor dieser Liebe-Dich-selbst-Komödie entsteht vor allem durch die Kombi der Charaktere, in denen jede von uns zweifelsohne die ein oder andere Bekannte – uns selbst eingeschlossen – wiedererkennt und die im Zusammenspiel einfach putzig daher kommen. Ein bisschen schwierig finde ich, gerade im Zusammenhang mit Frauen, die Botschaft, dass ein glückliches, erfülltes Leben, sich in erster Linie durch eine möglichst enge Bindung an einen Mann herstellt. Jedenfalls könnte man die Schlußszene dahingehend interpretieren. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass unsere Regisseurin eine schöne Lösung bereit hält, um diese Interpretationsmöglichkeit nicht so sehr als Kernthese ins Zentrum der Inszenierung zu rücken.

Gute sechs Wochen Probenarbeit liegen vor uns, dann wird Lore&Lay das Ergebnis präsentieren. Wer teilhaben möchte:

Unbeschreiblich Weiblich
Premiere am 26. September um 20 Uhr auf dem Theaterfrachter Lore&Lay
mit Jule Nero, Oleksandra Zapolska, Josh Riese, Martina Riese und alternierend Esther Barth/Heidi Klein
Regie: Tina Wagner

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